Als katholischer Publizist, Schriftsteller und Journalist gehörte Walter Dirks nach dem Krieg zu den prägendsten Intellektuellen der Bundesrepublik Deutschland. Ohne den Hinweis oder Bezug auf die Frankfurter Hefte, die von ihm mit ins Leben gerufen worden waren, gab es zu Beginn der Bonner Republik kaum eine richtungsweisende gesellschaftspolitische Debatte.
Walter Dirks wurde am 8. Januar 1901 im Dortmunder Stadtteil Hörde geboren. Dort betrieb sein Großvater eine Gastwirtschaft, die ein Treffpunkt für die Arbeiter aus den Eisen- und Stahlwerken war. Nach der Volksschule besuchte Walter Dirks das Königliche Gymnasium in Dortmund und machte 1920 sein Abitur. Durch das von ihm erlebte soziale Engagement in seinem Elternhaus blieb er lebenslang mit dem Arbeitermilieu verbunden.
In Paderborn und in Münster studierte er Katholische Theologie sowie Philosophie. Seit 1910 gehörte er der katholischen Jugendbewegung „Quickborn“ an, in welcher man sich untereinander bemühte, Antworten auf Fragen zu Gegenwart und Zukunft zu finden. Während der Ruhrbesetzung wurde sein älterer Bruder Ewald von französischen Truppen erschossen – was in Walter Dirks aber keine Rachegedanken auslöste. Diese Tat veranlasste ihn viel mehr, in der Zeitschrift des „Quickborn“ vehement gegen einen neuen Nationalismus und die bereits aufgetretenen Rachegedanken einzutreten.
Walter Dirks (links) mit dem Theologen Hans Küng
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1923 brach er das Studium nach sieben Semestern ab und begann im Jahr darauf seine journalistische Tätigkeit bei der linkskatholischen Rhein-Mainischen Volkszeitung. Dort blieb er als Redakteur und bald Feuilletonchef, bis das Blatt 1934 von den Nationalsozialisten aufgelöst wurde. 1933 hatte man ihn da schon kurzzeitig in Schutzhaft genommen. Von 1928 bis 1931 betreute er zudem noch die Zeitschrift Der Friedenskämpfer des Friedensbundes Deutscher Katholiken. In seinen Meinungsartikeln dort forderte er, dass politisches Handeln christlich motiviert sein müsse. Dennoch hatte er 1928/29 als Gutachter die Verteidigung im Gotteslästerungsprozess gegen George Grosz unterstützt – dort war er entschieden für die Freiheit der Kunst eingetreten.
Den Nationalsozialismus lehnte er ab, ohne aber zum aktiven Widerstandskämpfer zu werden. Vielmehr plädierte er für ein Zusammengehen von Zentrum und SPD, was bekanntlich Utopie blieb. Ab 1935 durfte Dirks nun als Musikkritiker für die Frankfurter Zeitung arbeiten. 1938 wurde er deren stellvertretender Feuilletonchef. Dirks hielt Abstand zum Regime und bekam schließlich 1943 endgültiges Schreibverbot.
„Wir Feuilleton-Redakteure hatten es leichter als andere, waren weniger häufig von Auflagen bedrängt, waren ferner in der Wahl der Themen freier“, so Dirks über diese Zeit. Doch musste man schon Mut beweisen und um solche kleinen Freiheiten kämpfen – als beispielsweise nach der Ermordung des deutschen Diplomaten Ernst von Rath in Paris durch einen Juden und den danach inszenierten Kristallnacht-Pogromen wochenlang vom Propagandaministerium verlangt wurde, auch im Feuilleton gegen die Juden zu schreiben. Dirks: „Wir weigerten uns und zitterten vor den Folgen. Aber es geschah nichts.“
Nach Kriegsende beteiligte sich Dirks an der Gründung der CDU in Frankfurt und hoffte, dass es nun als Alternative zu jeder Art von Totalitarismus endlich zu einer Verschmelzung von Christentum und Sozialismus komme. Zu der war es in der Weimarer Republik bekanntlich nicht gekommen. Doch das blieb wieder nur ein frommer Wunsch. Darum zog er sich aus der Politik zurück und wandte sich erneut dem Journalismus zu. Zusammen mit ► Eugen Kogon und ► Clemens Münster gründete er 1946 die damals sehr einflussreichen Frankfurter Hefte – Zeitschrift für Kultur und Politik, um in ihnen weiterhin den Aufbau einer Demokratie auf Grundlage von Sozialismus mit christlicher Verantwortung zu propagieren. Doch die Nachkriegszeit wurde bekanntlich zu einer Restaurations-Epoche, in welcher die kapitalistischen Vorkriegsverhältnisse weitgehend wiederhergestellt wurden, selbst in der sozialen Marktwirtschaft von Ludwig Erhard.
1949 wurde Dirks innenpolitischer Kommentator beim Südwestfunk. Von 1953 bis 1956 arbeitete er im Frankfurter Institut für Sozialforschung und gab zusammen mit Theodor W. Adorno die Frankfurter Beiträge zur Soziologie heraus.
Danach leitete er von 1956 bis 1967 die Hauptabteilung Kultur des WDR Westdeutscher Rundfunk in Köln. Aus diesem Ressort stammten die Hörspiel-Sendungen, dann das „Kulturelle Wort“, das „Nachtprogramm“ und der Kirchenfunk.
Nach seiner Pensionierung arbeitete Dirks als Schriftsteller und freiberuflich als Journalist. Zuletzt unterstützte er die Friedens- und Umweltbewegung. Als unabhängiger Journalist und Publizist veröffentlichte Walter Dirks mehr als 4.000 Bücher, Beiträge und Artikel, in denen er die Entwicklungen in der Bundesrepublik kritisch begleitete.
Walter Dirks starb am 30. Mai 1991 in Wittnau bei Freiburg im Breisgau.
(hhb)
Quellen:
Gabriel Rolfes: Dirks, Walter / Deutsche Biographie
Sebastian Martius: Dirks, Walter / Frankfurter Personenlexikon
Walter Dirks - Geschichte der CDU /Konrad-Adenauer-Stiftung
Bücher:
Walter Dirks: War ich ein Spinner? Republikanische Texte von Weimar bis Bonn
Walter Dirks: Sagen was ist – politische Publizistik 1950 – 1968
Walter Dirks: Für eine andere Republik – politische Aufsätze 1971 - 1987
Walter Dirks: Der singende Stotterer – autobiographische Texte