Kurt Eisner wurde am 14. Mai 1867 als Sohn eines jüdischen Textilfabrikanten in Berlin geboren. Er besuchte das humanistische „Askanische Gymnasium“ und studierte nach dem Abitur ab 1886 Philosophie, Germanistik und Literaturgeschichte. Ende 1889 brach er offenbar aus Geldnot sein Studium vorzeitig ab und arbeitete zunächst im Depeschenbüro Herold und später als Journalist für mehrere Zeitungen und Zeitschriften. Eineinhalb Jahre war er Nachtredakteur für die Frankfurter Zeitung und ab 1893 Redakteur der Hessischen Landeszeitung in Marburg, wo seine geschliffenen Nietzsche-Kritiken große Aufmerksamkeit errangen.
Wegen eines Neujahrsartikels in der Berliner Zeitschrift Kritik zur Jahreswende 1897/98 wurde er wegen Majestätsbeleidigung zu neun Monaten Gefängnis verurteilt. Die beanstandete Bilanz eines Herrschers in seinem „Provinzialbrief“ bezog das Gericht auf Wilhelm II. – sie las sich so:
„Auch ich schulde den Völkern die fällige Botschaft, die sie von mir verlangen, weil sie mich insgeheim verachten, so sehr sie mich auch mit tönenden Zungen preisen. Denn es ist nicht Verachtung meines Könnens und Wollens, wenn sie mit gelassener Ehrfurcht wie ein Selbstverständliches von mir die leeren Worthülsen entgegennehmen, gleich als ob nichts so natürlich wäre wie, dass ihr höchster Repräsentant nichtige Worte stammle und ewig dieselben kläglichen drei Töne von sich gebe, die unsere Kinder den Kugelwagen aus buntem Blech entlocken, indem sie sie den Boden entlang ziehen. Wäre ich nicht Herr, meine Knechte würden mich nicht zum Vorsitzenden eines Rauchklubs erwählen, wenn ich nicht Neueres und Klügeres zu sagen verstände.“
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Dadurch wurde die SPD auf ihn aufmerksam, der er dann 1898 beitrat. Der Chefredakteur ihres Zentralorgans Vorwärts, Wilhelm Liebknecht, holte ihn im Jahr darauf als Redakteur in sein Blatt. Und das, obwohl Eisner dem damals bei den Sozialdemokraten vorherrschenden radikalen Marxismus eher kritisch gegenüberstand und mehr zur Aufklärungsphilosophie von Immanuel Kant tendierte. Wie andere sogenannte „rote Kantianer“ versuchte auch Eisner mittels einer Synthese von Kant und Marx die Philosophie der Marburger Schule mit der politischen Praxis der Sozialdemokratie zu verknüpfen: „Denn sachlich gehört Marx zu Kant, in die Reihe der großen Aufklärer des 18. Jahrhunderts, wie tief und entscheidend er immer […] von Hegel beeinflußt ist.“ So Eisner in seinen "Gesammelten Schriften".
Wilhelm Liebknecht war SPD-Abgeordneter im Reichstag und dadurch häufig gebunden – so kam auf Eisner bald eine gewisse Führungsrolle innerhalb der Redaktion zu. Nach dem Tod Liebknechts im Jahr 1900 versuchte er, den Vorwärts für breitere Leserkreise zu öffnen und hielt sich dabei an die Standards der bürgerlichen Presse. Eisner – ihm wurde Sympathie für den revisionistischen Parteiflügel unterstellt, wohl weil er für eine praktische Tagespolitik im Rahmen der bestehenden Gesellschaftsordnung eintrat – geriet dadurch immer häufiger in Konflikt mit dem links orientierten Redaktionskollektiv und kündigte schließlich.
Über Eisners Verdienste und Probleme als politischer Journalist beim Vorwärts urteilte der Publizist ► Maximilian Harden später so: „Eisner war die blankste Feder des deutschen Socialismus, eine in Feierstunden fast tyrannisch spitze, das vielleicht farbigste, im grazilen Schwung kräftigste Talent unserer Presse; und darum gewohnt, rundum fast nur benörgelt, niemals an die goldenen Göttertische zugelassen. Neun Dutzend Abgeordnete, doch kein Sitz für Diesen. Nicht einmal die Leitung des 'Vorwärts', dem nur er, vor und nach ihm Keiner, die ganze Gemeinde der Geistigen erwarb, wurde ihm gegönnt.“
1905 ging Eisner nach München und arbeitete als Schriftsteller und freier Journalist, letzteres noch immer auch im Dienst der SPD. Ab März 1907 übernahm er bis 1910 die Redaktionsleitung der SPD-Zeitung Fränkische Tagespost in Nürnberg. Anschließend wurde er Herausgeber des wöchentlich erscheinenden Blattes Arbeiter-Feuilleton und freier Mitarbeiter des SPD-Blatts Münchner Post.
Zu Beginn des Ersten Weltkriegs hatte er noch im Einklang mit seiner Partei die Kriegskredite befürwortet, entwickelte sich aber im Verlauf des Krieges zum Pazifisten und entschiedenen Kritiker der deutschen Kriegspolitik. 1917 wurde er darum Mitbegründer und bayerischer Vorsitzender der USPD Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands und organisierte dann im Januar 1918 den Münchner Munitionsarbeiterstreik. Dafür wurde er ohne Verfahren achteinhalb Monate inhaftiert.
Am 8. November 1918 rief er die Republik aus: „Die Dynastie Wittelsbach ist abgesetzt! Bayern ist fortan ein Freistaat!“ so seine Proklamation. Er bildete im Landtag einen „Arbeiter-, Bauern- und Soldatenrat“. Tags darauf wurde ein provisorischer Nationalrat in Bayern installiert und Eisner zum ersten Ministerpräsidenten und Außenminister ernannt. Als er Ende November bayerische Gesandtschaftsberichte zum Kriegsausbruch veröffentlichte, aus denen die deutsche Kriegsschuld hervorging, wurde er von rechtskonservativen Kreisen als Verräter beschuldigt, obwohl er gleichzeitig energisch die harten Waffenstillstandsbedingungen der Kriegsgegner kritisierte. Sein Mut, auch unbequeme Wahrheiten auszusprechen, trug sehr wahrscheinlich zur katastrophalen bayrischen Wahlniederlage der USPD in der Januarwahl 1919 bei und zwang Eisner zum Rücktritt.
Auf dem Weg zur konstituierenden Sitzung des neu gewählten Landtags am 21. Februar 1919 wurde Kurt Eisner von dem Reserveleutnant Anton Graf von Arco auf Valley auf offener Straße von hinten ► erschossen.
(hhb)
Bücher:
Bernhard Grau: Kurt Eisner 1867 – 1919. Eine Biographie; C.H. Beck Verlag 2001