Ernst Feder wurde am 18. März 1881 als viertes Kind einer jüdischen Unternehmerfamilie in Berlin geboren. Er besuchte das Sophiengymnasium und studierte anschließend Jura an der Friedrich-Wilhelm-Universität. Für seine Arbeit zum Thema „Verantwortlichkeit für fremdes Verschulden“ wurde er mit einer Goldmedaille dieser Universität ausgezeichnet.
Nach seinem Studium ließ er sich als Rechtsanwalt in Berlin nieder und wurde Mitarbeiter von Theodor Barth in der „Freisinnigen Vereinigung“, der auch Friedrich Naumann angehörte. Damals begann Feder politische Artikel für die Zeitschrift Nation zu schreiben und für Das Freie Wort in Frankfurt/Main. So entdeckte er seine journalistische Neigung und wechselte bald darauf ganz in die Publizistik. Er blieb Jurist aus Berufung und wurde Journalist aus Leidenschaft.
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Von 1919 bis 1931 war er Ressortchef Innenpolitik beim Berliner Tageblatt und wurde dank seiner universellen Bildung und seines politischen Weitblicks zu einem der wirkungsvollsten Journalisten in der Weimarer Republik. Im Dezember 1930 aber wird Feder aus vorgeschobenen Ersparnisgründen zum Ende Juni 1931 gekündigt. Damals befand sich der Mosse-Verlag in der Situation eines verschleppten Konkurses. Das Flaggschiff des Verlags, das Berliner Tageblatt, hatte seit 1926 nur noch Verluste gemacht. Die Weltwirtschaftskrise von 1929 tat ein Übriges, weil die ausländischen Geldgeber des Verlags ihre Kredite fristlos kündigten. Wahrer Grund für Feders Entlassung war allerdings, dass Hans Lachmann-Mosse, Schwiegersohn des Gründers und seit dessen Tod 1920 Verlagsgeschäftsführer, in die von ► Rudolf Mosse verfügte redaktionelle Unabhängigkeit eingriff und verlangte, die politische Berichterstattung im von Feder geleiteten innenpolitischen Ressort neu auszurichten. Lachmann-Mosse wollte das Blatt weitgehend entpolitisieren, vor allem sollten weniger kritische Berichte über Alfred Hugenberg oder Wilhelm Frick veröffentlicht werden. Darauf kündigte Ernst Feder von sich aus die weitere Mitarbeit im Berliner Tageblatt.
Kündigungsschreiben Feders an Mosse
An den
Verlag Rudolf Mosse,
z. Hd. des Herrn Hans Lachmann-Mosse,
Berlin
Sehr geehrter Herr Lachmann-Mosse!
In Ihrem Auftrage hatte mir Herr Dr. Carbe als Generalbevollmächtigter des Verlags eine Kündigung zum 30. Juni 1931 ausgesprochen. Diese Kündigung war ohne Wissen des Herrn Chefredakteurs Theodor Wolff erfolgt. Herr Wolff hat infolgedessen von Ihnen die Zurücknahme der Kündigung verlangt und mir dann in Ihrem Namen mitgeteilt, daß die Kündigung als nicht erfolgt anzusehen sei. Damit kann ich indes den Vorgang nicht als erledigt betrachten.
Es ist mir bitter schwer, die politische Tätigkeit am Berliner Tageblatt in einer Stunde aufzugeben, die mehr als jede frühere die Zusammenfassung aller republikanisch-sozialen Kräfte zur Abwehr der Abenteurerpolitik, der Völkerverhetzung, des Antisemitismus verlangt. Aber es widerstrebt mir, meine Dienste über die vertragliche Pflicht hinaus einem Unternehmen zu widmen, dessen Eigentümer meine Arbeit nicht zu würdigen weiß und mir nach mehr als elfjähriger, hingebender Tätigkeit ohne jeden Anlaß und ohne jede vorherige Benachrichtigung eine Kündigung schickt, obwohl ihm der kompetenteste Beurteiler, der Chefredakteur, mitteilt, daß er in mir den Tragpfeiler der politischen Redaktion sieht.
Deshalb beehre ich mich, mein Vertragsverhältnis zum Verlag Rudolf Mosse zum nächsten tariflich zulässigen Termin, das ist zum 30. Juni 1931, zu lösen.
Hochachtungsvoll
gez. Ernst Feder
Berlin am 19. Dezember 1930
Danach wurde Ernst Feder zum ständigen Richter am „Internationalen Ehrengerichtshof der Journalisten“ in Den Haag. Dieser war am 12. Oktober 1931 im großen Rechtssaal des Haager Friedenspalastes von der „Internationalen Journalistenvereinigung – Fédération Internationale des Journalistes“ gegründet worden. In seiner Rede stellte Feder das Kriterium der Diskretion, also den Quellenschutz in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Und merkte zur Pressefreiheit an: „Wir wissen, daß die Pressefreiheit, das kostbarste Kulturgut jedes modernen Staates, jetzt schon in den großen Ländern totgeschlagen, in anderen hart bedrängt, daß dieses Gut nur verteidigt werden kann, wenn ihm das Korrelat der Selbstdisziplin verantwortungsbewusster Publizisten gegenübersteht.“
Als nach der NS-Machtergreifung seine Verhaftung drohte, floh Feder nach Paris. Dort gehörte er zu den Mitarbeitern der wichtigsten deutschsprachigen Exilzeitung Pariser Tageblatt. Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen versuchte Feder ein Visum für die USA zu bekommen, was misslang. Das „Emergency Rescue Committee“ in Marseille, eine Hilfsorganisation für Flüchtlinge vor dem NS-Regime, konnte ihm und seiner Frau ein dauerhaftes Visum für Brasilien verschaffen. Dort wurde er nach seiner Ankunft im Juli 1941 Mitarbeiter für 40 Zeitungen und Zeitschriften und bald zu einem der bekanntesten Journalisten im Lande. Innerhalb eines Jahres hatte er die portugiesische Sprache gelernt und schrieb beispielsweise für die Zeitung Diário de Noticias eine tägliche Kolumne. Dafür benutzte er wieder sein Berliner Pseudonym „Spectator“. In Brasilien gehörte er zum Exilanten- und Freundeskreis um Stefan Zweig.
Auf Bitten des damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss kehrte Ernst Feder 1957 nach Deutschland zurück. Beide waren gut bekannt miteinander durch ihre gemeinsame Zeit in der „DDP Deutsche Demokratische Partei“ während der Weimarer Republik. Als Wohnort wählte Feder seine Heimatstadt Berlin. Wo er dann am 29. März 1964 starb.
(hhb)
Quellen
Josef Müller-Marein: Notizen zum Niedergang in DIE ZEIT vom 15. Oktober 1971
Bücher
Ernst Feder: Heute sprach ich mit ... 1926-1932 Tagebücher eines Berliner Publizisten; dva 1971