Robert Jungk

Robert Jungk war ein bekannter Wissenschaftsjournalist und Zukunftsdenker. Aber Fortschritt war für ihn nicht allein eine Angelegenheit von wissenschaftlichen Experten – Jungk plädierte stets für eine breitere Wissensgesellschaft, für mehr Bürgerbeteiligung und, wann und wo immer angebracht, auch für Fortschrittskritik. So entstanden schon in den 50er Jahren seine Schriften über wichtige Zukunftsfragen der Menschheit, und später am Beginn der 80er Jahre seine Idee von den „Zukunftswerkstätten“.

Robert Jungk wurde am 11. Mai 1913 als Robert Baum in Berlin geboren. Sein Vater, der Schauspieler, Regisseur und Dramaturg Max Jungk, hatte diesen Künstlernamen angenommen und auf seinen Sohn übertragen.

Robert besuchte das humanistische Mommsen-Gymnasium in Berlin-Charlottenburg und war während der Schulzeit Mitglied im Deutsch-Jüdischen Wanderbund sowie im SSB Sozialistischen Schülerbund. In diesen goldenen zwanziger Jahren erlebte er die vielen Veränderungen in der Moderne, entdeckte aber auch seine Liebe zur Natur. Außerdem faszinierte ihn der aufkommende Kinofilm und der aufklärerische, kritische Journalismus etwa eines Egon Erwin Kisch.

 

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Copyright: ullstein bild - Poly-Press

1932 begann er ein Philosophiestudium an der Berliner Universität und engagierte sich gegen den Nazismus. Am Tag des Reichstagsbrandes wurde auch er verhaftet, weil er Titelseiten des Völkischen Beobachters vom Schwarzen Brett der Universität entfernt hatte. Er kam aber bald wieder frei und ging sofort ins Exil nach Paris, wo er von 1933 bis 1935 Psychologie und Soziologie an der Sorbonne studierte. Und an Filmprojekten etwa von Max Ophüls mitarbeitete.

In Deutschland hatte man ihn da bereits ausgebürgert; dennoch kehrte er 1936 illegal zurück, um sich vorübergehend an Widerstandsaktionen durch Verbreitung von antifaschistischen Flugschriften zu beteiligen. Dort nahm er erneut Kontakt zu Harro Schulze-Boysen und dessen Widerstandskreis auf. Zusammen mit seiner Familie flüchtete man aber im November 1936 nach Prag, wo er seine kritische Pressearbeit fortsetzte.

Kurz vor Kriegsbeginn setzte Jungk sein Studium dann in Zürich fort und promovierte 1944 mit einer Arbeit über die Pressefreiheit in der Schweiz.

Als er in der Weltwoche ab 1942 unter dem Pseudonym F.L. mehrere kritische Artikel über Hitler-Deutschland veröffentlichte – zum Beispiel über den schlechten Gesundheitszustand der deutschen Bevölkerung im dritten Kriegsjahr oder über das Aufputschmittel Pervitin, das deutschen Piloten verabreicht wurde – wurde er für mehrere Monate interniert. Ihm drohte sogar eine Abschiebung nach Deutschland, denn die Schweizer Behörden hatten Angst, durch seine Veröffentlichungen auch noch in den Krieg hineingezogen zu werden. Vor der Abschiebung bewahrte ihn aber der Schweizer Verleger Emil Oprecht.

Nach Kriegsende berichtete Robert Jungk als Korrespondent der Weltwoche über die Nürnberger Prozesse und ab September 1946 dann aus den USA. Dort fand Jungk sein nun wichtigstes Thema: die Probleme der Wissenschafts- und Technologie-Entwicklung am Beispiel der Entwicklung von Nuklearenergie hin zu Atomwaffen.

Aus diesen Erfahrungen entstanden seine ersten beiden Bestseller „Die Zukunft hat schon begonnen“ und „Heller als tausend Sonnen“. Darin warnte er vor einem zu unkritischen Technik-Optimismus und vor den Gefahren der Atomtechnologie. Als er Ende der 50er Jahre nach Europa zurückkehrte, unterstützte er die Abrüstungsforderungen der Friedensbewegung und die Ostermärsche gegen Atomwaffen in Ost und West. Im „heißen Herbst 1983“ engagierte er sich sogar persönlich bei den Anti-Atom-Demonstrationen in Mutlangen oder im Bonner Hofgarten.

Schon 1964 hatte er in Wien sein Institut für Zukunftsforschung gegründet mit dem Ziel, Fehlentwicklungen so früh wie möglich zu erkennen. Sehr am Herzen lag ihm daher der Wissenschaftsjournalismus. So stellte er im Juli 1975 die Frage: „Es wäre zu überlegen, ob das Studium der Naturwissenschaften und der Technologie nicht endlich in das Curriculum der allgemeinen Journalistenausbildung aufgenommen werden sollte.“

 

Damals schrieb Jungk regelmäßig Kolumnen für das X-Magazin und Bild der Wissenschaft und konnte durch diese Tätigkeit feststellen, dass es „langsam mehr populärwissenschaftliche Artikel oder ganze Beilagen in den Tages- und Wochenzeitungen gibt. Es träfe auch zu, dass Radio und Fernsehen öfter als früher sich Themen aus der Welt der Forschung widmen.“ Aber genug war das für ihn noch immer nicht.

1977 veröffentlichte Robert Jungk seinen Welt-Bestseller „Der Atomstaat. Vom Fortschritt in die Unmenschlichkeit“, der erhebliche Diskussionen auslöste. Worauf er sich als ein „Agitator fürs Überleben“ bezeichnete. Und 1986 erhielt er den Alternativen Nobelpreis.

Robert Jungk starb am 14. Juli 1994 in Salzburg, wo er in einem Ehrengrab beigesetzt wurde.

(hhb)