Arnold Kübler

Arnold Kübler war ein Schweizer Bürger mit vielen Interessen und Talenten. Er arbeitete als Schauspieler, Schriftsteller, Zeichner und Redakteur. Als Publizist wurde er zum Mentor eines modernen Fotojournalismus und mit der von ihm erfundenen Zeitschrift du zu einem publizistischen Förderer zeitgenössischer Kunst und Literatur.

Arnold Kübler wurde am 2. August 1890 als jüngster Sohn eines Bauern und Gastwirts in Wiesendangen geboren. Er besuchte das Gymnasium in Winterthur und begann 1911 ein Geologie-Studium in Zürich und an der Technischen Hochschule in Delft/Niederlande. Er reiste viel, hielt sich 1912/13 in Rom auf und besuchte Ausgrabungsstätten in Südeuropa. Brach dann aber sein Studium 1917 ab und begann eine Bildhauerlehre. Nebenher übernahm er kleinere Rollen am Stadttheater in Zürich. Ab 1919 lebte er in Berlin und arbeitete als Schauspieler an Theatern in Görlitz, Dresden oder am Neuen Volkstheater Berlin. Dort wurde damals sein erstes Bühnenstück „Schuster Aiolos“ uraufgeführt. Doch dann zwang ihn eine 1926 missglückte Operation die Schauspielerei aufzugeben. Ein Chirurg hatte ihm bei der Entfernung eines Furunkels an der Oberlippe sein Gesicht entstellt.

Er kehrte nach Zürich zurück, begann dort als Journalist zu arbeiten. 1929 wurde er Chefredakteur der Zürcher Illustrierten, bis diese nach gut zehn Jahren eingestellt wurde. 1941 gründete er zusammen mit dem Verlag Conzett & Huber die Kulturzeitschrift du, die er 16 Jahre lang leitete.

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Copyright: Von ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv / Fotograf: Comet Photo AG (Zürich) / Com_X-K008-002 / CC BY-SA 4.0, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=96058648

Mit modernen Bildreportagen in Zusammenarbeit mit Fotografen wie Hans Staub, Emil Schulthess, ► Paul Senn oder ► Werner Bischof sowie mit Themenheften über zeitgenössische Kunst prägte er das neuartige Kultur-Magazin. Früh machte Kübler seine Leserschaft mit den Werken moderner Maler wie Georges Braque, Paul Klee, Joan Miro oder Pablo Picasso bekannt und profilierte sein Blatt als Kulturvermittler und Impulsgeber. Auch literarische Talente wie Friedrich Glauser oder Annemarie Schwarzenbach wurde von Kübler intensiv gefördert.

Mit Ideenreichtum und konsequent nach Themen geordneten Inhalten hielt er den Kurs des Magazins und sicherte so ihren Erfolg. Wollte dann aber seinen eigenen schöpferischen Ideen und Talenten mehr Raum geben, weshalb er 1957 die Leitung von du in die Hände von Manuel Gasser legte. Seine Begründung: „Ha nöd neimeds wölle blybe, bis me mich pensioniert, ha wölle zeichne, schrybe“. So der inzwischen fast siebzigjährige Kübler, der zu neuen Ufern aufbrechen wollte. Seine knarzende Sprache hatte er mit mäßigem Erfolg abzulegen versucht.

Im so gewonnenen Freiraum arbeitete er wieder intensiver als Schriftsteller und Zeichner. Es entstanden neue, meistens humorvolle und von ihm illustrierte Werke – auch eine Fortsetzung seiner „Öppi-Romane“, die er einst neben seiner Berufsarbeit frühmorgens im Zürcher Bahnhofbuffet begonnen hatte. Der erste Band war 1943 erschienen - nun konnten weitere folgen.

Auch als Kabarettist trat er jetzt persönlich auf und hatte mit mundartlichen Soloprogrammen großen Erfolg. Schon in den dreißiger Jahren hatte er für das Cabaret Cornichon in Zürich Texte verfasst. Heinrich Gretler hat dort damals sein Lied „De Räbehächler“ gesungen.

Kübler blieb bis ans Lebensende kreativ und aktiv. Ein unruhiger Geist, der noch im Alter von 77 Jahren eine 28-tägige Wanderung von Paris nach Basel unternahm und daraus ein hinreißendes Buch machte.

Kübler wurde mit mehreren Kunstpreisen ausgezeichnet und sein Heimatort Wiesendangen benannte eine Straße nach ihm.

Arnold Kübler starb am 27. Dezember 1983 im Alter von 93 Jahren in Zürich.

 

(hhb)

 

Quellen

Dieter Bachmann: Arnold Kübler / Historisches Lexikon der Schweiz

Arnold Kübler / viceversa literatur.ch

Charles Linsmayer: Texte zu Arnold Kübler

Arnold Kübler / Theaterlexikon CH

Dieter Bachmann: Kübler lesen /mueller science

 

Bücher

Arnold Kübler: Der verhinderte Schauspieler / 1934, Neuauflage beim Nagel und Kimche Verlag München, 2006

Arnold Kübler: Zürich. Erlebt, gezeichnet, erläutert / 1960

Arnold Kübler: Paris – Bâle à pied (500 km zu Fuß in 28 Tagen) / Artemis 1967

Arnold Kübler: Israel, ein Augenschein / 1970