Der Publizist und Heimatdichter Hermann Löns begann seine journalistische Karriere bei August Madsack in Hannover. Dort arbeitete er sich beim neu gegründeten Hannoverschen Anzeiger bis zum Chefredakteur hoch und errang mit seinen humorvollen lokalen Plaudereien große Popularität. Nach einigen Startschwierigkeiten hatte er sich zu einem talentierten Reporter und exzellenten Lokaljournalisten entwickelt. Als „Heidedichter“ wurde er bereits zu Lebzeiten zum Mythos.
Hermann Löns wurde am 29. August 1866 als ältestes von insgesamt 14 Kindern in Kulm/Westpreußen geboren. Die Eltern stammten aus Westfalen. Sein Vater war Gymnasiallehrer, der nach Deutsch Krone am Rande der Tucheler Heide versetzt wurde. Dort verbrachte Hermann Löns seine Jugendzeit, hier wurde er eingeschult und begann sich von klein auf für Natur, Wald und Wiesen und die Tiere darin zu interessieren. Später besuchte Löns das Gymnasium bis zur Mittleren Reife – sein Abitur machte er dann 1887 im Gymnasium Paulinum in Münster, wohin sein Vater inzwischen versetzt worden war.
In Greifswald begann Löns ein Medizinstudium, hatte aber bald Probleme, die Studiengebühren wegen seines Lebenswandels aufzubringen. Darum wechselte er nach Göttingen. 1889 rief ihn sein Vater nach Münster zurück, wo er sich an der dortigen Akademie für Mathematik und Naturwissenschaften einschrieb. Im Jahr darauf brach er auch dieses Studium ab. Wegen seines ausschweifenden Lebenswandels mit exzessivem Alkoholkonsum kam es zum Bruch mit seinen Eltern.
Nun versuchte er sich als Hilfsredakteur bei der Pfälzischen Presse in Kaiserslautern, wurde aber schon nach einem Jahr entlassen. Danach arbeitete er ein paar Wochen für die sozialdemokratische Reußische Tribüne in Gera. Anschließend berichtete er während der Cholera-Epidemie aus Hannover. 1893 zog er ganz nach Hannover und begann für den Hannoverschen Anzeiger zu schreiben, der gerade vom Verleger ► August Madsack gestartet worden war. Dort entwickelte sich Löns zu einem engagierten und zuverlässigen Journalisten, der sich innerhalb kurzer Zeit von einem freien Mitarbeiter zum Chefredakteur hocharbeitete.
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Die humoristischen Plaudereien und satirischen Gedichte in seiner Kolumne „Fritz von der Leine“ oder die er unter dem Pseudonym „Aadchen Zieseniß“ veröffentlichte, machten ihn schnell populär und trugen zur Auflagensteigerung des Blattes bei.
1902 startete Löns als Herausgeber zusammen mit seinem Kollegen Richard Hamel ein eigenes Blatt, die Hannoversche Allgemeine. Sie wurde allerdings zum Flop und 1904 eingestellt. Nun verließ Löns den Madsack-Verlag und schrieb unter dem Pseudonym Ulenspeigel für die Konkurrenzzeitung Hannoversches Tageblatt jede Woche seine lokalen und regionalen Betrachtungen.
1907 bot man ihm die Chefredaktion der Schaumburg-Lippischen Landes-Zeitung in Bückeburg an. Dorthin ging er in der Hoffnung, in einer Kleinstadt auch mehr Ruhe für seine Romanprojekte zu finden. Doch bald kam es zu Problemen, weil der Verleger ihm Vorgaben machte und darauf pochte, Rücksicht auf das höfische Leben im Fürstentum Schaumburg-Lippe zu nehmen. Löns schied im Groll und verspottete anschließend diese deutsche Kleinstaaterei in seiner bissigen Satire „Duodez“.
Bückeburg wurde so zum Schlussstrich unter seiner journalistischen Tätigkeit. Nach Hannover zurückgekehrt arbeitete er von nun an als freier Schriftsteller und verfasste in den folgenden Jahren viele seiner berühmt gewordenen Kurzgeschichten und Erzählungen. Und frönte seiner Jagdleidenschaft in der Lüneburger Heide.
Zu Beginn des Ersten Weltkriegs meldete sich Löns freiwillig zum Militärdienst und wollte nach seiner Ausbildung unbedingt an der Front kämpfen. Das Angebot, als Kriegsberichterstatter zu dienen, lehnte er kategorisch ab. Anfang September 1914 überquerte er, zwei Wochen nach der verlustreichen Schlacht an der Marne, mit seinem Regiment die französische Grenze ganz im Norden Frankreichs. Am 26. September, bei einem Sturmangriff auf das etwas weiter südlich gelegene Loivre, unweit von Reims, erlitt Löns offenbar einen Herzschuss. Anfang Oktober 1914 wurde sein Leichnam in einer Gefechtspause in einem Einzelgrab beerdigt. Von der ungefähren Lage des Grabes hatte sein Kompaniechef eine Skizze angefertigt.
Um seine letzte Ruhestätte begann später geradezu eine Posse. 1918 wurde sein angebliches Grab zunächst mit einem Holzkreuz kenntlich gemacht. Nachdem das umgestürzt war, wurde der Leichnam exhumiert und auf einem nahegelegenen Soldatenfriedhof beigesetzt. 1920 wurden alle Überreste von dort in ein Massengrab auf dem Friedhof in Loivre umgebettet.
Hermann Löns war zu Lebzeiten zwar ein durch und durch konservativer Patriot, der sich selber gern als überzeugter Teutone bezeichnete. Was er ganz sicher nicht war: ein Schrittmacher der Nationalsozialisten. Die aber wollten ihn gern in Besitz nehmen, schon wegen seiner Berühmtheit und seiner viel gelesenen und beliebten Werke.
1933 hatte ein französischer Landwirt beim Pflügen auf einem Acker bei Loivre ein Skelett gefunden, mit einer Erkennungsmarke, die ohne sonderliche Prüfung Löns zugeordnet wurde. Diese Überreste wurden in einem Einzelgrab in Loivre bestattet.
Auf Anordnung von Hitler sollte Löns am 10. Oktober 1934 „wieder heim ins Reich geholt werden.“ Also grub man ihn erneut aus. Allerdings bereitete den Nazis das Finden eines angemessenen Bestattungsorts wochenlang Probleme. Wegen dieser Verzögerung entführten daher SA-Mitglieder am 30. November den Sarg aus der Friedhofskapelle in Fallingbostel in begruben ihn unter Wachholderbäumen auf dem privaten Grundstück eines NSDAP-Gauleiters in Schneverdingen. So glaubte man, den berühmten Heidedichter nun endgültig für sich eingenommen zu haben.
Da hatte man die Rechnung allerdings ohne die Reichswehr gemacht: Die grub den Sarg ein weiteres Mal aus und bestattete ihn am 2. August 1935, am Jahrestag des Kriegsbeginns von 1914, bei einer Gedenkfeier im Tietlinger Wacholderhain bei Walsrode. Dort, wo bereits seit 1929 ein Löns-Denkmal stand. Ob dort allerdings wirklich die Gebeine von Hermann Löns begraben wurden, ist bis heute ungeklärt.
Doch die Nazis ließen nicht locker: Aus seinem Matrosenlied „... denn wir fahren gegen Engeland!“ machten sie eine Art Fliegerhymne für ihren Luftkampf gegen Großbritannien. Und der Titel seiner Bauernchronik aus dem Jahr 1910 „Der Wehrwolf“ wurde zu einer Durchhalteparole für ihr letztes Aufgebot, das gegen Ende des Zweiten Weltkriegs noch viele Soldaten das Leben kostete. Löns war da schon seit rund 30 Jahren tot.
Hermann Löns war in seinen 49 Lebensjahren sicher keine Person ohne Fehlverhalten: Er war ein dreimal verheirateter Chauvivinist, führte einen oft exzessiven Lebenswandel, kritisierte in seinen satirischen Auslassungen Gott und die Welt, darunter wie damals auch andere gelegentlich Juden. Keinesfalls aber war er ein Antisemit, wozu ihn die Nazis zu machen versuchten.
(hhb)
Quellen
Sammlung Hermann Löns / Universität Münster
Hermann Löns in Münster / Münster Wiki
Hermann Löns / Heimatkreis Deutsch Krone
Hermann Löns – eine zerrissene Persönlichkeit
26. September 2004 – Vor 90 Jahren: Hermann Löns stirbt / WDR
Bernd Sperlich: Mit der Zeitung ‚Hannoverscher Anzeiger‘ fing alles an / my Heimat vom 14. April 2011
Christian Linder: Todestag Hermann Löns – Deutsch-nationale Traumbilder vom Heidedichter / Deutschlandfunk am 26.9.2014
Markus Thielemann: Die Deutschen und ihr Dichter – über Hermann Löns / 54 Books am 10.8.2023
Jan Ehlert: Hermann Löns – Der umstrittene Heidedichter / NDR am 26.9.2024
Nils Hartung: Hermann Löns – Das Rätsel um sein Grab in der Heide / NDR-Radio 26.9.2024
LEMO - https://www.dhm.de/lemo/biografie/hermann-loens
Bücher + Schriften
Hermann Löns: Mein goldenes Buch, 1901
Hermann Löns: Mein grünes Buch, 1901
Hermann Löns: Mein braunes Buch, 1906
Hermann Löns: Mein blaues Buch, 1909
Hermann Löns: Der letzte Hansbur, 1909
Hermann Löns: Dahinten in der Heide, 1909
Hermann Löns: Mümmelmann, 1909
Hermann Löns: Der Wehrwolf – Eine Bauernchronik, 1910
Hermann Löns: Das zweite Gesicht, 1911
Hermann Löns: Mein buntes Buch, 1913
Hermann Löns: Heidebilder, 1913
Hermann Löns: Der kleine Rosengarten - Volkslieder, 1917
Hermann Löns: Die Häuser von Ohlenhof, 1917 posthum