Paul Lindau

Der Journalist, Verleger, Schriftsteller und Theaterleiter Paul Lindau galt in Berlin, wo er mehrere Periodika gründete, zeitweise als Kritikerpapst. Für seine Zeitschriften arbeiteten damals so bekannte Autoren wie Berthold Auerbach, Theodor Fontane, Karl Gutzkow, Paul Heyse oder Gottfried Keller.

Paul Lindau wurde am 3. Juni 1839 in Magdeburg als Sohn einer Arzt- und Juristenfamilie geboren. Ab 1847 wohnte die Familie in Berlin, wo Paul das Dorotheenstädtische Realgymnasium besuchte. Nach der Schulzeit studierte er in Halle, Leipzig und Berlin Philosophie und Literaturgeschichte.

Anschließend ging er nach Paris, um an seiner Dissertation über Molière zu arbeiteten. Dort lernte er die Dramatiker Émile Augier und Victorien Sardou sowie Alexandre Dumas den Jüngeren kennen; dessen Werke er später übersetzte.

Zurück in Deutschland begann er 1862 als Journalist zu arbeiten, zunächst als Lokalreporter und Korrespondent. Von 1864 bis 65 leitete er dann die Düsseldorfer Zeitung, wurde 1865 Parlamentsberichterstatter im Wolff’schen Telegrafen-Bureau in Berlin, danach von 1866 bis 1869 Redakteur bei der Elberfelder Zeitung und ab 1870 Gründer und Herausgeber des Familien-Journals Das Neue Blatt in Leipzig.

1971 zog Lindau nach Berlin, wurde zunächst Redakteur der führenden Mode- und Frauenzeitschrift Bazar und gründete im Jahr darauf als Wochenschrift Die Gegenwart - für Literatur, Kunst und öffentliches Leben. Deren Herausgeber und Chefredakteur blieb er bis 1882.

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Aus Spemanns goldenes Buch des Theaters, 1902. Scan --Goerdten 21:33, 4. Feb. 2007 (CET)

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Doch schon 1877 hatte er mit der Familie Schottländer in Breslau die Nord und Süd - Monatsschrift für internationale Zusammenarbeit gestartet. Darin informierte er seine Leser über internationale Themen und Ereignisse und blieb bis 1904 ihr Herausgeber und Redaktionsleiter. 1886 kam noch die Wochenschrift Das Neue Berlin dazu.

In dieser Zeit veröffentlichte er Artikel etwa über Ferdinand Lasalle, Wilhelm Busch, Émile Augier und über Begegnungen mit Künstlern aller Art. Dazu Theaterkritiken, etwa über Richard Wagners Opern und die damals gerade gegründeten Bayreuther Festspiele. Sein Bayreuther Erlebnis schilderte Lindau in einem ► Brief an einen Freund, der 1876 in Heft 41 der Gartenlaube veröffentlicht wurde.

Dazu kamen Literaturkritiken über neue Romane aus dem literarischen Frankreich, etwa von Daudet oder Zola. Und natürlich Berichte über deutsche Neuerscheinungen von Felix Dahn, ► Theodor Fontane, Gustav Freytag, Emanuel Geibel und vielen anderen – sowie Abdrucke von eigenen Novellen. Bald fertigte er zunehmend auch tagesaktuelle Aufsätze: zum Beispiel über einen „Zukunftsstaat“, oder stellte Fragen „Wie denken Sie über Amerika“, schilderte Eindrücke „Aus der Berliner Verbrecherwelt“ und informierte immer wieder über Aufsehen erregende Verbrechen in aller Welt. Behandelte aber auch Ansichten und Streitigkeiten zu „Idealismus und Naturalismus“ oder „Künstlerruhm und Vergänglichkeit“. Mit Blick aufs Theater veröffentlichte er „Bemerkungen über Regie und Inszenierung“ und schrieb schließlich humorvolle Reiseberichte voll eigener Erfahrungen.

Kurz vor der Jahrhundertwende wandte sich Paul Lindau wieder mehr dem Theater zu. Als Schauspielautor hatte er bereits große Erfolge gefeiert, genau wie mit seinem Romanzyklus „Berlin“, der zwischen 1886 und 1888 erschien. Nun engagierte er sich total fürs Theater: wurde 1895 Intendant des Hoftheaters in Meiningen und nach seinem Rücktritt dort und der Rückkehr nach Berlin von 1900 bis 1903 Direktor des Berliner Theaters in Berlin-Kreuzberg, danach von 1903 bis 1904 des Deutschen Theaters und arbeitete zwischen 1909 und 1917 als erster Dramaturg beim Königlichen Schauspielhaus. Darüber hinaus setzte er sich als Drehbuchautor mit den künstlerischen Möglichkeiten des aufkommenden Mediums Film auseinander. Aus seinem Schauspiel „Der Andere“ machte er ein Drehbuch für den gleichnamigen Film, der mit Albert Bassermann in der Hauptrolle 1913 realisiert wurde.

Paul Lindau starb am 31. Januar 1919 in Berlin, im Alter von 79 Jahren. Er wurde in Eisenach beigesetzt.

(hhb)

 

Quellen

Gertraude Wilhelm: Lindau, Paul / Deutsche Biographie

Paul Lindau / Lexikon Westfälischer Autorinnen und Autoren /

Reinhard Müller: Paul Lindau / Archiv für die Geschichte der Soziologie, 2008

Albert Traeger: Ein Mann der "Gegenwart" / Die Gartenlaube Heft 8/1877

H. Schneider: Medienereignisse im 18. und 19. Jahrhundert – ab Seite 181 /R. Oldenbourg Verlag München, 2009

 

Bücher + Schriften

Paul Lindau: Der Komödiant – Schauspiel / Reclam Leipzig, 1892

Paul Lindau: Der Andere – Schauspiel in vier Aufzügen / Wehrhahn

Paul Lindau: Berlin – Romane / Cotta, 1886-1888

Paul Lindau: Amerika-Reisen – Neue Welt / Duncker

Paul Lindau: Altes und Neues aus der Neuen Welt. Eine Reise durch die Vereinigten Staaten und Mexiko / Duncker

Paul Lindau: Fünfzehn Jahre Theater 1888-1903 / Reclam