Fred Luchsinger war ein Schweizer Journalist und Politiker. Als Chefredakteur der NZZ Neue Zürcher Zeitung entwickelte er sein Blatt zu einer modernen Tageszeitung, zu einer liberalen Stimme mit den Schwerpunkten Wirtschafts- und Auslandsberichterstattung. Darum wurde sie nicht nur in der Schweiz gelesen.
Friedrich Wilhelm Fred Luchsinger wurde am 9. Juli 1921 als Sohn eines Handelsvertreters in St. Gallen geboren. Nach dem Abitur am Literaturgymnasium der St. Gallener Kantonschule studierte er in Zürich und Basel Geschichtswissenschaft und Philosophie und promovierte 1948 zum Dr. phil.
Ab 1949 arbeitete er zunächst als Volontär in der Auslandsredaktion der NZZ und wurde dort noch im selben Jahr Redakteur. Von 1955 bis 1963 war Luchsinger Deutschland-Korrespondent in Bonn. In diesen Jahren, in denen die junge Bundesrepublik langsam Gestalt annahm und sich ihr Kanzler für eine klare Westbindung entschied, führte Luchsinger viele intensive Gespräche mit Konrad Adenauer. Vereinnahmen aber ließ er sich nie und hielt auch mit Kritik nicht zurück. Sein Credo war der gut informierte, immer aber unabhängige Journalismus. Womit er dazu beitrug, damals den Ruf der NZZ als ein überparteiliches Blatt mit freiheitlich-liberaler Stimme über die Grenzen der Schweiz hinaus zu etablieren und zu festigen.
►Marion Dönhoff, Bernhard zur Lippe-Biesterfeld und Fred Luchsinger (1979)
De Erasmusprijs 1979 door Prins Bernhard, in tegenwoordigheid van koningin Juliana, uitgereikt aan het dagblad Neue Zürcher Zeitung en het weekblad Die Zeit. Prins Bernhard met dr. Marion Gravin Dönhoff (l) en dr. Fred Luchsinger (r) 19 september 1979
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1963, nach seiner Rückkehr als Auslandsredakteur und Leitartikler in die Zentralredaktion, beschäftigte er sich weiterhin mit den jeweils wichtigen internationalen Themen in dieser Zeit des Kalten Krieges: Europas Weg zu mehr Kooperation, seine Sicherheitspolitik und die Bildung von europäischen wie transatlantischen Allianzen gegen die latente Bedrohung durch die Sowjetunion. Luchsinger, von seinen Kollegen gern als „Luchs“ bezeichnet, recherchierte intensiv über Ost-West-Probleme, über Rüstungsfragen und die Machtveränderungen im Kreml.
1966 wurde er Chef des Auslandsressorts und 1968 Chefredakteur der NZZ als Nachfolger von ►Willy Bretscher. Von dieser Zeit an wurde die NZZ noch deutlicher international ausgerichtet. Luchsinger verstärkte die Zahl der Auslandsberichte, die sich fast immer als gut informiert und detailgenau herausstellten. Bundeskanzler Helmut Schmidt soll einmal gesagt haben, er würde lieber gleich die NZZ lesen als die Berichte seines Auslandsgeheimdienstes BND, der ihn damals wohl ohnehin nicht sonderlich überzeugte.
Ende 1984 ging Luchsinger als Chefredakteur in den Ruhestand. Da war er schon in den Verwaltungsrat gewählt worden. Der Generalversammlung der NZZ verkündete er damals eine Art unternehmerisches Vermächtnis: „Die lange Tradition verpflichte die Treuhänder der NZZ auf ein Erbe, mit dem man nicht tun und lassen könne, was gerade beliebe.“
Am 9. Mai 2009 starb Fred Luchsinger nach schwerer Krankheit im Alter von 87 Jahren.
(hhb)
Quellen:
Fred Luchsinger gestorben - NZZ 15.05.2009
Die NZZ-Legende Fred Luchsinger ist gestorben – DIE WELT 15.5.2009
225 Jahre Neue Zürcher Zeitung – Die Geschichte der NZZ, 1780-2005
Universität Heidelberg