Der Rundfunk- und Fernsehjournalist Ernst Dieter Lueg moderierte und gestaltete vor allem politische Sendereihen mit. Bekannt wurde er durch seine Sprechweise und die Art, in Interviews seine Fragen zu stellen und dann beherzt nachzuhaken.
Lueg wurde am 9. Januar 1930 als Sohn eines Geschäftsführers in Essen geboren. Nachdem er 1950 sein Abitur gemacht hatte, absolvierte er zunächst ein Volontariat bei der Westfälischen Rundschau und studierte anschließend von 1953 bis 1957 Geschichte, Politische Wissenschaften und Philosophie in Bonn. Danach arbeitete er erneut für die Sportredaktion der Rundschau sowie bei der Neuen Ruhr-/Neuen Rhein-Zeitung in Essen, wechselte aber bald zum Westdeutschen Rundfunk WDR.
Ab 1964 war er beim WDR-Fernsehen angestellt, arbeitete als Korrespondent und moderierte gelegentlich die „Tagesthemen“. Von 1967 an berichtete er aus dem Studio Bonn des WDR, ab 1973 als Stellvertreter des Studioleiters Friedrich Nowottny und von 1985 bis zu seiner Pensionierung 1995 dann als deren Chef. In diesen Bonner Jahren gehörte Lueg immer zum Redaktionsteam der Sendung „Bericht aus Bonn“, die er bis 1995 insgesamt 450mal mitgestaltete und moderierte.
Bundestagswahl - Wahlnacht in der SPD - Bildmitte Willy Brandt, rechts daneben Ernst Dieter Lueg, 3. Oktober 1976
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Außerdem sah man Lueg des Öfteren in der „Bonner Runde“ und mit Beiträgen in der „Tagesschau“. Mancher wird sich noch an das ► Interview mit dem SPD-Politiker Herbert Wehner nach der Bundestagswahl 1976 erinnern, als Wehner Lueg nicht mit dem gedehnten „u“ im Namen anredete, sondern mit einem „ü“ als „Herr Lüg“.
Lueg konterte schlagfertig und verabschiedete ich so: „Vielen Dank für diese Zwischenkommentierungen, Herr Wööhner.“
Angst vor sogenannten „Fürstenthronen“ hatte er nie: Als Reporter wurde er respektiert, in der SPD-Baracke wie im „Langen Eugen“. Politiker wussten, wie er ihnen mit oft mehreren Nachfragen weitere Informationen zu entlocken suchte ... was ihm nicht selten gelang. Seine nasale Sprechweise war zwar manchmal Grund für Spötteleien, aber damit schaffte es Lueg sogar als Puppe in die Show „Hurra Deutschland“. Auch andernorts wurde er gern parodiert, zum Beispiel im Düsseldorfer Kom(m)ödchen oder von Loriot. Was seine Bekanntheit nur förderte.
Norbert Blüm verabschiedete sich am 7. Februar 1995 im Bonner „Haus der Geschichte“ bei Luegs Eintritt in den Unruhestand voller Anerkennung: „Du warst ein Stück Bonner Republik“. Doch auch im Unruhestand arbeitete Lueg gelegentlich weiter, etwa für die Privatsender RTL in „RTL-Analyse“ oder Sat.1 sowie für den Hörfunk.
1997 wurde Ernst Dieter Lueg mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet. Schon 1985 hatte er den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen bekommen.
Ernst Dieter Lueg starb am 22. Mai 2000 im Alter von 70 Jahren an Krebs. Beigesetzt wurde er auf dem Burgfriedhof in Bad Godesberg.
Intendant ► Fritz Pleitgen würdigte Ernst Dieter Lueg, der über 30 Jahre lang die Bonner Politik begleitet hatte, bei der Trauerfeier am 30. Mai mit diesen Worten:
„Ernst Dieter Lueg gehörte zu den herausragenden Persönlichkeiten des Westdeutschen Rundfunks. Über drei Jahrzehnte hat er die politische Berichterstattung der ARD geprägt. Dem Millionenpublikum in der Bundesrepublik Deutschland, aber auch in der damaligen DDR, war er in zahllosen Beiträgen, Interviews, Moderationen und Sondersendungen zu einem Mittler des politischen Geschehens geworden, dem sie gerne zuhörten und vertrauten. Wie kaum ein anderer kannte er sich in den komplizierten Zusammenhängen des politischen Lebens aus. Dies und sein eigener Stil der Präsentation machten ihn zu einem Markenzeichen.“
(hhb)
Quellen
Ernst Dieter Lueg gestorben / Spiegel Panorama vom 23.5.2000
Friedrich Nowottny: Abschied von einem Freund / DIE WELT 24.5.2000
Klaudia Brunst: Ein Stück Bonner Republik / Berliner Zeitung 24.5.2000
Steffen Grimberg: Arbeiter statt Anwalt–Ernst Dieter Lueg ist tot / taz 24.5.2000
Krebs! Ernst Dieter Lueg ist tot / Berliner Kurier am 24.5.2000