Alexander Roda Roda

Alexander Roda Roda war ein österreichischer Publizist, Humorist, Satiriker und Schriftsteller. Er schrieb Satiren für Medien und fürs Kabarett. Eine Satire über Hitler im Berliner Tagblatt veranlasste ihn, 1933 sofort nach der Machtergreifung zurück nach Österreich zu gehen. Und nach dem Anschluss Österreichs floh er via Schweiz und Spanien in die USA.

Sándor Friedrich Rosenfeld wurde am 13. April 1872 in Drnowitz/Österreich-Ungarn geboren. Seine Familie nannte sich inoffiziell Roda Roda, was in der serbo-kroatischen Sprache Storch bedeutet. Schon in Jugendjahren schrieb er unter diesem Namen zusammen mit seiner Schwester kleine Geschichten - erste Arbeiten von ihm wurden ab 1900 im Simplicissimus veröffentlicht.

Zuvor hatte Roda Roda in Wien Jura studiert, das Studium aber abgebrochen und sich für eine Offizierslaufbahn entschieden. In dieser Militärzeit entstanden seine „Slavonischen Dorfgeschichten“. Außerdem konvertierte er aus Karriere-Gründen vom Judentum zum Katholizismus und ließ seinen Namen nun auch standesamtlich in Roda Roda ändern.

Angesichts seiner Erfolge als Autor von Humoresken konzentrierte Roda Roda sich bald auf seine literarische Tätigkeit und ließ sich in die Militärreserve versetzen. Ab 1907 schrieb er als freier Journalist für Zeitungen und Zeitschriften wie Neue Freie Presse, Jugend, Simplicissimus, Fliegende Blätter oder Muskete und unternahm ausgedehnte Reisen durch ganz Europa und die Türkei. 1908 während der Bosnienkrise arbeitete er als Berichterstatter in Belgrad.

 

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Copyright: gemeinfrei; Philipp Kester, 1913, Münchner Stadtmuseum, Sammlung Fotografie (FM-87/61.095.1)

Nebenher trat er immer wieder in Kleinkunstbühnen auf und schrieb 1909 zusammen mit dem Dramaturgen Carl Rößler die Militärkomödie „Der Feldherrnhügel“. Darin wurden die Bürokraten und Dummköpfe in der Monarchie sowie vertrottelte Soldaten und hohlköpfige Offiziere auf die Schippe genommen. „Wegen Beleidigung von Militärpersonen“ wurde das Stück 1910 sofort wieder abgesetzt und der Zensurbeamte ließ die beiden Autoren wissen, „das Stück werde nicht mehr aufgeführt, so lange die österreich-ungarische Monarchie besteht.“ Worauf Rößler seinen Co-Autor getröstet haben soll: „Kränk dich nicht, Roda Roda, die paar Wochen wart' ma halt noch.“

1912 nahm er als Kriegsberichterstatter für die Neue Freie Presse am ersten Balkankrieg teil. Und nach Beginn des Ersten Weltkriegs arbeitete Roda Roda, inzwischen eine bekannte Größe, im Kriegspressequartier und schilderte von nun an die Ereignisse an den österreichischen Kriegsschauplätzen. In diesen Jahren schrieb er mehr als 700 Beiträge allein für die Neue Freie Presse in Wien. Außerdem berichtete er noch für den deutschsprachigen Pester Lloyd in Budapest und für mehrere deutsche Blätter, meist über das Geschehen an der Ostfront.

In den 1920er Jahren hatte er dann großen Erfolg mit seinen humorvollen Büchern und Geschichten, trat als Kabarettist auf und begann für den Film Drehbücher zu verfassen und als Darsteller mitzuspielen.

Wegen seiner Anti-Hitler-Satire im Berliner Tagblatt ging er im Februar 1933 nach Österreich zurück und ließ sich in Graz nieder.

Schon vor dem Anschluss Österreichs floh er sicherheitshalber in die Schweiz und arbeitete dort mit bewährt bissiger Tonalität für Exil-Zeitschriften und schweizerische Medien. Außerdem unterstützte er die „Liga für das geistige Österreich“ zusammen mit anderen Exil- Österreichern wie Robert Musil, ► Alfred Polgar, E.A. Rheinhardt, ► Joseph Roth, Bruno Walter oder Franz Werfel. Sie alle wollten in jenen Jahren Zuversicht verbreiten mit dem Aufruf: „Harret aus, Österreich wird wieder frei!“

Wegen seiner politischen Aktivität wollte ihn die Schweiz aus Rücksicht auf oder aus Angst vor den deutschen Nachbarn kein weiteres Asyl gewähren. Der fast siebzigjährige Roda Roda wurde Anfang November 1940 aufgefordert, das Land bis Jahresende zu verlassen. Worauf er via Spanien und Portugal in die USA emigrierte.

Seinen Rauswurf aus der Schweiz kommentierte er in „So im Vorübergehen“‘:

„Noch ein Umbruch in Europa, und in sämtlichen Staaten werden die Emigranten die Mehrheit haben. Es gibt manchmal politische Situationen, so verwickelt, dass man sie gar nicht falsch genug beurteilen kann. „Die stärkste Form der Kriegsführung“, sagt Clausewitz, „ist die tätige Defensive.“ Nein! Stärkste Form der Kriegsführung ist das Verharren in der Neutralität. Politik ist die Kunst, unerfüllbare Versprechungen zu machen und sich ihnen dann unter haltlosen, aber plausibeln Vorwänden zu entziehen. Ein Ausspruch des Doktors Vazsonya, des ehemaligen ungarischen Justizministers: „Ich sehe Leute, die vom Philosemitismus leben; noch viel mehr leben vom Antisemitismus. Wovon aber sollen die armen Juden leben?“ ... Die Schweiz? Nein, die Schweiz wird ER intakt lassen. Denn wohin sollte ER sonst einst fliehen?“

Alexander Roda Roda starb am 20. August 1945 an Leukämie in New York. Seine Urne wurde 1948 nach Wien überführt und dort in einem Ehrengrab im Urnenhain des Zentralfriedhofs Simmering beigesetzt.

(hhb)

 

Quellen:

Max Kaiser: Roda Roda, Alexander / Deutsche Biographie

Biographie von Alexander Roda Roda / in Wien Geschichte Wiki

Anton Scherer: Alexander Roda Roda / Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen

Wortemacher des Krieges – zur Rolle österreichischer Schriftsteller im Kriegspressequartier / Diplomarbeit an der Karl-Franzens-Universität Graz

 

Bücher:

Roda Roda: Härteres und Schärferes / Rowohlt Repertoire 2019