Franz Schoenberner

Der Journalist und Schriftsteller Franz Schoenberner leitete die kritische Kunstzeitschrift Jugend und war vor der NS-Machtergreifung der letzte Chefredakteur des Simplicissimus. In Frankreich arbeitete er für Klaus Manns Exilzeitschrift Die Sammlung und für Das Neue Tagebuch von Leopold Schwarzschild sowie für die Schweizer Zeitung Volksrecht. Durch glückliche Umstände konnte er 1941 in die USA entkommen.

Franz Schoenberner wurde am 18. Dezember 1892 in Berlin als Sohn eines protestantischen Pfarrers geboren. Nach seiner Schulzeit studierte er von 1911 bis 1914 Literatur und Kunstgeschichte in Berlin und München. Während des Ersten Weltkriegs diente er als Soldat im Transportwesen der bayrischen Armee und brauchte darum keinen aktiven Kriegsdienst an der Waffe leisten.

In München wurde er Zeuge der Räterepublik. Die erlebte er aus der Distanz als geradezu bizarres Spektakel – ähnlich einem Operettenputsch, was seine Abneigung zur Politik weiter verstärkte. Er wollte sich seine Zukunft darum lieber in einer Welt von Kunst und Literatur aufbauen. 

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Copyright: Wallstein Verlag: Franz Schoenberner (l.) - Hermann Kesten Briefwechsel im Exil 1933-1945; Herausgegeben von Frank Berninger. Mit einem Vorwort von Gerhard Schoenberner, ISBN 978-3-8353-0252-5

Ab 1919 war er zunächst für einige Jahre als Lektor beim Münchner Musarion-Verlag tätig. Von 1923 bis 1925 redigierte er dann die Auslandspost, die für ihre Leser ausländische Pressestimmen zusammenstellte und übersetzte. Nach deren Einstellung begann er, die literarische Beilage der Allgemeinen Zeitung sowie die Wochenschrift Süddeutscher Rundfunk zu redigieren. Durch diese journalistischen Tätigkeiten erwarb sich Schoenberner den Ruf, ein mutiger Gegner des aufkommenden Nationalsozialismus zu sein. Darum holte ihn ► Th. Th. Heine 1929 als Chefredakteur zum international bekannten Simplicissimus. Beide opponierten bis zuletzt gegen Hitler.

Darum musste Schoenberner im März 1933 zu Fuß zunächst in die Schweiz fliehen. Von dort reiste er weiter an die südfranzösische Riviera, nach Roquebrune-Cap-Martin. Er schrieb nun Beiträge für Klaus Manns literarische Exilzeitschrift Die Sammlung, die bis 1935 monatlich beim Amsterdamer Querido-Verlag herauskam. Auch in Schwarzschilds Das Neue Tagebuch veröffentlichte er gelegentlich Beiträge zu Kunst und Literatur in der Rubrik „Abseits der Reichskulturkammer“. Außerdem druckte die sozialdemokratische Zeitung Volksrecht in Zürich Beiträge von ihm.

Alles änderte sich 1939 nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, als auch Schoenberner wie alle deutschen Emigranten plötzlich als feindliche Ausländer angesehen und interniert wurde. Er kam nach Les Milles bei Toulon, wo er Max Ernst, Walter Hasenclever und Leon Feuchtwanger traf.

Schoenberner hatte das Glück, 1941 mit Hilfe des ERC Emergency Rescue Committee von ► Varian Fry über Marseille und Lissabon nach New York ausreisen zu können. Dort veröffentlichte er 1946 sein Erinnerungsbuch „Bekenntnisse eines europäischen Intellektuellen“ und 1949 seine „Innenansichten eines Außenseiters“.

1951 wurde er in seiner Wohnung überfallen und so brutal zusammengeschlagen, dass er danach querschnittgelähmt war. Aber er schrieb unverdrossen weiter am dritten Band seiner Erinnerungen „Ausflüge aus der Unbeweglichkeit“.

1965 unternahm er noch eine Reise nach Deutschland, 32 Jahre nach seiner Flucht. Anlässlich der Veröffentlichung seiner Lebenserinnerungen in Deutschland führte Karl Heinz Kramberg am 26. April 1965 mit ihm ein ► Gespräch im Bayerischen Rundfunk, das in der ARD-Audiothek abrufbar ist.

Franz Schoenberner starb am 11. April 1970 im Alter von 77 Jahren in Teaneck/New Jersey.

(hhb)

 

Quellen

Christoph Eymann: Franz Schoenberner / Verlag de Gruyter

 

Bücher

Franz Schoenberner: Bekenntnisse eines europäischen Intellektuellen / Verlag Kreisselmeier München

Franz Schoenberner: Innenansichten eines Außenseiters / Verlag Kreisselmeier

Franz Schoenberner: Ausflüge aus der Unbeweglichkeit / Verlag Kreisselmeier

Franz Schoenberner – Hermann Kesten: Briefwechsel im Exil 1933 - 1945 / Wallstein Verlag

Thomas Raff Hrsg.: Die Wahrheit ist oft unwahrscheinlich: Thomas Theodor Heines Briefe an Franz Schoenberner aus dem Exil / Wallstein Verlag