Adolf Theobald wurde am 14. März 1930 in Koblenz geboren. Er studierte Betriebswirtschaftslehre an der Kölner Universität und volontierte 1953 beim Rheinischen Merkur. Anschließend war er zwei Jahre Redakteur bei Die Entscheidung, einem Magazin der Jungen Union. 1956 gründete er mit Stephan Wolf das Studentenmagazin Perspektiven als Alternative zur linksorientierten Studentenpresse. Im Jahr darauf starteten die beiden als vierteljährliches Magazin Student im Bild, das mit einer Auflage von 70.000 Exemplaren bald zur größten Studentenzeitschrift wurde.
Und weiter ging es Schlag auf Schlag: 1959 entwickelte das Trio daraus, nun zusammen mit dem Grafiker Willy Fleckhaus, die Jugendzeitschrift twen. Die wurde in kurzer Zeit zum ersten Lifestyle-Magazin Deutschlands. In nur vier Jahren drei erfolgreiche Start-ups; nach diesem Erfolgsrezept gefragt antwortete Theobald lakonisch: „Interessieren muss es halt!“
Foto Adolf Theobald: René Spitz / Capital
1960 wurde der twen an den Th. Martens-Verlag in München verkauft, und Adolf Theobald setzte sofort seine nächste Idee um. 1962 erschien das neuartige Wirtschaftsmagazin Capital. Die Blattidee lautete: „Das Wirtschaftliche menschlich, das Menschliche wirtschaftlich erklären.“ So stand es von Anfang an im Impressum. Ungewöhnlich, ja geradezu frech die Vermarktungsidee: Kein Verkauf am Kiosk – nur Abonnements. 350.000 Führungskräfte wurden angeschrieben, dass sie aber wirklich dazugehörten, mussten sie nachweisen, auf der Bestellkarte durch Nennung der Zahl ihrer Untergebenen. Vertriebsleute konnten ob solcher Frechheit nur den Kopf schütteln – aber Theobalds Rechnung ging auf. Capital profilierte sich durch sein Anderssein und seine außergewöhnliche Gestaltung, für die der Schweizer Grafik-Designer Karl Gerstner als Editorial-Designer verantwortlich zeichnete.
Zunächst erschien Capital vierteljährlich, ab September 1964 monatlich. Bald schrieben weltbekannte Kolumnisten, wie der Börsenspekulant André Kostolany für Capital. Blattmacher Theobald suchte für das schnell etablierte Wirtschaftsmagazin genau wie zuvor bei twen einen Verlagspartner und fand den in John Jahr sen., der 1966 zwei Drittel der Anteile übernahm. Theobald blieb noch bis 1971 Chefredakteur von Capital – dann wechselte er in den Vorstand von Gruner + Jahr.
1977 wurde er Mitglied der Geschäftsleitung im Zürcher Ringier Verlag. Dort kreierte er für die deutsche Ringier-Niederlassung in München das Umweltmagazin Natur. Er kehrte 1985 wieder zu G + J nach Hamburg zurück, als Chefredakteur des Reportage-Magazins GEO.
Von 1987 bis 1991 war er Geschäftsführer des SPIEGEL-Verlags. Dort setzte er zwar durch, dass sich der Spiegel mit einem eigenen Format am Fernsehen beteiligte, legte sich aber bald mit der von Rudolf Augstein 1974 etablierten mächtigen „Mitarbeiter KG“ an, die ihm kaum Spielräume für sinnvoll erachtete Innovationen ließ: „Ausbezahlt wird alles, was verdient wird. Wie bei einer Musikkapelle, die abends das Geld verteilt, das sie tagsüber eingenommen hat.“
Nachdem er dem Spiegel den Rücken gekehrt hatte, arbeitete er als freier Medienberater, unter anderem für die Freiburger Verlegerfamilien Poppen & Ortmann und Hodeige-Rombach (Badische Zeitung, Edition Rombach).
Auch als selbständiger Verlagsberater und freischaffender Journalist blieb er ein Mann der klaren Worte und Konzepte. Als nach der Finanzkrise im Jahr 2008 und angesichts der Herausforderungen des Internets die Verlage begannen, Redaktionen ähnlicher Blätter in Zentralredaktionen zusammenzulegen, urteilte er: „Synergien zwischen Redaktionen haben noch nie funktioniert. Und das ist auch gut so.“
Adolf Theobald starb am 1. September 2014 in Berlin.
(hhb)