Ben Witter

Der deutsche Journalist, Essayist und Literat Ben Witter arbeitete anfangs als Chefreporter für Die Welt, später für den NWDR und NDR. Als Reporter und Kolumnist der Wochenzeitung DIE ZEIT wurde er bekannt durch seine 25 Promi-Porträts „Spaziergänge mit Prominenten“ nach Spaziergängen mit ihnen.

Ben Witter wurde am 24. Januar 1920 in Hamburg geboren. Seit seiner Jugend litt er unter den Folgen einer Meningitis-Erkrankung. Ab 1930 besuchte er eine höhere Schule des Deutschen Pfadfinderbundes, der 1933 von den Nazis verboten wurde. Er absolvierte eine Lehre als Verlagsbuchhändler und Antiquar.

Danach begann er ein Volontariat beim Hamburger Fremdenblatt und wurde dort nach Bestehen der Schriftleiterprüfung als Lokalredakteur angestellt. Im Frühjahr 1943 wurde Witter als „untragbarer Intellektueller“ auf Betreiben des Reichspropaganda-Amtes in Hamburg entlassen. Wegen seiner Erkrankung wurde er nicht zur Wehrmacht eingezogen, musste sich aber nach der heftigen Bombardierung der Hansestadt an der Bergung und Identifizierung der Bombenopfer nach dieser „Operation Gomorrha“ der Alliierten beteiligen.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs gehörte Ben Witter zunächst zur Redaktion der von den Briten gegründeten Tageszeitung DIE WELT. 1953 holte ihn dann ► Ernst Schnabel zum NWDR Nordwestdeutscher Rundfunk. Parallel dazu begann er, als Kolumnist und Reporter für DIE ZEIT zu arbeiten.

Von 1967 an machte Witter insgesamt fünfundzwanzig Spaziergänge mit bekannten Persönlichkeiten wie ► Rudolf Augstein, Heinrich Böll, Willy Brandt, Ludwig Erhard, Elisabeth Flickenschildt, Ernst Jünger, Hildegard Knef, Oskar Kokoschka, Heinz Rühmann, Helmut Schmidt, Max Schmeling, Uwe Seeler, Carl Friedrich von Weizsäcker oder Carl Zuckmayer und veröffentlichte die Gespräche hernach als Short-Stories in der ZEIT. Mit ► Axel Springer spazierte er beispielsweise am Wannsee. 1969 wurden die Porträts dann in einem Buch zusammengefasst.

1968 schuf er die Drehbücher für die fünf Folgen der Fernseh-Serie „Hafenkrankenhaus“.

Ben Witter hat zahlreiche Erzählungen, Gedichte, Romane und auch Kinderbücher verfasst. Zu seinem literarischen Förderer gehörte vor allem Siegfried Lenz, der die Feinheiten in seinem Erzählwerk lobte: Um die armen Winkel des Ich zu vermessen, ist ihm das Unscheinbare allemal bedeutend genug.“

Ben Witter wurde mehrfach ausgezeichnet: Schon 1950 erhielt er den Preis für Kurzgeschichten der New York Herald Tribune. 1968 verlieh man ihm den Theodor-Wolff-Preis und 1985 die Medaille für Kunst und Wissenschaft von Hamburg. Das große Verdienstkreuz der Bundesrepublik erhielt er im Jahr 1992.

Ben Witter starb am 12. Dezember 1993 in Hamburg an Herzversagen. Er wurde auf dem Ohlsdorfer Friedhof beigesetzt.

Mit seinem Vermögen hatte er zuvor eine Ben-Witter-Stiftung gegründet, die seit 1995 jährlich einen ► Ben-Witter-Preis an Journalisten in Höhe von jeweils 10.000 Euro vergibt. Ausgezeichnet werden Journalisten und Publizisten, deren journalistische oder literarische Arbeiten unkonventionell, geistig unabhängig und möglichst humorvoll sind – so wie einst das Werk von Ben Witter selbst. Die Preise werden dann im Hamburger Literaturhaus vergeben.

(hhb)

 

Quellen

Ben Witter – ZEIT-Autoren

Stephan Porombka: Ben Witter – Spaziergänge mit Prominenten / ReporterForum

Ben Witter / dewiki.de

 

Bücher + Schriften

Ben Witter: Tagebuch eines Müßiggängers / 1962

Ben Witter: Spaziergänge mit Prominenten / Diogenes Zürich 1969

Ben Witter: Knast – Nachrichten aus der Unterwelt / Eremiten Press 1974

Ben Witter: Nebbich oder die Löcher im Lachen / Frankfurt am Main 1979

Ben Witter: Sensationen im Sessel. Aus dem Berufs- und Liebesleben der Deutschen / dtv 1983

Ben Witter: Müßiggang ist allen Glückes Anfang / 1985

Ben Witter: Mit Axel Springer am Wannsee / DIE ZEIT am 23.2.2006