In den 50er Jahren galt Walter von Cube, ein selbstbewusster Journalist, Publizist und Rundfunkkommentator, als eine der wenigen interessanten Stimmen in unserer jungen Demokratie. Mit seinen innenpolitischen Fragen fand er deutschlandweit Beachtung und löste immer wieder kontroverse Debatten aus.
Walter von Cube wurde am 10. Juli 1906 in Stuttgart geboren, als Sohn eines Arztes aus einer deutsch-baltischen Adelsfamilie. Cube wuchs in Stuttgart und München auf. 1924 machte er das Abitur in Stuttgart und begann danach seine journalistische Ausbildung im Berliner Tageblatt bei ► Theodor Wolff und ► Alfred Kerr.
Seine journalistische Tätigkeit stellte er 1933 nach der NS-Machtübernahme freiwillig ein. Seine Frau Greta, eine geschiedene de Mendelssohn, und seine vier Stiefkinder gingen ins Exil und er zog sich, finanziell unabhängig, an den Bodensee zurück und arbeitete gelegentlich in der Landwirtschaft.
1940 wurde er zum Kriegsdienst eingezogen und geriet 1944 in Südfrankreich in Kriegsgefangenschaft. Dort lernte er Joseph Rovan kennen, einen in München als Joseph Rosenthal geborenen Juden, der rechtzeitig nach Frankreich ins Exil geflohen war und dort als Journalist gearbeitet hatte, bis er sich der Résistance anschloss. Durch Rovan erhielt er einen Lehrauftrag an der Hochschule für deutsche Kriegsgefangene in Paris.
Walter von Cube, der erste Hörfunkdirektor des Bayerischen Rundfunks (1960-1972), Datum unbekannt.
Copyright: Fred Lindinger / Bayerischer Rundfunk
Walter von Cube, April 1981
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1947, nach seiner Rückkehr aus Frankreich, begann von Cube zunächst für die Neue Zeitung in München zu schreiben und war außerdem freiberuflich als Kommentator beim US-Militärsender Radio München tätig. 1948 wurde Cube zunächst Herausgeber der kulturpolitischen Zeitschrift Der Ruf, übernahm schon Anfang März dort als Chefredakteur die Leitung des Ressorts Politik und Wirtschaft. Er blieb aber weiterhin Chefkommentator bei Radio München, bis der Sender am 25. Januar 1949 in deutsche Hände überging und in Bayerischer Rundfunk umbenannt wurde.
Seine Kommentare zu aktuellen Fragen der Deutschlandpolitik erregten in den frühen 50er Jahren deutschlandweit Aufmerksamkeit und lösten immer wieder Debatten aus. Oft prangerte er noch immer spürbare nationalistische Tendenzen an genau wie NS-Kontinuitäten in bundesdeutschen Behörden. Immer wieder forderte er seine Hörer zu kritischem Denken und zu Kritik auf. Seine Kommentare im Bayerischen Rundfunk veröffentlichte er 1953 als Buch mit dem Titel „Ich bitte um Widerspruch“.
1953 beschäftigte sich sogar das Kabinett Adenauer mit einem seiner Kommentare und beschwerte sich darüber bei der Bayerischen Landesregierung. In besagtem Kommentar hatte Cube dem Minister für gesamtdeutsche Fragen Jacob Kaiser ein einfaches Rezept zur Verbesserung des Verhältnisses zwischen West- und Ostdeutschland empfohlen: „Erstens Vorhang zu, zweitens formale Anerkennung der DDR, drittens Handelsvertrag und viertens Vorhang auf.“ Mit einem „eisernen Vorhang“ quer durch die beiden deutschen Staaten wollte er sich nicht auf Dauer abfinden.
Walter von Cube über DDR-Flüchtlinge am 11. 2.1953 im Bayerischen Rundfunk
Es folgte eine Anfrage der Landesregierung beim Bayerischen Rundfunk. Diese beantwortete dessen Intendant Rudolf von Scholtz eindeutig: Für solche Beschwerden sei nicht die Landesregierung, sondern allein der Sender zuständig. Er habe den Kommentar vorab gelesen. Der habe zwar nicht seiner Meinung entsprochen, aber auch nicht gegen das Gesetz verstoßen. Darum habe er ihn freigegeben.
Walter von Cube durfte weiter im Bayerischen Rundfunk kommentieren, was und wie er es für angemessen hielt.
Nach dem Tod von Rudolf von Scholz im Jahr 1956 übernahm von Cube für ein halbes Jahr bis zum Antritt von Franz Stadelmayer kommissarisch das Amt des Intendanten. Von Cube wurde 1957 zum Programmkoordinator Hörfunk ernannt und 1960 zum Programmdirektor und Stellvertreter des Intendanten. Nach dem Ausscheiden Stadelmayers hatte er 1960 selber für die Position des Intendanten kandidiert, war aber in der Stichwahl gegen Christian Wallenreiter gescheitert.
1972 verließ er den Bayerischen Rundfunk auf eigenen Wunsch, weil er Änderungen bei der geplanten Novellierung des Bayerischen Rundfunkgesetz und eine sich damit abzeichnende parteipolitische Einmischung vehement ablehnte.
Gelegentlich aber meldete er sich in den folgenden Jahren noch mit zeitkritischen Analysen in der Süddeutsche Zeitung zu Wort.
Walter von Cube starb am 11. Juni 1984 in Quinten am Walensee in der Schweiz.
(hhb)
Quellen
Walter von Cube / SPIEGEL 51/1951 vom 18,12.1951
Bettina Hasselbring: Walter von Cube – Ein Chefredakteur als Rebell / BR 15.3.2012
Ulla-Britta Vollhardt: Cube, Walter von / NS-Dokumentationszentrum München am 9.2.2024
Bücher
Walter von Cube: Ich bitte um Widerspruch–fünf Jahre Zeitgeschehen kommentiert / 1952