Paul Peter Porges

Der in Wien geborene Cartoonist, Karikaturist und Graphic Designer Paul Peter Porges arbeitete nach seiner Übersiedlung in die USA zunächst als Zeichner für die Saturday Evening Post und für den New Yorker. Bald darauf, inzwischen zu einem anerkannten amerikanischen Cartoonisten geworden, war PPP mehr als 25 Jahre lang für das Satire-Magazin MAD tätig.

Paul Peter Porges wurde am 7. Februar 1927 in Wien als Sohn einer jüdischen Familie geboren, die dort ein kleines Lebensmittelgeschäft betrieb, eine so genannte Greisslerei. Das Zeichentalent von Paul Peter wurde früh erkannt – bereits als Achtjähriger besuchte er neben dem Unterricht in einer katholischen Schule Kurse bei Franz Cizek in der Kunstgewerbeschule. Der Plan seines Vaters war es, ihn dort auch weiter ausbilden zu lassen. Doch der Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich kam im März 1938 dazwischen.

Von da an veränderte sich die Lage der Juden auch in Österreich. Der elfjährige Paul musste die katholische Schule verlassen und in eine jüdische wechseln. Die beiden Brüder Kurt und Paul Peter wurden immer wieder von früheren Schulkameraden und Mitgliedern der Hitlerjugend auf dem Schulweg verspottet, angegriffen und drangsaliert. Nach dem Novemberpogrom 1938 – der Reichskristallnacht - entschlossen sich die Eltern, ihre beiden Söhne im März 1939 nach Frankreich in Sicherheit zu bringen. Paul Peter kam in das Rothschild-Kinder-Camp beim Château de la Guette. Nach Hitlers Überfall auf Polen am 1. September 1939 erklärten auch Frankreich und Großbritannien Deutschland den Krieg. Als die Wehrmacht dann im Juni 1940 in Frankreich einmarschierte, wurden die Kinder nach La Bourboule im unbesetzten Frankreich evakuiert. Von dort floh Paul Peter und wanderte mehrere Monate lang mit seinen gerade mal 13 Jahren quer durch Frankreich weiter gen Süden, um sich vor den Nazis erneut in Sicherheit zu bringen. Er wurde schließlich aufgegriffen und ins Deportations-Lager Rivesaltes eingeliefert. Von dort schmuggelte er sich, versteckt in einer Müllabfuhr, aus dem Gewahrsam und erreichte nach Fußmärschen jüdische Mitmenschen in Toulouse und Limoges. Am 25. Januar 1943 wurde er zusammen mit 15 weiteren Jugendlichen von einer Hilfsorganisation illegal über die Schweizer Grenze gebracht. Die Gruppe wurde entdeckt und Paul Peter als einziger, er war mit seinen 16 Jahren der mit Abstand jüngste der Gruppe, ins Flüchtlingslager Genf eingeliefert. Dort kümmerte sich eine schweizerische Wohlfahrtsorganisation um ihn – er durfte zur Schule gehen und ab 1944 die Haut École d’Art et Design in Genf besuchen. Dort lernte er seine spätere Frau kennen, die Wienerin Lucie Eisenstab. 

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Lucie und Paul Peter Porges

Copyright: Peter Rigaud / über Jüdisches Museum Wien

PPP’s spöttelnde Karikatur über den 15. März 1938, wo Hitler auf dem Heldenplatz bejubelt wird und vom Balkon der Hofburg „vor der Geschichte den Eintritt seiner Heimat in das Deutsche Reich“ proklamiert

Copyright: Jüdisches Museum Wien

Sein Bruder Kurt war während des Krieges von Frankreich aus nach Großbritannien entkommen und dort in die US-Army eingetreten. Nach Kriegsende bekam er 1948 ein Einreisevisum für den Bruder in die USA – genauso wie für ihre Eltern, die im KZ Theresienstadt überlebt hatten.

Paul Peter schloss sich drüben zunächst dem Zirkusunternehmen Ringling Brothers als Helfer, Übersetzer und Barkeeper an, bis er 1950 zur Zeit des Korea-Krieges zum Militär eingezogen wurde. Er war in Fort Benning stationiert und begann, dort als Karikaturist für die Soldatenzeitschrift Stars and Stripes zu arbeiten. 1951 durfte dann auch Lucie in die USA einreisen und die beiden heirateten.

Nach seiner Entlassung vom Militär wurde PPP schnell zum meist publizierten Zeichner der Familienillustrierten Saturday Evening Post und war zudem intensiv für den New Yorker tätig. Zu seinem „bread-and-butter-business“ aber wurden seine Arbeiten für das MAD Magazine, das er länger als 25 Jahre mit Karikaturen und satirischen Illustrationen versorgte, woraus dann auch mehrere MAD-Bücher entstanden. Seine bissigen Karikaturen, Zeichnungen und Illustrationen über den Alltag ganz normaler Amerikaner und seine spöttischen Rückblicke auf das Leben in Wien, vor, um und nach 1938, wurden auch vom Playboy oder in Harper’s Bazaar gedruckt.

Ab den 70er Jahren besuchten PPP und seine Frau Lucie, Modeschöpferin und in New York die Haus-Designerin des französischen Modehauses Pauline Trigère, immer wieder ihre gemeinsame Heimatstadt Wien.

Im Jahr 2000 widmete das Jüdische Museum dort dem Künstlerpaar Paul Peter & Lucie Porges die gemeinschaftliche Ausstellung „Style and Humor“.

Lucie Porges starb im Jahr 2011. Danach zog sich PPP weitgehend zurück und lebte zeitweise bei einer seiner Töchter in Jamaica. Dort starb er am 20. Dezember 2016 in Kingston – im Alter von 89 Jahren.

2019 gab es im Jüdischen Museum Wien die Ausstellung „Die Drei mit dem Stift“ – mit Illustrationen, Karikaturen und Zeichnungen von Lily Renée, ► Bil Spira und Paul Peter Porges.

(hhb)

 

Quellen

Porges Family Papers

Paul Peter Porges / Wien Geschichte Wiki

Michael Freund: Paul Peter Porges gestorben: Karikaturist des amerikanischen Alltags / Standard am 27.12.2016

Zeichner Paul Peter Porges 89-jährig gestorben / news ORF.at

 

Bücher

Paul Peter Porges: Mad Lobsters and Other Abomidable Housebroken Creatures / 1986

Leon H. Gildin und Paul Peter Porges: You Can’t Do Business Without Yiddish / 2002