Willi Steinert musste nach einem Arbeitsunfall als Bergmann seinen Beruf wechseln und suchte fortan sein Glück als Zeichner. Der begabte Autodidakt arbeitete ab 1912 für die sozialdemokratische Satirezeitschrift Der Wahre Jacob sowie für den Ulk, später auch noch für Kladderadatsch. Da er den Begriff „Arbeiterpartei“ im Namen der NSDAP als provozierend empfand, ging er mit besonders bissigen Karikaturen dagegen vor. Die Nazis belegten ihn mit striktem Berufsverbot.
Willi Steinert wurde am 1. Januar 1886 in Breslau geboren. Zunächst arbeitete er unter Tage als Wagenstößer, Schlepper und schließlich als Hauer. Nach einem Berufsunfall ging er für kurze Zeit in den Postdienst, begann jedoch bald als Autodidakt zu zeichnen - ab 1912 zunächst für die sozialdemokratische Satirezeitschrift Der wahre Jacob. Anfangs gehörten die Seeleute zu seinen beliebtesten Motiven.
Als Der Wahre Jacob im Oktober 1923 in Folge der Inflation sein Erscheinen einstellen musste, startete die SPD im Januar 1924 in ihrem Parteiverlag Dietz Lachen Links für 20 Pfennig als „billigstes Witzblatt Deutschlands“. Ein Name, der vermutlich aus den Parlamentsprotokollen stammt, wo das Lachen aus den unterschiedlichen politischen Lagern mit „Lachen links“ oder „Lachen rechts“ dokumentiert wurde. Lachen Links erschien bis Juni 1927, wurde dann durch den immer noch bekannteren Der Wahre Jacob wieder abgelöst. In der letzten Ausgabe von Lachen links hieß es dazu:
„Daß der Kampf, den ‚Lachen links‘ gegen soziale und kulturelle Rückständigkeit und Entwicklungsfeindlichkeit mit der Waffe der Satire geführt hat, nicht abgebrochen wird, ist eine Selbstverständlichkeit. Es wird weitergeführt unter der alten, der deutschen Arbeiterschaft und der gesamten Öffentlichkeit durch lange Jahrzehnte hindurch wohlvertraut gewordenen Flagge des ‚Wahren Jacobs‘.“
in Der Wahre Jacob vom 17. Januar 1931
Steinert zeichnete für beide Satire-Blätter und später dann auch für den Ulk und für Kladderadatsch. Seine satirischen Publikationen waren in sozialdemokratischen und kommunistischen Kreisen weit verbreitet. Gegen den aufkommenden Nazismus war er ein Revoluzzer.
Steinert war mit ► Ehm Welk befreundet und illustrierte dessen Bücher, aber auch andere, etwa für den List-Verlag Kiplings "Fischerjungs". Selber veröffentlichte er in "Seebär ahoi!" seltsame Geschichten und Abenteuer des Seefahrers Willi Steinert – was viele allerdings für Seemannsgarn halten, denn über angebliche Seefahrten von ihm ist nichts bekannt. Genau so wenig wie sein genaues Sterbedatum. Er soll 1969 in Berlin gestorben sein.
(hhb)
Quellen
50 Jahre ‚Wahrer Jacob‘ / Verlag J.H. Dietz Nachf. GmbH, Berlin 1929
Lachen links – Das republikanische Witzblatt – digital / Universität Heidelberg
Ausstellung über Willi Steinert und seine Karikaturen gegen die Nazis in der Galerie Art Impressions zu Bremerhaven / Nordsee-Zeitung am 14.11.2025
Bücher
Willi Steinert: Seebär ahoi! / Ullstein Verlag, 1930