Christian Kracht

Christian Kracht war Journalist und Verlagsmanager. Als Generalbevollmächtigter von Axel Springer half er mit, den Springer Verlag aufzubauen. Schon den Kauf der Zeitung DIE WELT von der englischen Besatzungsmacht hatte er geschickt vorbereitet, so wie später die Übernahme des Ullstein-Verlags in Berlin.

Christian Kracht wurde am 8. Juni 1921 in Hamburg geboren und wuchs in einem sozialdemokratischen Elternhaus in Meldorf/Kreis Dithmarschen auf.

Nach Kriegsende volontierte er ab Dezember 1945 bei der damals von der britischen Besatzungsmacht herausgegebenen Zeitung Welt, wo Hans Zehrer Chefredakteur war. Parallel dazu arbeitete Kracht auch für die Jugendzeitschrift Benjamin, bis ihn ► Axel Springer 1948 in die Redaktion des gerade gegründeten Hamburger Abendblatts holte.

Kurz danach bekam er ein Stipendium für die State University von Montana und studierte dort Journalismus. Anschließend volontierte er beim San Francisco Chronicle und berichtete brieflich über die dort gemachten Erfahrungen an Freunde und Kollegen im Springer Verlag, immer mit Durchschlag an Axel Springer. Der ihm sein Gehalt während der gesamten Dauer des Amerika-Aufenthaltes weiterzahlte.

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Der Verleger Rudolf Ullstein mit Christian Kracht (r.)

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1953 wurde er nach London geschickt, um vor Ort den Kauf der Welt, noch immer Eigentum der britischen Regierung, mit guten Argumenten vorzubereiten. Nachdem das gelungen war, nahm ihn Springer unter seine Fittiche, nun als persönlichen Assistenten. Kracht war ein Organisationstalent und damit ein wichtiges Korrektiv zum oft chaotischen Arbeitsstil seines Verlegers. 1954 ernannte der ihn zum Verlagsleiter für besondere Aufgaben.

Springer hatte ihn ständig und vor allem gern um sich, nahm ihn mit auf Reisen und zu Verhandlungen. So kannte Kracht bald alle Verlagsabläufe sowie die Pläne seines Verlegers. Ende der 50er Jahre war er maßgeblich an der Übernahme des Ullstein Verlags in Berlin beteiligt, worauf ihn Springer zum Generalbeauftragten des Berliner Verlagshauses machte. So wurde Christian Kracht endgültig zum Zeitungsmanager und führte Ullstein konsequent zurück in die Gewinnspur.

Danach überzeugte er Axel Springer, dass der gesamte Medienkonzern, der inzwischen aus vielen Einzelunternehmen bestand, dringend einer Strukturierung bedürfe. Nach dem Vorbild amerikanischer Konzerne wie General Motors vereinigte Kracht die bisher weitgehend unabhängig voneinander operierenden Einzelverlage zum Verlagsimperium Axel Springer. 1964 konnte Kracht erstmals eine konsolidierte Konzernbilanz vorlegen.

Ab da half Springers gebündelte Finanzkraft, den Verlag weiter auszubauen. Man expandierte nach vielen Seiten und geriet damit in die Optik und Kritik anderer Verleger, aber auch der SPD-Linken sowie der studentischen APO. Und nicht zu vergessen vor allem in Berlin auch der „DDR“, die in den Springer-Medien damals bekanntlich nur mit Anführungsstrichen erwähnt wurde. Die zunehmende Politisierung des Verlags, die Kracht immer wieder abzuschwächen versuchte, führte nach dem Attentat auf Rudi Dutschke im April 1968 schließlich zu den Oster-Unruhen mit den massiven Protesten der 68er-Bewegung gegen den Springer-Verlag. Als Folge entschloss sich Axel Springer, sich von seinem Unternehmen zu trennen.

So wurde Kracht beauftragt, diskret einen Käufer ausfindig zu machen. Folgerichtig verhandelte er mit dem Bertelsmann-Verlag, der damals nur ansatzweise im Bereich der Massenpresse engagiert war. Natürlich konnten solche Verhandlungen nicht geheim bleiben, obwohl Springer von Kracht ja gefordert hatte, unbedingt geräuschlos zu verhandeln. Als Kracht ihm 1970 das mit Reinhard Mohn ausgehandelte Vertragswerk präsentierte, hatte es sich Axel Springer plötzlich anders überlegt und ließ die vorbereitete Fusion von Bertelsmann mit Springer platzen. Damals ein ungeheurer Eklat in der deutschen Pressegeschichte.

Christian Kracht wurde von Axel Springer, der in der Öffentlichkeit dadurch an Gesicht verloren hatte, zum Sündenbock gemacht und mit einer großen Abfindung entlassen. Er verließ das Haus und zog sich in der Schweiz am Genfer See zurück. Dort arbeitete er als erfolgreicher Anlageberater.

1980, nach dem Suizid seines Sohnes Axel junior – als Fotograf bekannt unter dem Pseudonym ► Sven Simon – holte der Senior Christian Kracht wieder zurück. Kracht aber wollte nur noch befristet tätig werden und erhielt daraufhin für drei Jahre die Generalvollmacht für die Bereiche Finanzen der Holding, Verwaltung von Springers Privatvermögen und erneut zur Sondierung von Kaufinteressenten. Kracht versuchte ein Zusammengehen mit dem Burda-Verlag, was das Kartellamt ablehnte. Dann zeigte Rupert Murdoch Interesse, doch den lehnte Springer ab. So zog sich Kracht wieder in die Schweiz zurück.

In Genf starb er am 21. August 2011 im Alter von 90 Jahren. Sein Sohn ist übrigens der Schriftsteller Christian Kracht.

(hhb)

 

Quellen:

Hans-Peter Schwarz: Die Ballade von Zar und Zimmermann / DIE WELT 26.8.2011

Günther Kress: Der stille Herr Kracht / Kress News 26.8.2011

Ex-Generalbevollmächtigter Springer-Mann Christian Kracht gestorben / Tagesspiegel 25.8.2011