Franz Ullstein

Franz Ullstein, der drittälteste Sohn des Ullstein-Gründers ► Leopold Ullstein, trat 1894 als Jurist in das väterliche Unternehmen ein und wurde drei Jahre später Mitinhaber. Er kümmerte sich zunächst um die Berliner Illustrirte, ab 1900 als ihr Chefredakteur und machte sie nach dem Ersten Weltkrieg zu einem anerkannten Objekt des Fotojournalismus. Später wurde seine verlegerische Zuständigkeit auf weitere Titel ausgedehnt. Als Vorsitzender des Vorstands war er dann von 1921 bis 1933 der eigentliche Verleger unter seinen fünf Brüdern.

Franz Edgar Ullstein wurde am 16. Januar 1868 in Berlin geboren. Er besuchte das Friedrich-Wilhelms-Gymnasium. Nach der Schulzeit studierte er Rechtswissenschaften in Berlin, Heidelberg und Freiburg und promovierte zum Dr. jur.

1894 trat er in den Verlag seines Vaters ein, wo man damals gerade die Herausgeberschaft der Berliner Illustrirte Zeitung BIZ übernommen hatte und begann dort als Mitarbeiter. 1897 wurde er Mitinhaber des Ullstein-Verlags und 1900 Chefredakteur der BIZ, deren Auflage er mittels des aufkommenden Fotojournalismus und durch spannende Fortsetzungsromane auf nun 50.000 Exemplare steigerte. Die BIZ wurde im Offset-Druck produziert und konnte so ihr breites Themenspektrum mit aktuellen Fotos illustrieren und attraktive Titelblätter gestalten. Das war vor allem für den von ihm angeregten Straßenverkauf wichtig, mit dem Franz Ullstein das bis dato starre Abo-System ergänzte.

 

Als zum Beispiel im April 1912 die Nachricht vom Untergang der Titanic eintraf, wurden die Druckmaschinen kurzerhand angehalten und ein Foto der Titanic eingefügt. Immer wieder veröffentlichte man im Blatt spektakuläre aktuelle Ereignisse. Berühmt wurde im August 1919 die BIZ-Ausgabe mit einem Foto von Reichspräsident Ebert und Reichswehrminister Noske auf der Titelseite, beide in kurzen Badehosen, was damals heftige Diskussionen auslöste, weil viele Zeitgenossen es als despektierlich empfanden. 1931 lag die Auflage der BIZ schließlich bei rund 1,95 Mio. Exemplaren - sie war damit zur auflagenstärksten Zeitschrift in Europa geworden.

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Angesichts dieser erfolgreichen Arbeit wurde Franz Ullstein die verlegerische und redaktionelle Zuständigkeit für alle anderen Blätter des Hauses übertragen, darunter die Berliner Morgenpost und der Buchverlag Propyläen. Über ihn urteilte sein Bruder Hermann: „Seine kritischen Fähigkeiten waren außergewöhnlich. Mit seinem scharfen Intellekt bohrte er unentwegt Löcher in jedes neue Projekt, in das wir volles Vertrauen hatten. Mit seiner Kritikfähigkeit vereinigte sich ein ungewöhnlich konstruktives Talent und ein Reichtum an Ideen.“

Als 1921 der Ullstein-Verlag in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde, hatten sich die fünf Ullstein-Brüder vorab auf Franz als Vorstandschef geeinigt und darüber einen Syndikatsvertrag geschlossen. Das blieb er bis zum Zwangsverkauf des Ullstein-Imperiums nach der Machtübernahme an den NS-eigenen Eher Verlag. Zuvor hatte Franz Ullstein seine ganze Zeitungsmacht gegen Hitler ausgespielt.

Ab 1933 lebte er zunächst bis 1938 im Ruhestand in Berlin, emigrierte dann aber nach New York, wo er am 13. November 1945 an den Folgen eines Verkehrsunfalls starb. Er wurde von einem Autobus überfahren.

 

(hhb)

 

Quellen

Rainer Laabs: Ullstein-Verlegerfamilie / Deutsche Biographie

Ullstein, Franz Edgar / Lexikon Berlin Geschichte

Ullstein – Eine Liebe macht Schlagzeilen / Axel Springer Verlag

Ullstein – Ein Gott hat uns beschützt / SPIEGEL 4/52 vom 22.1.1952

 

Bücher

Beate Rygiert: Die Ullstein Frauen und das Haus der Bücher / Ullstein Buchverlage