Fred Ihrt

Der deutsche Pressefotograf Fred Ihrt arbeitete als Bildreporter – allein mehr als 30 Jahre lang für den stern. Mehrfach wurde er für seine Fotos mit einem „World Press Photo Award“ ausgezeichnet.

Manfred Ihrt wurde am 16. Juni 1918 in Pforzheim geboren. Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete er ab 1945 zunächst als Reporter beim Signal Corps der United Army. Damals lernte er ► Rolf Gillhausen kennen, der in Heidelberg Festivitäten für die US-Armee organisierte. Ihrt zeigte seinem späteren Chef damals den Umgang mit einer Leica.

Ab 1948 bis 1951 arbeitete Fred Ihrt dann als Pressefotograf bei der Rhein-Neckar-Zeitung. In jenen Jahren unmittelbar nach dem Krieg dokumentierte er mit der Kamera zudem die Bombenruinen in München. Ab 1952 arbeitete er für die Zeitschrift Quick und leitete deren Hamburger Büro. Spektakulär waren 1955 seine Soraya-Aufnahmen während ihres Deutschlandbesuchs.

1957 holte ihn Rolf Gillhausen zum stern. Dort fotografierte er 1961 die des Mordes angeklagte Vera Brühne mit ihrer Tochter sowie im Jahr darauf den Verlauf der Spiegel-Affäre – die Beklagten wie die Auslöser des Skandals.

1958 hielt Ihrt dann die Ankunft von Elvis Presley als US-Soldat in Bremerhaven bildlich fest.

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Copyright: Andy Elten - Picture Donation from Alexa Ihrt, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=63349128

In einer lebensgefährlichen Aktion überflog er Ende Juli 1967 die griechische KZ-Insel Gyaros, mit einer in Athen gecharterten einmotorigen Sportmaschine – angeblich für einen Flug nach Brindisi in Süditalien. Er fotografierte das dortige Gefangenenlager der griechischen Obristen, die sich am 21. April 1967 an die Macht geputscht und die Pressefreiheit durch strenge Zensurmaßnahmen massiv eingeschränkt hatten. Dreimal überflog er die Insel, bis man dort Waffen in Stellung brachte. Mit seinen Fotos aus nur etwa 200 Metern Höhe deckte Ihrt die Lüge auf, dass es in Griechenland keine politischen Gefangenen gebe. Allein auf Gyaros waren damals rund 7.000 Regimegegner interniert. Seine Fotos, die nicht nur im stern erschienen, sondern auch in Paris Match und zahlreichen anderen Medien, nicht allein in Europa. Es kam zu weltweiten Protesten gegen die Militär-Junta. In diesem Zusammenhang wurde er für ein Foto, auf dem vier Polizisten einen Zivilisten mit brutaler Gewalt abführen, 1967 mit dem 1. Platz des „World Press Photo Award“ ausgezeichnet.

In den 68er Jahren fotografierte Ihrt auch die studentischen Demonstrationen in Berlin. 1970 war er auf der Beerdigung des ägyptischen Präsidenten Gamal Abdel Nasser und in Warschau, als Willy Brandt dort seinen Kniefall machte.

Ihrt gehörte auch zu den wenigen deutschen Kriegsberichterstattern wie die stern-Fotografen ► Ulrich Mack und Perry Kretz, als er im Oktober 1973 im Jom-Kippur-Krieg das Geschehen vor Ort war fotografierte. Wie gefährlich solche Jobs für Pressevertreter sind, mag verdeutlichen, dass damals sein Kollege Nicholas Tomalin von der Sunday Times auf den Golanhöhen ums Leben kam.

Kurz darauf dokumentierte Ihrt die Hungersnot in Äthiopien, worauf stern-Chefredakteur Henri Nannen eine große Hilfsaktion ins Leben rief.

1979 wurde Ihrt für seine Fotoreportage aus einer russisch-orthodoxen Kirche in der Sowjetunion mit einem 3. Platz des „World Press Photo Award“ geehrt.

Fred Ihrt hat zahllose Bilder für den stern fotografiert und auf diese Weise am visuellen Gedächtnis für die Bundesrepublik mitgearbeitet, zusammen mit seinen stern-Kollegen Jürgen Gebhardt, Rolf Gillhausen, Volker Hinz, ► Thomas Höpker, Perry Kretz, ► Robert Lebeck, Harald Schmitt oder Jay Ullal. Beim stern war es üblich, die festangestellten Fotoreporter und Journalisten auch auf mehrwöchige Reportage-Reisen rund um die Welt zu schicken. So fotografierte Ihrt nicht nur in Deutschland und Europa, sondern auch zum Beispiel in Mexiko. Und arbeitete auch für GEO, das sein Freund Gillhausen leitete.

Das so entstandene Stern-Fotoarchiv enthält heute rund 15 Millionen Aufnahmen aus der Zeit zwischen 1948 und 2001, die 2019 der Bayerischen Staatsbibliothek geschenkt wurden. Bis Ende 2025 werden davon 3 Millionen Fotos digitalisiert sein und der Öffentlichkeit zur weiteren Nutzung zur Verfügung gestellt.

Fred Ihrt starb am 30. April 2005 in Hamburg.

(hhb/ms)

 

Quellen

Stern Fotoarchiv – das visuelle Gedächtnis der Bundesrepublik Deutschland / Bertelsmann

Fred Ihrt / BSB Bayerische Staatsbibliothek

Lars Bauernschmitt, Michael Ebert: Handbuch des Fotojournalismus / dpunkt.verlag

Zeitgeschichte digital – Blattmacher Rolf Gillhausen