Hanns Hartmann

Der Intendant und Verleger Hanns Hartmann leitete mehrere städtische Theater, bis er von den Nazis entlassen wurde. Die NS-Zeit überlebte er als Geschäftsführer eines Musikverlags. Nach Kriegsende wurde er Intendant des Ost-Berliner Metropoltheaters, bis ihn ► Hugh Carlton Greene zum Intendanten des NWDR-Funkhauses in Köln ernannte. Nach der Teilung des NWDR wurde er der erste Intendant des WDR.

Geboren wurde Johannes Alexander (Hanns) Hartmann am 22. April 1901 in Essen. Sein Vater war Schlosser und seine Mutter Hausfrau. In Essen besuchte Hartmann die Krupp-Oberrealschule, die er allerdings nach der Obersekunda mit Mittlerer Reife verlies. Er absolvierte eine kaufmännische Lehre in einer Bergbau- und Hütten AG, wo ihm das dritte Lehrjahr wegen sehr guter Leistungen erlassen wurde.

Ab Herbst 1919 hatte er eine Schauspiel-Ausbildung am Städtischen Theater in Essen begonnen und wurde ab 1921 Mitglied des dortigen Schauspielensembles. Ab der Spielzeit 1922/23 wechselte er an das Stadttheater Münster.

Wegen seines Interesses an den Abläufen und Zusammenhängen im Kulturbetrieb und dank seiner kaufmännischen Kenntnisse wurde er 1925 stellvertretender Intendant und Verwaltungschef des Stadttheaters in Hagen. Und kurz darauf im Jahr 1927 dessen Direktor. 1930 übernahm er als Nachfolger von Richard Tauber die Generalintendanz am Städtischen Theater in Chemnitz.

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HANNS HARTMANN 1954 / von 1947 bis 1955 Intendant des NWDR-Funkhauses Köln und anschließend bis 1961 Intendant des
Westdeutschen Rundfunks

Copyright: WDR / Heinz Karnine

Im März 1933 beurlaubten ihn die Nationalsozialisten zunächst und entließen ihn im Juni dann endgültig, weil er sich geweigert hatte, sich von seiner Frau, der jüdischen Opernsängerin Ottilie Schott zu trennen.

Die NS-Zeit überlebte Hanns Hartmann als Geschäftsführer des Bühnen- und Musikverlags Edition Meisel & Co. in Berlin. Zuletzt versteckte er sich mit seiner Frau in einem Gartenhaus in Groß Glienicke.

Nach dem Krieg wirkte Hartmann von Oktober 1945 bis Oktober 1946 als Intendant des Metropoltheaters Berlin, das damals als Provisorium im Colosseum-Kino in der Schönhauser Allee seinen Betrieb wieder aufgenommen hatte. Zudem war Hartmann Präsident der Entnazifizierungskommission für die Berliner Kunstschaffenden. Im Oktober 1946 floh das Ehepaar unter falschem Namen in den Westen – zunächst nach Frankfurt am Main und anschließend nach Hamburg.

Dort bekam Hartmann, weil unbelastet vom Nazismus und erfahren als Theaterintendant, Zugang zum Rundfunk. Zunächst wurde er stellvertretender Leiter der Rundfunkschule, einer neu gegründeten Ausbildungsstätte für zukünftige Rundfunkjournalisten nach dem Vorbild der Training School des BBC. Dort wurden die Absolventen mit den publizistischen anglo-amerikanischen Standards als Berufsgrundlage vertraut gemacht. Stichwort „reeducation“.

Im September 1947 ernannte ihn Hugh Carlton Greene zum Leiter des NWDR-Funkhauses in Köln. Unmittelbar vor der Aufspaltung des NWDR in zwei selbstständige öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten ab Januar 1956 wurde Hartmann am 25. Mai 1955 zum ersten WDR-Intendanten gewählt – für eine fünfjährige Amtszeit bis Ende 1960.

Am Wiederaufbau des Nachkriegsrundfunk hatte Hartmann großen Anteil: von Beginn an hat er dem Kölner Sender klare Strukturen gegeben. Denn in den 13 Jahren seiner Intendanz mussten weitreichende Veränderungen umgesetzt werden: 1950 die Einführung des UKW-Funks, das den Kölnern ein zweites Hörfunkprogramm ermöglichte – und damit bereits eine größere Unabhängigkeit von der Hamburger Zentrale. Damals entstanden im Funkhaus Köln mehrere neue Sendereihen, darunter Werner Höfers „Internationaler Frühschoppen“ zunächst im Hörfunk.

Zwischen den Jahren 1948 und 1952 wurde das neue Funkhaus am Wallrafplatz erbaut, wo neben dem Redaktionsbetrieb nun auch Konzerte in den beiden Sendesälen stattfinden konnten.

Ab Dezember 1952 begann dann der Fernsehbetrieb mit ganz neuen Herausforderungen. Zuvor wurden Studios in Bonn, Dortmund und Düsseldorf gegründet. Und Hanns Hartmann gelang es immer wieder, erfahrene Journalisten wie ► Peter von Zahn und junge Talente wie ► Gerd Ruge oder Dieter Gütt zu sich nach Nordrhein-Westfalen zu holen.

Trotz dieser Erfolgsbilanz wurde die Wiederwahl des parteilosen, aber nicht unpolitischen Intendanten Hartmann verhindert. Zwar wurde er im Herbst 1960 zweimal mit knapper Mehrheit vom WDR-Verwaltungsrat für eine weitere Amtszeit vorgeschlagen. Doch die Wiederwahl scheiterte an der Mehrheit aus Christdemokraten und Liberalen im Rundfunkrat. Drahtzieher dieser Kabale gegen den fähigen langjährigen Funk-Intendanten Hartmann war der CDU-nahe Verleger der Kölnischen Rundschau Dr. Reinhold Heinen. Der hatte Hartmann schon seit Jahren mit geradezu abenteuerlichen Unterstellungen beschuldigt, er habe den Sender zum „Rotfunk“ erniedrigt. Unterstützt wurde die Kampagne von Josef-Hermann Dufhues, damals Landesfürst der CDU in Westfalen. Der glaubte, als Vorsitzender des Verwaltungsrats dem Intendanten Weisungen erteilen zu können, die Hartmann zumeist ignoriert hatte. Dufhues versuchte darum, ein Parteimitglied durchzusetzen – Dr. Dieter Sattler, damals Kulturpolitiker im Auswärtigen Amt – um mit ihm den Landessender auf CDU-Kurs zu bringen. Was dann bereits im von ihm geführten Verwaltungsrat misslang.

Nachfolger als WDR-Intendant wurde von 1961 bis 1976 Klaus von Bismarck, der sich wie sein Vorgänger von den Rangeleien zwischen den Parteien um mehr Einfluss auf den Sender fernhielt und sich genau wie sein Vorgänger auf die Qualität des Programms konzentrierte.

Aufgabe von Rundfunkräten in öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ist es eigentlich nur zu überwachen, ob der gesetzlich geregelte Sendeauftrag eingehalten wird. Die Programmplanung und -gestaltung bleibt Aufgabe des Intendanten – hier hat der Rundfunkrat bestenfalls eine beratende Funktion. Aber schon in den 60er Jahren wurde immer wieder versucht, mehr politischen Einfluss auch auf die Programmgestaltung zu nehmen. Nun sollen ja Journalisten Politiker kontrollieren und nicht umgekehrt, was im Extremfall auf Zensur hinauslaufen könnte. Solche Versuche haben schließlich dazu geführt, dass das Bundesverfassungsgericht 2014 ein Urteil zur Staatsferne des öffentlich-rechtlichen Rundfunks verkündete. Mit dem „Gebot der Vielfaltssicherung“ bei der Besetzung der Rundfunkräte – der Anteil von staatlichen oder staatsnahen Mitgliedern wurde begrenzt.

Hanns Hartmann schied Ende 1960 aus dem WDR aus und mit ihm verließen auch mehrere seiner Mitarbeiter den WDR.

Bis zu seinem Ableben war Hartmann Mitglied der Akademie der Künste in Berlin. Er wurde 1959 mit dem Großen Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet und in der Kölner Altstadt wurde ein Platz nach ihm benannt.

Hanns Hartmann starb am 5. April 1972 in Mindelheim.

(hhb)

 

Quellen

Landschaftsverband Rheinland: Rheinische Geschichte

WDR

Rotfunks Ende – SPIEGEL 46/1960

Tagesspiegel

Rundfunkrat