Kurt Brumme gehörte zu den Pionieren der bundesrepublikanischen Sportberichterstattung – er schilderte und kommentierte mehr als 6.000 Sportereignisse. Mit der von ihm entwickelten Rundfunksendung „Sport und Musik“ wurde er zur Stimme der Bundesliga, berichtete aber auch live von sportlichen Großereignissen im Box- oder Radsport. Beim WDR-Hörfunk war er ab 1963 Abteilungsleiter für Sport.
Kurt Brumme wurde am 4. Februar 1923 als Sohn eines Kaufmanns in Köln geboren. Er besuchte in Aachen die Volks- und Mittelschule und begann anschließend eine Banklehre. In dieser Zeit war er ein guter Leichtathlet und träumte von einer Sportkarriere. Bevor er 1941 von der Wehrmacht eingezogen wurde, machte er 1940 ein Praktikum beim Aachener Anzeiger - Politisches Tageblatt.
Statt nach Kriegsende seine Ausbildung bei der Dresdner Bank wieder aufzunehmen, wurde Brumme 1945 lieber freier Mitarbeiter bei den Aachener Nachrichten und baute ab dem Jahr darauf als Sportredakteur dort einen regelmäßigen Sportteil auf. Parallel dazu absolvierte er zwischen 1945 und 1949 eine vierjährige Ausbildung an der Journalistenschule in Aachen.
Im April 1947 war er bereits als freier Mitarbeiter zum NWDR gewechselt und blieb nach dessen Teilung 1956 dann beim WDR in Köln. 1948 durfte er das erste Nachkriegsfinale um die deutsche Fußballmeisterschaft kommentieren, das im Müngersdorfer Stadion zwischen dem 1. FC Nürnberg und dem 1. FC Kaiserslautern stattfand und 2:1 endete.
Kurt Brumme (l.) im Interview mit zwei Radsportlern; 1964
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Zwischen 1952 und 1974 berichtete Brumme dann von sechs Fußball-Weltmeisterschaften und sechs Olympischen Spielen, natürlich auch im WDR-Fernsehen. Von 1963 bis 1988 moderierte er 25 Jahre lang die von ihm entwickelte Hörfunk-Sendung „Sport und Musik“ mit der beliebten „Bundesliga-Schlusskonferenz“, bei der Reporter im Wechsel vom Ende der verschiedenen Spiele berichteten.
Kurt Brummes Reportagen waren souveräne Schilderungen des jeweiligen sportlichen Ereignisses, immer voller Sprachwitz und gewürzt mit seinem rheinischen Humor. So wie seine Telefongespräche über aktuelle Geschehnisse im englischen Fußball mit dem Journalisten Toby Charles – eine von ihm eingefügte kleine Eulenspiegelei. Denn Toby Charles, ein ehemaliger Waliser Rugby-Spieler und nun Journalist bei der Deutschen Welle, berichtete keineswegs aus England, sondern telefonierte zumeist aus seiner wenige hundert Meter entfernten Wohnung. Dort hatte er zuvor die britischen Fußballergebnisse aus dem Studio des britischen Soldatensenders BFBS in Köln-Marienburg wie auch das Wetter auf den britischen Inseln erfragt. Das alles schilderte er in der Tonalität eines Chris Howland und nur scheinbar direkt aus England an Kurt Brumme in dessen Sendung.
Diesen Running Gag machte der SPIEGEL am 19. November 1984 publik unter der Überschrift ► „Sähr windisch“.
Dabei stellte sich heraus, dass nicht einmal Brummes Chefs diese Eulenspiegelei entdeckt hatten, obwohl Brumme dem Sender ja jahrelang erhebliche Telefongebühren erspart hatte, denn Toby Charles berichtete ja immer via Stadtgespräch. Für Manfred Jenke, damals Direktor des WDR-Hörfunks, grenzte der Gag geradezu an einen Skandal: „Wenn hier eine beabsichtigte Irreführung vorliegt, muß ich eine scharfe Rüge erteilen.“ Kurt Brumme an seine Kritiker: „Ich habe nie behauptet, dass Toby in London sitzt. Informativ und lustig war‘s auf jeden Fall.“ Von da an wurden die Telefonate eingestellt.
Für seine Verdienste um den deutschen Sportjournalismus wurde Kurt Brumme 1958 mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet. 1973 bekam er das Bundesverdienstkreuz und 1981 das Große Verdienstkreuz. Muhammad Ali schenkte ihm ein Paar seiner Boxhandschuhe, signiert an „My dear friend Kurt“ und mit der Bezeichnung „The Voice of Germany“.
Womit der Box-Weltmeister richtig lag, denn Kurt Brumme gehörte in der Nachkriegszeit zusammen mit Kollegen wie Heribert Fassbender, Ernst Huberty, Heinz Maegerlein, Heribert Meisel, Rudi Michel, ► Harry Valérien oder ► Herbert Zimmermann zu den damals bekanntesten und beliebtesten Sportjournalisten.
Kurt Brumme starb am 9. Mai 2005 im Alter von 82 Jahren in Köln und wurde auf dem Friedhof in Köln-Lövenich beigesetzt.
(hhb)
Quellen
Björn Thormann: Kurt Brumme, Sportjournalist / Portal Rheinische Geschichte
Sähr windisch / Der Spiegel 47/1984 vom 18.11.1984
9. Mai 2005 – Sportreporter Kurt Brumme stirbt in Köln / WDR
Thorsten Schaar: Der Felix Krull des WDR / 11 Freunde 18.11.2011
Kurt Brumme: Sport und Musik im WDR Radio
Bücher
Kurt Brumme: Die deutsche Elf bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1966
Kurt Brumme: Fußballreport ‚Aber eins, aber eins, das bleibt bestehn!‘ / Linda Verlag 1974