Hilde Eisler wurde 1912 als Brunhilde Vogel-Rothstein in Tarnopol/Galizien geboren. Das gehörte bei ihrer Geburt zu Österreich, nach dem Ersten Weltkrieg zu Polen, heute zur Ukraine. Sie stammte aus einer Kaufmannsfamilie und wuchs ab 1914 in Frankfurt/Main auf, wo ihre Großeltern mütterlicherseits seit langem lebten und wo sie nach ihrer Schulzeit in einem jüdischen Lyzeum dann Buchhändlerin lernte.
1930, im Alter von 18 Jahren, zog sie nach Berlin und wurde Buchhalterin und Lektorin im „Marx-Engels-Verlag“. Wenig später trat sie der KPD bei. Der Verlag wurde 1933 von den Nazis geschlossen; von der Gestapo wurde sie aufgefordert, den Verlag, der dem Moskauer „Institut für Marxismus-Leninismus“ gehörte, ordnungsgemäß zu liquidieren. Nach getaner Arbeit ging sie nach Basel. Bis 1935 war sie illegaler Kurier für anti-faschistische Literatur und Dossiers aus der Schweiz nach Deutschland. Sie wurde deswegen 1935 verhaftet, zu einem Jahr Gefängnis verurteilt und danach – sie besaß wegen ihrer Geburt nur einen polnischen Pass – nach Polen ausgewiesen. Von dort emigrierte sie 1937 via Prag nach Frankreich.
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Während des Spanischen Bürgerkriegs arbeitete sie für den Deutschen Freiheitssender 29,8 in Madrid, der sich auf der Kurzwelle 29,8 an die deutsche Bevölkerung wandte und vom früheren KPD-Landtagsabgeordneten Franz Dahlem sowie von ihrem späteren Ehemann geleitet wurde, dem Journalisten Gerhart Eisler. Über diesen Sender konnten berühmte Antifaschisten wie Bertolt Brecht, Albert Einstein, Lion Feuchtwanger, ► Egon Erwin Kisch, Heinrich und Thomas Mann sowie ausländische Persönlichkeiten wie Ernest Hemingway die deutsche Bevölkerung über das wahre Vorgehen deutscher Faschisten informieren, etwa über die Bombardierung von Guernica durch die Legion Condor. Dieser Sender arbeitete bis Ende März 1939, als Madrid gefallen war.
Hilde Vogel-Rothstein kehrte nach Frankreich zurück und floh von dort zusammen mit ihrem Verlobten Gerhart Eisler 1941 zunächst nach Mexiko. Beide zogen dann weiter in die USA, wo Hilde in verschiedenen Jobs arbeitete, unter anderem in einem Kindergarten und in einer Brillenfabrik. 1942 heirate sie Gerhart Eisler in Connecticut.
In New York gab Gerhart Eisler zusammen mit dem Sozialdemokraten Kurt Rosenfeld die Exilzeitschrift The German American heraus und geriet unmittelbar nach Kriegsende schon 1946, gleich zu Beginn der sogenannten McCarthy-Ära, als angeblicher „Boss aller Roten“ in die Fänge des „Komitees für unamerikanische Aktivitäten - House Committee on Un-American Activities“ im Repräsentantenhaus. Gerhart Eisler wurde in mehreren Prozessen verurteilt und wochenlang auf Ellis Island interniert. Als ihm 1949 ein weiterer Prozess drohte, gelang ihm vorher die Flucht als blinder Passagier auf dem polnischen Passagierschiff „Batory“ nach Southhampton. Dort wurde er vorübergehend festgenommen, durfte aber schließlich via Prag nach Ostberlin ausreisen.
Das düpierte FBI verhaftete daraufhin seine Ehefrau, um ihn so zur Rückkehr zu veranlassen. Nach sechs Wochen musste Hilde Eisler wieder freigelassen werden – da war der Fall Eisler bereits zu einem Thema für die Presse geworden. Als man sie möglichst geräuschlos in einer Nacht-und-Nebel-Aktion abschieben wollte, durchkreuzte sie diesen Plan und gab noch auf der Treppe zum Flugzeug vor anwesenden Journalisten eine Erklärung ab. Darin dankte sie den USA für ihrer beider Aufnahme als Emigranten und prangerte gleichzeitig ihre jetzige Kriminalisierung durch McCarthy an. Diese Erklärung wurde tags darauf von der New York Times gedruckt.
Nach ihrer Rückkehr in die DDR arbeitete sie als Übersetzerin für ein Komitee, das sich für Verfolgte der McCarthy-Säuberungen einsetzte, aber auch als Journalistin für die von ► Rudi Wetzel geleitete Friedenspost. Mit ihm gehörte sie 1952/53 dann zur Gründungs-Redaktion der Wochenpost. Dort forderte sie in der kurzen Zeit ihrer Redaktionszugehörigkeit „eine hierzulande so gut wie unbekannte Leistung, efficiency und intelligente Mitarbeit,“ wie ► Heinz Knobloch ihr Arbeitsethos in seinem Buch Das Lächeln der Wochenpost beschreibt.
Zwei Jahre später, im Jahr 1955 wurde Hilde Eisler Chefredakteurin der Zeitschrift Das Magazin. 25 Jahre lang, bis 1979, leitete sie die wohl populärste Monatszeitschrift in der DDR. Ein Kultblatt mit leider viel zu kleiner Auflage wegen der geringen Papierzuteilung, trotz immer deutlich größerer Nachfrage. So blieb Das Magazin eine stets gesuchte „Bückware“. Ein Monatsblatt, das auf niveauvolle Weise unterhielt, mit guten Kurzgeschichten, interessanten Fotos – als einziges Blatt in der DDR auch mit Aktfotos – mit Essays über bildende Kunst, Mode, Film oder Theater. Politik und Ideologie überließ man, ähnlich wie die Wochenpost, lieber den SED-Zeitungen wie dem Neuen Deutschland.
Hilde Eisler blieb ihrem Blatt auch nach ihrer Pensionierung als Beraterin und Autorin verbunden, vor allem, wenn es um das Thema Mode ging. Sie starb im Jahr 2000 und wurde auf dem Jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee begraben.
(hhb)
Marlies Menge: Zwei aus einer Straße – Hilde Eisler und Freia Eisner – in ZEITonline vom 21.10.1988 (jetzt über Zeit+)
E-Book auf Google: Sojourners – The Return of German Jews and the Question of Identity – Hilde Eisler (Leseprobe)