Heinrich Jaenecke

Der Publizist Heinrich Jaenecke arbeitete als Redakteur, Reporter und Kolumnist für zahlreiche Zeitungen und Zeitschriften und schrieb mehrere historische Sachbücher, die zu Bestsellern wurden.

Heinrich Jaenecke wurde am 25. Februar 1928 in Berlin geboren. Seine Mutter Amalie war die Tochter des ersten deutschen Reichspräsidenten Friedrich Ebert. Seinen Großvater, der 1925 starb, hat er allerdings nicht kennengelernt.

Heinrich Jaenecke wuchs in Berlin auf, ging dort zur Grundschule und aufs Gymnasium. 1944 wurde er Flakhelfer und noch im April 1945 zur Wehrmacht eingezogen. Als siebzehnjähriger Kindersoldat sollte er die letzten deutschen Düsenjäger auf einem Flugplatz in der Nähe von Aumühle bei Hamburg beschützen. Von dort gelang es ihm, sich kurz vor Kriegsende in Schleswig-Holstein abzusetzen.

Nach dem Krieg ermöglichte ihm seine in Argentinien lebende Stiefmutter eine Reise dorthin, wo er Architektur zu studieren begann. Dort aber fand er auch den Weg zum Journalismus, den ihm der Verleger des Argentinischen Tageblatts ebnete, Ernesto Aleman. Das Tageblatt war eine deutschsprachige antifaschistische Zeitung in Buenos Aires. Aleman forderte Jaenecke auf, doch nebenher für sein Blatt zu schreiben, was der sofort tat. So beschrieb er die letzten Tage des Krieges, wie er diese als Kindersoldat damals überlebt hatte. In der „Stunde Null“, als er seinen Stahlhelm einfach wegwarf und dem Krieg zu entkommen suchte. Diese Berichte kamen gut an, was dazu führte, dass er sein Studium abbrach, um sich von nun an ganz aufs Zeitungsmachen zu konzentrieren.

1954 kehrte er als 26-Jähriger nach Deutschland in die Bundesrepublik zurück. Da hatte er sich endgültig für den Journalismus als Beruf entschieden. Zunächst begann er für die Süddeutsche Zeitung tätig zu werden. Deren Chefredakteur ► Werner Friedmann ließ ihn zu Beginn einen Kursus für Lokaljournalismus absolvieren und empfahl ihn später der Passauer Neuen Presse, als dort gerade ein schlimmes Hochwasser herrschte und man dringend nach Verstärkung in der Redaktion suchte. Dort avancierte er schnell zum politischen Redakteur, was dann jedoch angesichts unterschiedlicher politischer Einstellungen zum konservativ-klerikalen Chefredakteur Johannes Kapfinger zu Problemen führte.

Nächste Station war die Zeitschrift Quick, damals noch im erfolgreichen Wettbewerb mit dem STERN. Bei der Quick traf er mit Kollegen wie ► Hilmar Pabel, Hanns Hubmann oder ► Stefan Moses zusammen, die ihn anregten und anspornten. Gemeinsam schuf man damals große Reportagen für das Magazin, konnte dennoch nicht verhindern, dass die Quick in spürbar unruhiges Fahrwasser geriet. Mit dem Bildreporter Stefan Moses machte Jaenecke übrigens seine längste Reise – zwei Monate für die gemeinsame Reportage „Deutsche in aller Welt“ - allerdings schon nicht mehr für die Quick, sondern für Kindlers Revue.

Als die Quick dann Mitte 1966 überraschend an die Verlagsgruppe Bauer veräußert wurde, wollte sich Heinrich Jaenecke ebenfalls neu orientieren. Auch ihn zog es in die Medien-Metropole Hamburg. Eine Anstellung beim SPIEGEL scheiterte an Jaeneckes Gehaltsvorstellungen, die für ► Augstein zu hoch waren.

► Henri Nannen aber hatte schon länger ein Auge auf Jaenecke geworfen und holte ihn zum STERN, wo er bis 1995 vor allem als Reporter und Kolumnist tätig wurde. Speziell seine Reportagen über Südafrika oder Polen wurden zur Legende, genau wie seine historischen Essays über den spanischen Bürgerkrieg oder die deutsche Teilung. Aus seinen gut recherchierten Reportagen und historischen Essays machte er anschließend oft Sachbücher, von denen viele zu Bestsellern wurden.

STERN-Reportagen entstanden immer in Teamarbeit mit einem Pressefotografen. Ein solches Dream-Team waren Jaenecke und ► Robert Lebeck – doch aus ihren gemeinsamen Geschichten ließ sich niemals ableiten, „ein Bild sei mehr als tausend Worte“. Der präzise und bildhaft formulierende Jaenecke machte mit seinen Berichten immer wieder deutlich, dass Worte unersetzbar sind - selbst nicht durch die tollsten Fotos. Nur in gemeinsamer Arbeit wurde daraus Beeindruckendes.

Nach seinem Abschied vom STERN arbeitete Jaenecke als freier Autor für weitere Publikationen wie GEO oder GEO-Epoche, schrieb Bücher oder arbeitete im Team an solchen mit.

Heinrich Jaenecke starb am 4. Oktober 2014 in Ahrensburg. Er wurde auf dem Darß beigesetzt.

(hhb)

 

Quellen

Emanuel Eckardt: Nachruf - Heinrich Jaenecke / STERN vom 9.10.2014

Emanuel Eckardt: Abschied von einem großen Kollegen / MAGDA Magazin der Autoren vom 7.8.2020

Im Gespräch mit Felix Zimmermann / in MAGDA Magazin für Autoren

 

Bücher + Schriften

Heinrich Jaenecke: Die deutsche Teilung. Von der Potsdamer Konferenz bis zum Grundvertrag / Ullstein 1979

Heinrich Jaenecke: Es lebe der Tod – Die Tragödie des Spanischen Bürgerkriegs / STERN-Buch 1980

Heinrich Jaenecke: Polen – Träumer, Helden, Opfer / STERN-Buch 1981

Heinrich Jaenecke, Peter Thomsen: Der unsichtbare Tod – Die Angst des Bürgers vorm Atom / STERN-Buch 1981

Heinrich Jaenecke: Die weißen Herren – 300 Jahre Krieg und Gewalt in Südafrika / STERN-Buch 1982

Heinrich Jaenecke: Das deutsche Trauma – Die Geschichte der Teilung – Legende und Wirklichkeit / STERN-Buch 1989

Heinrich Jaenecke: Der blinde Adler – Reflexionen über Deutschland / Ellert & Richter Verlag 2005

Heinrich Jaenecke, Jörg U. Albig, Axel Schildt u.a.: Der Neubeginn – Deutschland zwischen 1945 und 1949 / Ellert & Richter Verlag 2005