Gustav Kolb

Gustav Kolb leitete in Augsburg die im Verlag der Cotta’schen Buchhandlung erscheinende Allgemeine Zeitung fast 30 Jahre lang als Chefredakteur. Er entwickelte die Zeitung zu einem unabhängigen, weltbürgerlichen Blatt und veröffentlichte immer wieder Artikel und Berichte von Autoren wie ► Heinrich Heine oder Karl Gutzkow, die speziell in der Vormärz-Zeit von der Zensur gemaßregelt und bedroht wurden.

Gustav Kolb wurde am 6. März 1798 in Stuttgart als Sohn eines Goldschmieds geboren. Dort besuchte er das Gymnasium und bereitete sich anschließend zunächst auf den Gemeindedienst vor. Ab 1818 studierte er darum an der Universität Tübingen Kameralwissenschaft mit dem Ziel, Kammerbeamter zu werden. Während des Studiums wurde er in Tübingen Mitglied der Burschenschaft Germania, die sich damals voller Idealismus für ein freiheitliches und einheitliches Vaterland einsetzte.

Obwohl er sein Studium mit hervorragenden Noten beendet hatte, beschloss er, nicht in den Staatsdienst einzutreten, sondern als städtischer Steuerkommissar in Stuttgart zu arbeiten. 1821 ging er für die Neckarzeitung nach Piemont, um über die dortigen Unruhen gegen die Habsburger zu berichten. Auf der Rückreise durch die Schweiz kam er mit dem „Jünglingsbund“ in Kontakt, dessen Ziel es war, die aristokratischen Regierungen zu beseitigen und so die Einheit Deutschlands durchzusetzen. Ein Bündnis, das besonders von Preußen bekämpft wurde. Mit Freunden und ehemaligen Kommilitonen gründete er in Stuttgart einen deutschen Ableger. Doch bevor es auch nur zu irgendeinem Umsturzversuch kam, wurden 1824 die 16 Mitglieder des Bündnisses verhaftet und in der Festung Hohenasperg inhaftiert. Kolb wurde dort zwei Jahre festgehalten, eine Haft, für die sich später sogar der württembergische König Wilhelm I. entschuldigte mit dem Hinweis, die seinerzeitige Lage mit dem Druck aus der „Heiligen Allianz“ von Habsburg und Preußen habe ihn zu dieser harten Strafe gezwungen.

1827 empfahl ihn der Justizminister darum an Johann Friedrich Cotta als Mitarbeiter der Allgemeinen Zeitung. Schon als deren Chefredakteur Karl Joseph Stegmann schwer erkrankte, übernahm Kolb immer mehr seiner Aufgaben und nach Stegmanns Tod dann offiziell die Leitung der Redaktion. Seine Richtschnur für die Redaktionsarbeit: Man wolle parteilos und unbeeinflusst vom Kampf der vergänglichen Meinungen bleiben, aber auch das Schöne im Blick behalten. Dafür gründete er die Beilage mit Themen aus Kunst und Kultur, Literatur wie Theater.

Unter seiner Leitung stieg die Auflage, weil das Blatt dank seiner Unabhängigkeit weit über Süddeutschland hinaus an politischer Bedeutung gewann und den gehobenen bürgerlichen Ständen mit seiner Beilage auch schöngeistige Anregungen lieferte. Gustav Kolb war es gelungen, wichtige Persönlichkeiten an die Allgemeine Zeitung zu binden und trotz der eingeschränkten Pressefreiheit deren Ansichten in Artikeln und Essays zu verbreiten. Heinrich Heine wurde 1832 Pariser Korrespondent und verfasste kritische Berichte über die politische Situation und das kulturelle Leben in Frankreich, auch provozierende Artikel über die Politik von Louis Philippe I., König der Franzosen. Die wurden später im Buch „Französische Zustände“ bei Hoffman und Campe in Hamburg verlegt. Auch die Verhältnisse in Deutschland wurden von Heine im Blatt kritisiert. Allein zwischen 1840 und 1843 erschienen von Heine 61 Berichte und Essays in der Allgemeinen.

Friedrich Hebbel berichtete 1848 aus Wien über die europäische Revolution. Weitere prominente Mitarbeiter waren ► Mathilde Franziska Anneke, ► Ludwig Börne, Karl Gutzkow, Friedrich List oder ► Levin Schücking.

1855 erlitt Gustav Kolb einen Schlaganfall, der ihn einseitig lähmte, aber nicht von seiner Arbeit als Chefredakteur abhielt. Er trat weiter für ein großdeutsches Reich zusammen mit Österreich ein, und für eine konstitutionelle Monarchie nach dem Vorbild von Großbritannien.

Gustav Kolb starb am 16. März 1865 im Alter von 67 Jahren in Augsburg.

(hhb)

 

Quellen

Wilhelm Lang: Kolb, Gustav Eduard / Deutsche Biographie

Johannes Neufeld: Gustav Kolb – Ein politischer Journalist im Vormärz / Studienarbeit als TB im Grin Verlag 2008

Horst Pöttker: Heines Tagesberichte für die ‚Allgemeine Zeitung‘. Ein Beitrag zu Geschichte und Bestimmung der Reportage

Günther Grünsteudel: Stadtlexikon Augsburg / Wißner-Verlag

Günter Müchler: Wie ein treuer Spiegel / 1998

Johannes Neufeld: Gustav Kolb – Ein politischer Journalist im Vormärz / Grin Verlag

 

Bücher + Schriften

Gustav Kolb: Allgemeine Zeitung III. und IV. Quartal 1937 / Cotta Augsburg

Gustav Kolb: Augsburger Allgemeine Zeitung 1840 / Cotta Augsburg

Gustav Kolb: Augsburger Allgemeine Zeitung 1843 / Cotta Augsburg

Gustav Kolb: Allgemeine Zeitung I. Quartal 1944 / Cotta Augsburg

Gustav Kolb: Allgemeine Zeitung IV. Quartal 1946 / Cotta Augsburg

Gustav Kolb: Allgemeine Zeitung I. Quartal 1947 / Cotta Augsburg

Gustav Kolb: Allgemeine Zeitung II. Quartal 1947 / Cotta Augsburg

Gustav Kolb: Allgemeine Zeitung III. Quartal 1947 / Cotta Augsburg

Gustav Kolb: Augsburger Allgemeine Zeitung Januar-März 1848 / Cotta Augsburg

Gustav Kolb: Augsburger Allgemeine Zeitung Juli-September 1848 / Cotta Augsburg

Gustav Kolb: Die Kraichgauer Ritterschaft unter der Regierung des Kurfürsten Philipp von der Pfalz / EHV History

Heine an Kolb am 11. November 1828 aus Florenz