Levin Schücking gehörte zu den einflussreichsten Journalisten in der Zeit der Umbrüche zwischen der Märzrevolution und der ihr folgenden Restauration. Er publizierte eine geradezu unüberschaubare Anzahl von literaturkritischen und feuilletonistischen Artikeln und Essays in Gutzkows Telegraph für Deutschland, in Cottas Allgemeiner Zeitung oder in der Kölnischen Zeitung. Seine Erzählungen über Westfalen und das Rheinland machten ihn damals zu einem „westfälischen Walter Scott“.
Christoph Bernhard Levin Matthias Schücking wurde am 6. September 1814 als ältester Sohn einer schöngeistig interessierten Patrizierfamilie in Clemenswerth bei Meppen geboren. Ab 1829 besuchte er das Paulinum-Gymnasium in Münster und danach das Carolinum in Osnabrück, wo er 1833 sein Abitur ablegte.
Nach dem frühen Tod seiner Mutter wurde der 17-jährige Levin von deren Freundin Annette von Droste-Hülshoff bemuttert. In München, Heidelberg und München studierte er Rechtswissenschaften, allerdings ohne allzu großes Engagement. Lieber und intensiver interessierte er sich für Literatur, der er sich nach seiner Rückkehr in Münster ganz widmete. Dort verkehrte er bald in einem Kreis von Schriftstellern um Annette von Droste-Hülshoff, die sich von da an für sein berufliches Fortkommen einsetzte. Anfangs unterstützte sie ihn bei seiner Arbeit, auch durch mehrere ihrer eigenen Beiträge.
1838 begann er für den Westphälischen Merkur und für die Zeitschrift Telegraph für Deutschland zu arbeiten, die von Karl Gutzkow und dem Verlag Hoffmann und ► Campe in Hamburg herausgegeben wurde und im Vormärz zu einem einflussreichen kritisch-belletristischen Journal geworden war. Gutzkow erkannte Schückings Talent und förderte ihn entsprechend. So konnte er auch bald zahlreiche Beiträge in ► Cottas Morgenblatt für gebildete Leser und in anderen Magazinen publizieren, darunter von 1842 bis 1844 allein 13 Gedichte im Morgenblatt. Und nun sorgte er dafür, dass Droste-Hülshoffs „Judenbuche“ von April bis Mai 1842 in 16 Folgen von Cottas Morgenblatt veröffentlicht wurde.
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1841 wurde er durch Vermittlung seiner mütterlichen Freundin Droste-Hülshoff Bibliothekar auf Schloss Meersburg am Bodensee und Prinzenerzieher beim Adelsgeschlecht Wrede. Im Herbst 1843 ging er als Redakteur nach Augsburg, zur Allgemeinen Zeitung. Dort heiratete er die Schriftstellerin Louise von Gall.
1845 zog das Ehepaar nach Köln, wo Levin Schücking das Feuilleton der Kölnischen Zeitung leitete – das war überhaupt die erste Literaturbeilage, die seit 1838 regelmäßig in einer deutschen Zeitung erschien. Die Kölnische, mit ihrer soliden und obrigkeitskritischen Haltung gehörte damals zu den führenden überregionalen deutschen Tageszeitungen und war in der Zeit der Märzrevolution um 1848 ein wichtiges Sprachrohr. Sie wurde damals gern als „die deutsche Times“ bezeichnet. Schücking leitete das Feuilleton bis 1852. Ab 1846 war er im Auftrag des Blattes viel auf Reisen, mehrmals in Paris, wo er immer wieder ► Heinrich Heine traf. Und 1847 hielt er sich mehrere Wochen in Rom auf.
Ende 1852 zog er sich auf sein Anwesen im westfälischen Sassenberg zurück und arbeitete nun freiberuflich für zahlreiche Magazine und Zeitungen. Noch immer war er viel unterwegs: 1862 zur Weltausstellung in London, 1864 wieder in Italien und 1867 bei der Weltausstellung in Paris. Darüber schrieb er Reiseberichte, kleine Feuilletons und Rezensionen. Und verfasste mehrere Romane und Novellen – Erzählungen vor allem über seine Heimat in Westfalen und im Rheinland. Worauf ihn der Brockhaus von 1883 als „westfälischen Walter Scott“ bezeichnete.
Levin Schücking starb am 31. August 1883 in Bad Pyrmont an Bauchspeicheldrüsenkrebs.
(hhb)
Quellen
Hermann Hüffer: Schücking, Levin / Allgemeine Deutsche Biographie, Duncker & Humblot 1891
Walter Gödden: Schücking, Christoph Berhard Levin / Deutsche Biographie, Duncker & Humblot
Sammlung Levin Schücking / Universität Münster
Levin Schücking / Literaturdatenbank Niedersachsen
Levin Schücking / Lexikon Westfälischer Autorinnen und Autoren
Ulf Morgenstern: Geburts- und Geistesadel im Wandel des 19. Jahrhunderts: Levin Schücking und Louise von Gall / Brill
Levin Schücking / Geneee
Bücher + Schriften
Levin Schücking: Bilder aus Westfalen / Verlag R.L. Friedrichs 1860
Levin Schücking: Eine Eisenbahnfahrt durch Westfalen / Intank Publishing 2019
Levin Schücking: Lebenserinnerungen / Aisthesis Verlag