Der österreichische Sportjournalist Heribert Meisel arbeitete als Sportkommentator beim ORF Österreichischen Rundfunk, war aber auch der erste Moderator des aktuellen Sportstudios des ZDF. Bekannt wurde er durch seinen lauten stets dreifachen „Tor-Toor-Tooor“-Ruf.
Heribert Meisel wurde am 15. Oktober 1920 in Baden bei Wien geboren. Als Jugendlicher betrieb er acht verschiedene Sportarten – Fußball, Ski, Schwimmen, Wasserball, Handball, Eishockey, Tischtennis und Tennis – und verfasste schon als Gymnasiast erste Sportberichte. Nach dem Abitur studierte er Welthandel, wurde dann 1940 zur Wehrmacht eingezogen und organisierte 1941 in Litauen, wo er stationiert war, eine Fußballmannschaft. Über deren Spiele schrieb er Sportberichte für eine Soldatenzeitung, er verfasste außerdem Theater- und Kulturkritiken.
Seine journalistische Laufbahn begann er nach Kriegsende bei der Salzkammergut Zeitung und lieferte auch für weitere Linzer Tageszeitungen Sportberichte. Im Jahr 1946 arbeitete er zunächst aushilfsweise beim von den US-Besatzern kontrollierten Radiosender Rot-Weiß-Rot – seine erste Reportage war der Zieleinlauf des Radrennens „Quer durch Österreich“ in Linz – und wurde daraufhin 1947 in dessen Linzer Studio Rundfunksprecher. Nachdem dieser Besatzungssender 1955 aufgelöst worden war, wechselte er als Sportkommentator zum ORF Österreichischen Rundfunk, der damals aber noch als Österreichisches Rundspruchwesen firmierte. Schon 1954 war er außerdem Leiter des Sportressorts bei der Tageszeitung Neuer Kurier geworden und blieb das bis zu seinem frühen Tod.
Von Fotograf im Auftrag der United States Information Agency (Pictorial Section der Information Services Branch (ISB) ) - ÖNB, Bildarchiv der US-Informationsdienste in Österreich Inventarnummer: US 23.378
Copyright: Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=61294058
1954 berichtete Heribert Meisel für Österreich von der Fußball-Weltmeisterschaft aus der Schweiz – und natürlich auch vom Halbfinalspiel seiner Landsleute gegen Deutschland, das die Österreicher 1:6 verloren. Hier ein Live-Kommentar von ihm über das damalige Debakel: „Der Probst ist ja bei Liebrich so was von aufgehoben, als wäre er ein Wickelkind und der ► Liebrich seine Mutter.“ Als ihm sein Kollege ► Herbert Zimmermann vom NWDR dann noch vor dem Finale sagte, nun würde es bald ein besonderes Spiel „Deutschland gegen die übrige Welt“ geben, wechselte Meisel das Hotel, in welchen bisher beide untergekommen waren. Die Bemerkung von Zimmermann war sicher total unangemessen, in der Sache behielt er aber Recht, denn Deutschland wurde 1954 erstmals Fußballweltmeister.
Ab März 1963 leitete Heribert Meisel den von ihm für den ORF erdachten innovativen Sportstammtisch am Montagabend und wurde im selben Jahr, am 24. August 1963, der Moderator der Premierensendung von „Das aktuelle Sportstudio“ im ZDF. Das ZDF hatte da gerade seine Sendetätigkeit aufgenommen und Sport-Übertragungen speziell vom Fußball sollten zum Publikum-Magneten werden. Darum hatte man eine personalstarke Sportredaktion zusammengestellt, damit möglichst viele Spielberichte damals noch als 16-Millimeterfilme rechtzeitig ins Studio nach Eschborn gebracht werden konnten, um dort dann eingespielt und von erfahrenen Moderatoren kommentiert werden konnten. So kam auch Heribert Meisel ins Geschäft, gerade wegen seines humorvollen, manchmal kabarettreifen, aber immer fachlich fundierten Kommentarstils, mit dem er sich schon in Österreich einen Kultstatus erworben hatte.
Seit Herbst 1965 litt Meisel an Knochenkrebs und konnte seine Schmerzen schließlich nur noch mit Hilfe von schweren Morphinen ertragen. Dadurch wurden die Texte für seine neue Kurier-Kolumne - nun „Heribert vor dem Bildschirm“ – immer kryptischer und konnten nicht mehr in Druck gehen. Der Kurier-Chefredakteur ► Hugo Portisch wollte seinem verdienten schwerkranken Mitarbeiter aber nicht noch weitere Schmerzen zufügen und ließ darum immer einige Kurier-Exemplare mit seiner Kolumne drucken und zu Meisel ins Krankenhaus bringen.
Heribert Meisel starb am 31. Oktober 1966, nur 46 Jahre alt, im Wiener Kaiser-Franz-Josef-Spital. Er wurde auf dem Stadtfriedhof von Baden begraben.
Zuvor hatte ihm der Unterrichtsminister noch das Goldene Verdienstzeichen der Republik Österreich am Krankenbett überreicht, das ihm am 14. Juli 1966 von Bundespräsident Franz Jonas verliehen worden war. Der ehemalige Sportchef des ORF Thaddäus Podgorsky sagte über Heribert Meisel: „Der Heribert Meisel war kein Sportreporter. Der Heribert Meisel war ein Entertainer. Es war reine Unterhaltung. Es war ein Vergnügen, wenn er sich aus dem Stadion gemeldet hat. Er hat Situationen beschrieben. Er hat Partei ergriffen, was ganz wichtig ist im Sport. Er war witzig, er hat Humor gehabt, er hat neben seiner wirklich fundierten Sachkenntnis soviel Bildung gehabt und G'scheites vermittelt. Der Sport war – kann man fast sagen bei ihm – nur das Vehikel für unglaublich gute Unterhaltung."
(hhb)
Quellen
Heribert Meisel / Wien Geschichte
Heribert Meisel / DER SPIEGEL 29/1954 vom 13.7.1954
Thomas Karny: Der Sportreporter als Entertainer / Wiener Zeitung 28./29.10.2006
Das Spiel ist aus / STERN 1966
Sportreporter mit Leib und Seele. Heribert Meisel / ORF Ö1 Mittagsjournal 8.4.2017
Georg Markus: Das kurze Leben des Heribert Meisel / Kurier 15.10.2020
Bücher
Heribert Meisel: Tor! Toor! Tooor! / Europa Verlag 1959
Heribert Meisel: Olympia 1960 / Südwest Verlag 1960
Heribert Meisel: Sportkanonen gezaust und gezeichnet / Marklein-Verlag1961
Heribert Meisel: Fußball-Weltmeisterschaft 1962 / Südwest Verlag 1962