Walther von Hollander

Der Publizist, Schriftsteller und Drehbuchautor Walther von Hollander war seit den 1920er Jahren ein populärer Ratgeber bei Eheproblemen, Familienkrisen oder für Fragen der Sexualität. Er brachte die Lebensberatung in die Medien – schrieb darüber Sachbücher und Drehbücher, beriet die Menschen im Rundfunk und in Zeitschriften.

Walther von Hollander wurde am 29. Januar 1892 als Sohn eines Pfarrers in Blankenburg/Harz geboren. Seine Familie, die 1788 nobilitiert worden war, stammte aus dem Baltikum mit Sitz in Riga. Ab 1910 studierte er in Berlin, Heidelberg, Jena und München Literatur, Nationalökonomie und Philosophie und wurde 1914 mit 22 zum Dr. phil. promoviert. Schon während des Studiums hatte er sich nebenher als Schauspieler und Journalist betätigt.

Am Ersten Weltkrieg nahm er als Freiwilliger teil, diente als Infanterist und Offizier und ab 1917 als Offizier in der Berichterstattung. Nach Kriegsende arbeitete er in München als Lektor im Verlag Georg Müller, aber schrieb auch als Journalist und Kritiker für bayrische Blätter.

1920 wurde er aus München ausgewiesen, ging kurzzeitig ins Künstlerdorf Worpswede und kam dann 1922 nach Berlin, wo ihn ► Theodor Wolff kennenlernte und förderte. In Berlin arbeitete Holländer als freier Schriftsteller, schrieb zudem Essays und Kritiken für Zeitschriften wie Die Weltbühne und die Berliner Illustrirte sowie für Zeitungen wie das Berliner Tageblatt oder die Vossische Zeitung.

Von 1928 bis 1933 war er Schriftführer beim deutschen PEN-Club und begann ab 1935 Drehbücher zu verfassen, für Filme, in deren Mittelpunkt zumeist Frauen standen.

Ab 1939 lebte und arbeitete er in Schleswig-Holstein, auf einem kleinen Gutshof in Niendorf an der Steckritz. Dort schrieb er seine Romane, die er, obwohl kein Mitglied der NSDAP, veröffentlichen durfte, weil Unterhaltung fürs Volk damals gefragt war.

In Niendorf trafen sich nach dem Zweiten Weltkrieg im Herrenhaus von Holländer immer wieder Persönlichkeiten wie ► Peter von Zahn, ► Axel Eggebrecht oder ► Hugh Carlton Greene, etwa um miteinander über den Aufbau freier Medien sowie eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu beraten. Dort soll sich auch ► Axel Springer in Gesprächen mit Hollander entschlossen haben, seinen Verlag neu zu gründen.

Zunächst aber setzte Holländer seine bisherige Tätigkeit fort, schrieb weiterhin Romane und Drehbücher und arbeitete als Kolumnist, Hörspiel-Autor und Radiomoderator.

Bald jedoch entwickelte er sich in der Bundesrepublik zum „Eheberater der Nation“. Denn seit 1949 hatte er eine regelmäßige Ratgeber-Kolumne in der Zeitschrift Hörzu: „Fragen Sie Frau Irene“. Und in der wöchentlichen NDR-Sendung „Was wollen Sie wissen?“ ließ er sich von 1952 bis 1971 von den Anrufern ihre Ehe-, Familien- oder Erziehungsprobleme schildern und beantwortete sie dann am Telefon. So entstand damals die erste Call-in-Sendung im NDR-Hörfunk.

1967 erhielt er das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse. Erst 1971 nahm er Abschied vom NDR. Zwei Jahre später starb Walther von Hollander am 30. September 1973 in Niendorf an einem Herzinfarkt.

(hhb)

 

Quellen

Walther von Hollander / dewiki

Dr. Lu Seegers: Walther von Hollander – ein populärer Ratgeber für Ehe, Familie und Sexualität im frühen und mittleren 20. Jahrhundert / FZH Forschungsstelle für Zeitgeschichte in Hamburg

Andreas Bürkner: Ein Pfarrerssohn entwickelt sich zum ‚Lebensberater der Nation‘ / Volksstimme vom 27.12.2012

Ursula Storost: Wie lebe ich glücklich? Lebensberatung als Zeitphänomen / Deutschlandfunk am 30.12.2021

 

Sachbücher

Walther von Hollander: Der Mensch über Vierzig / Ullstein 1938

Walther von Hollander: Fibel für Erwachsene / Axel Springer Verlag 1949

Walther von Hollander + Dr. Kurt von Roques: Fibel für Manager / Bertelsmann 1958

Walther von Hollander: Psychologie der Ehefrau / 1962

Walther von Hollander: Das Leben zu zweien / Ullstein

 

Drehbücher

Der Favorit der Kaiserin / 1936

Gauner im Frack / 1937

Anna Favetti / 1938

Komödianten / 1941

Der Majoratsherr / 1944

Das gestohlene Jahr /1951

Die Stärker / 1953

Glücksritter / 1957

Liebe kann wie Gift sein / 1958