Bernhard Guttmann

Bernhard Guttmann gehörte in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg und danach während der Weimarer Republik zu den einflussreichsten Journalisten in dieser Zeit. 1898 begann er als Redakteur bei der Frankfurter Zeitung und blieb dort – mit einer Unterbrechung während des Ersten Weltkrieges – dann bis zur Machtergreifung. Er berichtete als Korrespondent aus Hamburg, aus Konstantinopel sowie aus London und leitete nach dem 1. Weltkrieg zehn Jahre das Berliner Büro des Blattes.

Bernhard Guttmann wurde am 24. Juli 1869 in Breslau geboren. Nach dem Besuch eines Gymnasiums in Berlin studierte er Philosophie, Germanistik und Geschichte in Leipzig, Bonn und in Berlin, wo er 1895 zum Dr. phil. promoviert wurde.

Nach seinem Studium unternahm er eine Europareise und arbeitete vorübergehend als Sekretär des deutschen Konsulats in Kairo. 1898 wurde er fester Mitarbeiter der Frankfurter Zeitung. 1899 arbeitete er als Korrespondent in Hamburg, berichtete 1903 aus Konstantinopel, dem heutigen Istanbul, und leitete von 1908 bis 1914 das Auslandsbüro in London – damals eine der wichtigsten Außenstellen. Aus London unterstützte er die Bemühungen des deutschen Botschafters Fürst Karl Lichnowsky für eine deutsch-englische Verständigung. Aus seinen Erfahrungen in dieser Zeit entstand 1923 seine historische Darstellung von „England im Zeitalter der bürgerlichen Reform“.

Während des Ersten Weltkriegs hatte er die Frankfurter Zeitung verlassen und arbeitete als Berater im Auswärtigen Amt, später auch als Mitglied der deutschen Delegation bei den Friedensverhandlungen in Paris.

 

1920 holte ihn ► Heinrich Simon, der Vorsitzende der Redaktionskonferenz in der Frankfurter Zeitung, zurück zum Verlag. Guttmann übernahm den politischen Korrespondentenposten in Berlin. Dort blieb er als Leiter der Berliner Redaktion bis 1930 und wurde der wohl wichtigste politische Redakteur der Zeitung. Und sein Kollege Robert Haerdter, der nach dem Zweiten Weltkrieg mit Guttmann und anderen ehemaligen Kollegen aus der Frankfurter Zeitung die Zeitschrift Gegenwart herausgab, urteilte über Guttmann: „Er habe keinen deutschen Journalisten gekannt, der Guttmann an Bildung, an Kraft des Wortes, an Wucht des Gewissens und Gewissenhaftigkeit erreicht habe.“ Zudem lobte er Guttmanns kritische Intelligenz und seine freiheitlich-liberale Gesinnung.

Simon und Guttmann teilten sich in der Weimarer Zeit die Leitung des politischen Ressorts der Frankfurter Zeitung und bildeten dabei eine Art Doppeladler – Simon war der politische Kopf im Frankfurter Verlag, Bernhard Guttmann hatte sein Ohr am politischen Geschehen in der Hauptstadt Berlin. Das ging so lange gut, bis Simon, der die Geschäftsführung der Societäts-Druckerei 1929 wegen finanzieller Probleme niederlegte und sich nun auf den Vorsitz in der Redaktionskonferenz der Frankfurter Zeitung konzentrierte, mit Guttmann über von ihm geplante Veränderungen im Blatt in Streit geriet.

1930 ging Guttmann daraufhin in Pension, auch wegen seiner geschwächten Gesundheit, blieb der Frankfurter Zeitung aber als Rezensent für politisch-historische Bücher verbunden.

1935 wurde er, als getaufter „jüdischer Christ“, mit einem Schreibverbot belegt und zog sich in den Schwarzwald zurück. Dort überlebte er in der kleinen Ortschaft Buchenbach bei Freiburg, wo man zwar über seine Probleme wusste, ihn aber niemand an die Nazis verriet.

1945 gehörte er zusammen mit ► Benno Reifenberg, Robert Haerdter oder ► Dolf Sternberger in der französischen Besatzungszone zu den Gründern der Zeitschrift Die Gegenwart, die in der Tradition der Frankfurter Zeitung aus ganz Deutschland berichtete und gewissermaßen zu einem Vorläufer der FAZ Frankfurter Allgemeine Zeitung wurde. Folgerichtig wurde Die Gegenwart ab 1950 bis 1959 von der Frankfurter Societäts-Druckerei gedruckt und herausgegeben, beim damaligen Verleger ► Werner Wirthle.

Ab 1951 war Guttmann dann Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und erhielt im Jahr darauf das Verdienstkreuz der Bundesrepublik und wurde mit der Goetheplakette der Stadt Frankfurt am Main ausgezeichnet.

Bernhard Guttmann starb am 20. Januar 1959 in Buchenbach im Alter von 89 Jahren.

(hhb)

 

Quellen

Bernhard Guttmann / Lexikon Westfälischer Autorinnen und Autoren

Guttmann, Bernhard / Hessische Biografie

Guttmann, Bernhard / Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen 1969

Nachlass Bernhard Guttmann / Institut für Zeitungsforschung Dortmund

Günther Gillessen: Auf verlorenem Posten – Die Frankfurter Zeitung im Dritten Reich Siedler Verlag

 

Bücher + Schriften

Bernhard Guttmann: Soll Deutschland in den Völkerbund? / Engelmann Berlin 1919

Bernhard Guttmann: England im Zeitalter der bürgerlichen Reform / Stuttgart 1923

Bernhard Guttmann: Tage in Hellas / Frankfurter Societäts-Druckerei Ffm. 1924

Bernhard Guttmann: Die neue Majestät / Berlin 1930

Bernhard Guttmann: Das Ende der Zeit / Zähringer Freiburg im Breisgau 1948

Bernhard Guttmann: England im Zeitalter der bürgerlichen Reform / DVA Stgt. 1949

Bernhard Guttmann: Schattenriss einer Generation. 1888 – 1919 / Köhler Stgt. 1950

Bernhard Guttmann: Das Alte Ohr / Societäts-Verlag Frankfurt/Main 1955