Benno Reifenberg

Benno Reifenberg war ein deutscher Journalist, Publizist und Schriftsteller, der als Kunstkritiker und Feuilletonchef die Frankfurter Zeitung maßgeblich geprägt hat. Von 1932 bis 1938 war er Leiter der Zentralredaktion dieser Zeitung, erhielt aber als Halbjude und Hitlerkritiker gegen Ende der Nazizeit Schreibverbot. Nach dem Krieg reaktivierte er zunächst die Zeitschrift Die Gegenwart, gehörte danach zur Redaktion der FAZ Frankfurter Allgemeine Zeitung und war bis 1965 deren Mitherausgeber.

Benno Carl Reifenberg wurde am 16. Juli 1892 in Oberkassel bei Bonn geboren. Sein Vater war ein jüdischer Kaufmann, seine Mutter stammte aus einer holländischen Reederfamilie. 1896 zog die Familie nach Frankfurt am Main, wo Benno Reifenberg das Kaiser-Friedrichs-Gymnasium besuchte. Ab 1912 studierte er Archäologie und Kunstgeschichte in Genf, München und Berlin. 1914 musste er seine Studien unterbrechen und am Ersten Weltkrieg teilnehmen. Nach seiner Entlassung setzte er sein Studium fort und wurde nach dem Tod seines Vaters von Heinrich Simon gefördert, dem Verleger der Frankfurter Zeitung.

 

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Bei Besprechungen über das Buch " Die Grossen Deutschen " in der Villa Hammerschmidt; v.l.n.r.: N.N., Hermann Heimpel, Theodor Heuss, Benno Reifenberg und Cyrill Soschka, 1.1.1956

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Im März 1919 begann er als Kunstkritiker in der Redaktion der Frankfurter Zeitung und leitete ab 1924 deren Feuilleton. Von 1930 bis 1931 war er für die FZ Auslandskorrespondent in Paris. 1932 kehrte er in die Frankfurter Zentralredaktion zurück, als Leiter des innenpolitischen Ressorts. In seinem Leitartikel vom 30. Januar 1933 – also unmittelbar vor Hitlers Berufung zum Reichskanzler – sprach er diesem alle moralischen und menschlichen Qualitäten für das Amt ab.

Dennoch blieb Reifenberg bis zum Verbot der Frankfurter Zeitung im Jahr 1943 deren leitender Redakteur und unterstützte gezwungenermaßen zumindest Hitlers außenpolitische Ziele publizistisch. Bis 1943 durfte die Frankfurter Zeitung als eine Art „Feigenblatt“ weiter erscheinen, von den Nazis zwar gehasst, aber weil im Ausland als wichtige Stimme eines freien Journalismus schon seit Kaiserreich und Weimarer Republik geschätzt, schreckte Goebbels lange Zeit vor einem Verbot zurück.

Reifenbergs Kommentar über die damaligen journalistischen Arbeitsmöglichkeiten: Wir sahen nicht rechts, wir sahen nicht links, wir trugen einen Strick um den Hals und wunderten uns, dass wir nicht erstickten.“ Solche Drangsalierungen hatte er mehrfach ertragen müssen. Als er die Entfernung eines van Gogh-Gemäldes aus dem Frankfurter Städel als angeblich entartete Kunst kritisierte, wurde er 1938 kurzzeitig von der Gestapo verhaftet. Und erhielt politisches Schreibverbot. Von da an schrieb er nur noch über Kunstthemen und konnte das auch nur unter Chiffre veröffentlichen, bis dann am 1. September 1943 das endgültige Aus für ihn und die FZ kam. Danach tauchte er im Schwarzwald unter.

An seinen Kollegen Willy Bretscher, lange Zeit Berliner Korrespondent der NZZ Neue Zürcher Zeitung und später deren Chefredakteur, schrieb er über diese Zeit: „Nur wer die Grabesstille des Dritten Reiches am eigenen Leib verspürt hat, wird ermessen können, was eine Gegenposition in der Öffentlichkeit für die geistigen Menschen in Deutschland bedeutet hat. Als die ‚Frankfurter Zeitung‘ in Deutschland eingestellt wurde, war es, als würde in einem halbdunklen Raum die letzte Kerze ausgeblasen.“

Als Reifenberg nach Kriegsende versuchte, die Frankfurter Zeitung neu zu gründen, scheiterte das am Widerspruch amerikanischer Presseoffiziere, die sich offenbar daran störten, dass er zeitweise Hauptschriftleiter der Frankfurter Zeitung war und noch bis August 1943 für sie arbeiten durfte. Darum gründete er im Oktober 1945 mit ehemaligen Kollegen in der französischen Zone die Halbmonatsschrift Die Gegenwart. Ein Blatt, das sich am bürgerlich-liberalen Wertekanon orientierte und kritisch auf die Zeit des Nationalsozialismus zurückschaute. In der Gegenwart veröffentlichte Reifenberg Beiträge über Politik, Kunst und Architektur. Ab 1950 wurde sein Blatt dann wie die FAZ von der Frankfurter Societätsdruckerei verlegt.

Als Die Gegenwart im Jahr 1959 eingestellt wurde, trat er in die FAZ-Redaktion ein und wurde bis 1965 Mitglied im FAZ-Herausgebergremium.

Am 28. August 1964 wurde ihm der Goethe-Preis in der Frankfurter Paulskirche verliehen.

Bis zu seinem Tod am 9. Februar 1970 war er für die FAZ journalistisch weiter tätig.

(hhb)

 

Artikel von Günther Gillesen über Benno Reifenberg in der FAZ vom 29. Januar 2004

Rezension von Benno Reifenberg (1892-1970): Eine Biographie, Wallstein Verlag GmbH 2011,  in der FAZ

Zur Gründung der Badischen Zeitung (inkl. Beitrag über Benno Reifenberg auf Seite 6)