Robert Gernhardt

Der deutsche Schriftsteller, Satiriker und Karikaturist Robert Gernhardt wurde vor allem durch seine frech-frivolen Gedichte mit Zeichnungen im Stil von Wilhelm Busch bekannt. Er arbeitete für Satirezeitschriften wie pardon oder Titanic und als Autor für zahlreiche Comedy-Serien im Hörfunk und im Fernsehen.

Robert Gernhardt wurde am 13. Dezember 1937 in Reval/Estland – heute Tallinn - geboren. Die Familie Gernhardt, der Vater war Richter, gehörte in Estland zur angesehenen baltendeutschen Minderheit. 1939 wurde sie wegen des „Hitler-Stalin-Pakts“ nach Posen umgesiedelt, weil im geheimen Zusatzabkommen des Paktes Estland der Sowjetunion zugeschlagen worden war. Gernhardts Vater fiel dann im Zweiten Weltkrieg. Als der Krieg auch Posen erreichte, floh die Mutter mit ihren drei Söhnen nach Niedersachsen.

Nach seiner Schulzeit studierte Robert Gernhardt ab 1956 in Stuttgart und danach in Berlin Malerei sowie an der Berliner Freien Universität auch Germanistik.

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Robert Gernhardt bei einer Lesung im Evangelischen Stift Tübingen (2001)

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1964 kam er nach Frankfurt am Main. Dort arbeitete er als freiberuflicher Zeichner, Karikaturist und Schriftsteller und begründete zusammen mit seinen Freunden ► F.W. Bernstein, ► Chlodwig Poth, Hans Traxler, ► F.K. Waechter und anderen einen humoristischen Künstlerzirkel. Viele Jahre später wurde der von seinen Gründern augenzwinkernd und in Anlehnung an die „Frankfurter Schule“ von Adorno und Horkheimer „Neue Frankfurter Schule“ getauft. Die Mitglieder gehörten in den 60er Jahren allesamt zu den Stars der Satire-Zeitschrift pardon. Gernhardts regelmäßige Kolumne darin – „Welt im Spiegel“ als zweiseitiges Nonsens-Provinzblatt aufgemacht – übte in jenen Jahren humorvolle Kritik am Provinzialismus so mancher Zeitungsbeiträge. „WimS“ wurde für ihre Leserschaft zu einer viel beachteten und diskutierten Gesellschafts- und Kulturkritik, nach dem Motto: „Pro bono – contra malum / für das Gute, gegen das Böse“. Als pardon eingestellt wurde, gehörte Gernhardt zu den Mitbegründern des nachfolgenden Satire-Magazins Titanic.

Zu Gernhardts Stilmitteln gehörte sein Spiel mit Dialekten, etwa dem „Frankforter Gebabbel“. Gernhardt wurde gern ironisch als zweitwichtigster Frankfurter Dichter benannt – also ulkte er, dass der wichtigste seiner Meinung nach auch „frankforterisch gebabbelt“ haben dürfte. Was sich in „Faust 2“ bei einer Lesung dann so angehört haben könnte: statt „Ach neige, du Schmerzensreiche“ eher „Ach neische, du Schmerzensreische“.

1972 kaufte Gernhardt sich ein altes Haus in der Toskana und arbeitete nun auch von dort aus. 1974 strahlte der Hessische Rundfunk mehrere Folgen seiner Radiosendung „HELP“ aus und ab 1975 acht Folgen der Fernsehsendung „Dr. Muffels Telebrause“, einer Comedy-Show, die er zusammen mit Bernd Eilert und Peter Knorr konzipiert hatte. Diese GEK-Gruppe – Gernhardt, Eilert, Knorr – produzierte dann mehrere Unterhaltungsserien, wie „Dr. Seltsams Radio-ABC“, das ARD-weit ausgestrahlt wurde.

Die Autorengruppe GEK schuf auch Texte zunächst für die frühen Bühnenauftritte des Komikers Otto Waalkes. Da die beim Publikum gut ankamen, musste das Autoren-Team GEK in den folgenden Jahren für alle seine Bühnen- und Fernsehprogramme Input liefern und war an den Drehbüchern von vier Otto-Filmen maßgeblich beteiligt.

Zur Jahrtausendwende wurde Gernhardt Stipendiat am Wissenschaftskolleg Berlin und hielt im Jahr darauf Poetik-Vorlesungen über das Thema „Was das Gedicht alles kann: Alles“.

Gernhardt wurde mehrfach ausgezeichnet: 1987 erhielt er den Deutschen Kritikerpreis; 1998 den Bertolt-Brecht-Literaturpreis; 2002 den e.o.plauen Preis; 2003 den Deutschen Kleinkunstpreis oder 2004 den Heinrich-Heine-Preis.

Und 2008 wurde ein Robert-Gernhardt-Preis von der Landesbank Hessen-Thüringen gestiftet, für jährlich zwei Preisträger mit einem Preisgeld von jeweils 12.000 Euro.

Robert Gernhardt starb am 30. Juni 2006 in Frankfurt am Main an Krebs und wurde auf dem Frankfurter Hauptfriedhof beigesetzt.

(hhb)

 

Quellen:

Robert Gernhardt / AiD Ausländer in Deutschland 1/2001

Robert Gernhardt ist tot / 30.6.2006

Andreas Platthaus: Frankfurter Gezeichnete / FAZ vom 6.7.2006

 

Bücher:

Robert Gernhardt: Reim und Zeit – Gedichte / Reclam 2006

Robert Gernhardt: Denken wir uns – Erzählungen / Fischer Verlag 2007

Robert Gernhardt: Das große Lesebuch / Fischer Taschenbuch 2017