Rüdiger Proske

Rüdiger Proske war ein Fernsehjournalist, der gemeinsam mit ► Gert von Paczensky das politische TV-Magazins „Panorama“ gründete, um eine kritische Stimme gegenüber der Politik zu etablieren.

Geboren wurde Proske am 26. Dezember 1916 in Berlin als Sohn eines hohen Beamten der Reichsbahn. Was für die Familie Mobilität bedeutete: Er ging in Königsberg zur Schule und machte sein Abitur später in Breslau.

Im Zweiten Weltkrieg diente Proske als Jagdflieger und wurde über London abgeschossen. Während seiner Kriegsgefangenschaft in Kanada durfte er an der Toronto University Politikwissenschaft und Volkswirtschaftslehre studieren.

 

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Nach seiner Entlassung trat er 1947 in die Redaktion der „Frankfurter Hefte“ ein. Die 1946 von ► Eugen Kogon und ► Walter Dirks gegründete Monats-Zeitschrift für Kultur und Politik vertrat einen christlich-demokratischen Sozialismus. Sie stand der hessischen CDU nahe und gehörte in den folgenden Jahren ganz sicher zu den interessantesten unter den zum (Nach)Denken anregenden Medien in der jungen Bundesrepublik.

Von 1949 bis 1952 war Proske Vorstandsmitglied bei den Jungen Europäischen Föderalisten Deutschland e.V., ein deutscher Ableger im supranationalistischen Jugendverband der Europa-Union. In dieser Zeit war er zudem einer der beiden Herausgeber der international-kulturpolitischen Monatszeitschrift Aussprache, die von 1950 bis 1952 in Stuttgart erschien.

1952 wurde Rüdiger Proske stellvertretender Leiter der Abteilung Politik beim NWDR in Hamburg. 1957 beauftragte man ihn dort mit dem Aufbau des NDR-Regionalfernsehens, der Nordschau. 1958 wurde er Hauptabteilungsleiter Zeitgeschehen und 1960 dessen Chefredakteur.

Zusammen mit Gert von Paczensky startete er 1961 das Polit-Magazin "Panorama". Panorama wurde zum deutschen Vorbild für die bald folgenden weiteren politischen TV-Magazine report (BR)“, Monitor (WDR) und das zunächst als Ost-West-Magazin gedachte Kontraste (SFB), die heute alle donnerstags im Wechsel von der ARD ausgestrahlt werden. Die ersten Folgen von Panorama / Berichte–Analysen–Meinungen aber wurden zunächst nur im Wechsel mit "report sonntags" ab 18.45 Uhr gesendet.

Eine Art Blaupause für Panorama war das britische BBC Panorama. Als ungewohnt kritische Stimme eckte das neue TV-Format des NDR immer wieder an: 45 Minuten Sendezeit mit kleinen Filmbeiträgen zu politischen oder gesellschaftlichen Missständen, die von den Moderatoren kommentiert wurden. Panorama wollte keinesfalls zu einer Bastion für Regierungspropaganda werden, wie von der Adenauer-Regierung eigentlich erwünscht, wo man sich ohnehin über eine angeblich sozialdemokratische Einseitigkeit in den ARD-Sendern ärgerte. Engagierte Magazin-Journalisten wie Rüdiger Proske, Gert von Paczensky und später ► Peter Merseburger (Panorama), ► Hans Heigert (report) und ► Claus Hinrich Cassdorff (Monitor) sowie Peter Pechel und Peter Schultze (Kontraste) wollten keinen regierungstreuen Konsensjournalismus, sondern unabhängige Zeitkritik.

 

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Copyright: NDR

So berichtete Panorama im November 1962 ausführlich über die SPIEGEL-Affäre und trug zum Rücktritt von F.J. Strauß bei. Im gleichen Jahr wurde ein Fernsehteam von der Polizei festgenommen, als es einen Kurzfilm über einen Lehrer drehte, der KZ-Aufseher gewesen war. Und immer wieder fühlte sich die Bundesregierung angegriffen und empörte sich über angebliche Einseitigkeit mit „Methoden der Nationalsozialisten und Kommunisten vor 1933.“ In Bonn war man noch nicht daran gewöhnt, dass kritischer Journalismus zur Demokratie gehört, um Fehlentwicklungen rechtzeitig deutlich zu machen.

Als sich Panorama dann im Februar 1963 mit der BILD-Zeitung zum Thema Pressekonzentration anlegte, fühlte die sich als Vertreterin von Volkes Stimme berufen, am 13. Februar 1962 zu fordern, Proske und Paczensky umgehend zu entlassen: „Das Volk hat die Nase voll von der Fernseh-Diktatur. Auch politisch ist in den Fernseh-Häusern etwas nicht in Ordnung ... Wenn sie nicht mitschuldig werden wollen an der zerstörerischen Propaganda der heimatlosen Linken, dann wird es Zeit, daß deren Treiben ein Ende gemacht wird.“ Und legte tags darauf nach, nun konkret auf Paczensky gezielt: „Der Spitzbart muss weg!“ Sein Vertrag wurde 1963 nicht verlängert.

Rüdiger Proske trat ein halbes Jahr später von sich aus zurück, nachdem es in der Panorama-Sendung vom 23. September 1963 zu der Falschmeldung kam, dass im Bundestag Telefonate abgehört würden.

Danach arbeitete er als freier Schriftsteller und Autor für TV-Dokumentationen. In Zusammenarbeit mit dem Studio Hamburg produzierte er als Freelancer Serien wie „Ausblick auf die Zukunft“ oder „Die neue Welt der Biologie“ über Mikrobiologie.

Für SAT.1 produziert er die Geschichtsserie „Mitten in Europa – Deutsche Geschichte“. Diese Arbeit für das private Fernsehen gefiel ihm nicht schlecht, weil - „die ewigen Diskussionen, die es bei der ARD gibt, wo ein Projekt, bevor es angefangen wird, durch alle politischen Mühlen gedreht wird, die hat es dort nicht gegeben. Die haben geschaut: Wer macht das? Welche Professoren betreuen das? Und dann haben sie mich machen lassen" – bekannte er dem Hamburger Abendblatt am 31.12.1988 in einem Interview.

Gerade für das normale Publikum wollte er die Dinge verständlich machen: „Ich habe mich, seit ich Journalismus mache, seit dem März 1947, immer als Aufklärer empfunden: Als Mann, der die Aufgabe hat, Sachen auf den Grund zu gehen und das, was er gefunden hat, der Öffentlichkeit mitzuteilen. Nehmen Sie Raumfahrt, Genetik, dann Kernenergie und Atomphysik, später Elektronik. Ich will die Dinge verständlich machen.“

Zeitlebens wollte Rüdiger Proske Schienen legen: „Schienen für die Demokratie und Schienen für die Vernunft.“ Und als Journalist neugierig machen.

Rüdiger Proske starb am 10. Dezember 2010, kurz vor seinem 94. Geburtstag in Hamburg.

(hhb)