Dr. Theodor Martens war von 1948 bis 1966 zusammen mit seinem Partner Diedrich Kenneweg Verleger der ersten nachkriegsdeutschen Illustrierten Quick. In diesen Jahren lieferten sich die Quick und der Stern einen harten Kampf um die Spitzenposition auf dem Markt der Illustrierten – die Quick setzte dabei mehr auf Unterhaltung, der Stern auf Information und Recherche.
Theodor Dietrich Martens wurde am 16. März 1897 in Butterburg/Oldenburg als Sohn eines Landwirts geboren. Nach dem Abschluss seines volkswirtschaftlichen Studiums in Heidelberg und Leipzig wurde er zum Dr. rer. pol. promoviert. 1922 trat Martens als Assistent des kaufmännischen Direktors in den Berliner Ullstein-Verlag ein, wo er drei Jahre später Prokura erhielt und 1934 zum Vorstandsmitglied berufen wurde. Im Krieg war Martens zuletzt Korvettenkapitän der Reserve.
1948 gründete Theodor Martens in München zusammen mit Diedrich Kenneweg, früher ein Mitarbeiter der Berliner Illustrirten, den Verlag Theodor Martens & Co. Die Illustrierte Quick, das erste wöchentliche Unterhaltungsblatt nach dem Krieg, erschien am 25. April 1948. Mit ihr gelang dem Verlag auf Anhieb ein großer Wurf: Schon die Erstausgabe mit dem US-Präsidenten Truman auf der Titelseite hatte eine Auflage von 110.500 Exemplaren, mit 21 Seiten redaktionellen Text und drei Seiten Anzeigen. Nur zwei Monate später verkaufte man bereits 560.000 Hefte, unterstützt durch die damals eher zweideutige Botschaft „Dem Quick-Leser gehört die Welt“. Aus dieser Welt aber berichteten in der Tat mehrere „rasende Quick-Reporter“. Ihre oft skandalträchtigen Tatsachenberichte und die wochenlang servierten Fortsetzungsromane – etwa die „Memoiren der Kronprinzessin Cäcilie“ oder der Spionage-Thriller „Die Katze“ – hievten das Blatt bald über die Millionen-Marke. Einer ihrer Hausautoren war der damals noch unbekannte Johannes Mario Simmel: Seine Romane „Bis zur bitteren Neige“ und „Es muss nicht immer Kaviar sein“ erschienen zunächst als Fortsetzungen in der Quick.
Copyright: privat, Dr. Jens-Uwe Martens
Dieser Erfolg mit der Quick pushte das Verleger-Duo damals in die erste Reihe der deutschen Zeitschriften-Verleger. So wagte man 1951 das Fußball-Magazin Kicker wieder auf den Markt zu bringen – das war schon 1920 gegründet worden, musste aber 1944 eingestellt werden – und die vierzehntäglich erscheinende Illustrierte Weltbild.
1959 kam zunächst ► Günter Prinz zur Quick, bis dato Polizeireporter bei der Berliner BZ. Er holte bald darauf seinen früheren BZ-Chef Karl-Heinz Hagen nach München – beide wollten die Spitzenposition der Quick im Illustrierten-Markt gegen den Angreifer Stern verteidigen. Wobei ihnen vorübergehend ein weiterer BZ-Kollege half, ► Oswalt Kolle, der in der Quick damals seine verschiedenen „Unbekannten Wesen“ veröffentlichte. Nicht zu vergessen die Memoiren von Soraya und die nicht nur von Kindern geliebten Comics mit dem Meisterdetektiv Nick Knatterton. Auch ► Loriot zeichnete ab 1956 verstärkt für die Quick, mit seiner spöttelnden Kolumne ►„Der gute Ton“ und fingierten humorvollen Leserbriefen:
Politisch war das Blatt eher rechts verortet und veröffentlichte Homestories über konservative Politiker. Der Auflagenmotor aber waren Simmels Fortsetzungsromane, die royalen Hofberichte sowie die sexuelle Aufklärung von Oswalt Kolle.
Im Oktober 1960 übernahm TH. Martens die von ► Adolf Theobald, Stefan Wolf und ► Willy Fleckhaus gegründete Monatszeitschrift für junge Erwachsene twen, ein weiteres erfolgreiches Verlagsobjekt. Und im Sommer 1965 erwarb Martens von dem Münchner Verleger ► Helmut Kindler die Illustrierte Revue sowie das Musikmagazin Bravo.
1966 aber zog der Stern in diesem hart umkämpften Illustrierten-Krieg endgültig an der Quick vorbei, obwohl die damals ihre Rekordauflage von 1,5 Millionen erreicht hatte. Damals herrschte, durch den Einbruch des Wirtschaftswunders, Rezession in Deutschland. Als die beiden „Wedding-Brüder“ Hagen und Prinz ultimativ einen höheren Redaktionsetat für eine Gegenoffensive forderten, lehnte Martens ab. Womit der Menschenkenner Martens allerdings nicht gerechnet hatte, dass seine beiden Chefredakteure ihr Ultimatum ernst gemeint hatten und nun zurück zum Springer-Verlag gingen.
Beide Verleger standen an ihrer Altersgrenze von 70 Jahren – direkte Nachkommen als Nachfolger waren nicht in Sicht. Offenbar darum entschlossen sich Martens und Kenneweg ►tabula rasa zu machen und ihren Verlag für 48 Millionen DM an den Heinrich Bauer Verlag in Hamburg weiter zu reichen.
Daraufhin kam es in den Münchner Quick-Redaktionen zu massiven Protesten und in Folge darauf mit Blick auf die sich abzeichnende Pressekonzentration in vielen Zeitungs- und Zeitschriften-Redaktionen zu Forderungen nach Redaktionsstatuten. Darin sollte das Verhältnis zwischen Verleger und Journalisten geregelt werden – Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung, unter Achtung der Meinungsvielfalt auch in den Redaktionen.
Theodor Martens starb am 1. Juli 1973 in München.
Die Quick stellte ihr Erscheinen im August 1992 ein.
(hhb)
Quellen:
Quick-Lesern gehört die Welt nicht mehr / taz
Persönlicher Bericht von Dr. Jens-Uwe Martens zum Verkauf des Quick-Verlages