Kongress "Das Freie Wort"

Am 19. Februar 1933, also kurz vor den Reichstagswahlen, fand im großen Festsaal der Berliner Kroll-Oper eine Protestkundgebung gegen die unlängst an die Macht gelangten Nationalsozialisten und ihre NSDAP statt. In diesem Wahlkampf ein dringender aber leider erfolglos gebliebener Appell für ein Zusammengehen von SPD und KPD – getarnt als Kongress "Das Freie Wort".

Der Verleger ► Willi Münzenberg und der Journalist ► Kurt R. Grossmann hatten die Veranstaltung in kürzester Zeit organisiert, nachdem die Welt am Abend kurz zuvor nur wegen einer Äußerung von ► Alfred Kantorowicz im Blatt - „Es gebe Zeiten, da das freie Wort nicht mehr mit Worten, sondern durch die Tat verteidigt werden müsse“ – verboten wurde und man gegen den Autor sogar Haftbefehl erließ. An diesem Protest gegen die Einschränkung der Versammlungs- und Pressefreiheit nahmen rund 1.000 Personen teil, darunter etwa 100 Journalisten.

Zu Beginn wurde das Manifest "Das Freie Wort" verlesen - zu den Unterzeichnern gehörten u.a. Albert Einstein, Käthe Kollwitz sowie Heinrich und Thomas Mann. Meinungsfreiheit und das freie Wort müssten in einem freien Land selbstverständlich sein und bleiben.

Danach gab es mehrere Referate zum Thema Freiheit:  ein flammendes Plädoyer zur Wahrung der Pressefreiheit vom Journalisten und Professor für Zeitungswissenschaft ► Erich Everth. Als Höhepunkt verlas ► Adolf Grimme dann einen kritischen Aufruf von Thomas Mann.

Als sich schließlich der ehemalige preußische Justizminister Wolfgang Heine in gewohnt satirischer Weise zu den aktuellen Verordnungen der Nazis äußerte, wurde die Veranstaltung von einem anwesenden Polizeibeamten aufgelöst. Die Begründung: Heine habe in seiner Wortwahl Minister der jetzigen Regierung verächtlich gemacht.

(hhb)

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