Helmut Dietl

Von Helmut Dietl, Film- und Fernsehregisseur sowie Drehbuchautor, stammen zahlreiche wichtige, erfolgreiche und zumeist amüsante TV-Serien. Wie auch die Filmsatire „Schtonk!“ über einen der größten deutschen Medienskandale. Dietl hat mehrfach die Medien kritisch beleuchtet.

Helmut Dietl wurde am 22. Juni 1944 in Bad Wiessee/Oberbayern geboren. Er wuchs in München auf und lebte nach der Scheidung seiner Eltern immer wieder in der Obhut seiner Großeltern. In München besuchte er das Realgymnasium in Schwabing und studierte nach dem Abitur Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität – allerdings ohne Abschluss.

Beruflich startete er in den Jahren der Münchner Studenten-Unruhen und Umbrüche, aber auch zur Zeit der Erfindung des „Neuen Deutschen Films“. Zunächst wurde er Aufnahmeleiter beim bayerischen Fernsehen, danach kurzzeitig Regieassistent in den Münchner Kammerspielen. Da hatte ihn aber sein Interesse an der neuen Welle des deutschen Films längst gepackt, durch Filme wie „Zur Sache Schätzchen“.

1974 startete Dietl seine erste so unterhaltsame wie amüsante Fernsehserie für den BR Bayrischen Rundfunk: „Münchner Geschichten“ fürs TV-Vorabendprogramm. Es folgten die zusammen mit Patrick Süskind kreierten zwölf Folgen von „Der ganz normale Wahnsinn“. Daraus machte er später noch einen abendfüllenden Kinofilm, der 1979 in die Kinos kam und mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet wurde.

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Denkmal für Helmut Dietl  (l.) und Helmut Fischer an der Münchner Freiheit in Schwabing/München

Copyright: J. Patrick Fischer - Eigenes Werk, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=178764761

1983 hielt er dann nicht allein seinen bayerischen Landsleuten den Spiegel vor, als er für die ARD die zehnteilige Serie "Franze – Der ewige Stenz" produzierte oder ab 1986 für den WDR den Sechsteiler "Kir Royal". Beide so intelligente wie unterhaltsame TV-Unterhaltung.

1992 folgte dann sein erster Kinofilm "Schtonk", eine Persiflage über die Affäre der gefälschten Hitler-Tagebücher, die der Stern 1983 veröffentlicht hatte. Einer der größten Medienskandale in der Bundesrepublik. Damals hatte der Verlagschef von Gruner + Jahr an der Stern-Redaktion vorbei die Fälschungen für 9,3 Millionen DM angekauft. Der Stern begann die von Kujau gefälschten Tagebuchbände zu veröffentlichen und feierte sie als historische Sensation: „Die Geschichte des Dritten Reichs wird in großen Teilen neu geschrieben werden müssen.“

Auch "Schtonk!" wurde mehrfach ausgezeichnet: 1992 mit dem Deutschen Filmpreis und 1993 wurde er für den Golden Globe und den Oscar als bester nicht englischsprachiger Film nominiert. Fachkritiker bezeichneten Dietl von nun an als die „deutsche Antwort auf Woody Allen“.

1997 verulkte er mit seinem Film "Rossini – oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief" die Eitelkeiten der Münchner Filmschaffenden. Dafür erhielt er den Bayerischen Filmpreis.

Schon 1995 begann Dietls Zusammenarbeit auch mit dem Privatfernsehen. So produzierte er für Sat1 den fiktionalen Dokumentarfilm "Wambo", über das Leben des ermordeten Schauspielers Walter Sedlmayr.

2003 gehörte Helmut Dietl als einer der bekanntesten deutschen Regisseure mit zu den Gründern der Deutschen Filmakademie in Berlin. Natürlich hatte er bis dato in seinen Filmen auch viele Schauspieler entdeckt, ihnen Chancen eingeräumt und sie berühmt gemacht. „Ein Glück war es, mit Helmut zu arbeiten, der böse glitzernde Humor seiner Filme verfängt bis heute“, schrieb der Schauspieler und Essayist Hanns Zischler in der SPIEGEL Chronik 1/2015.

2013 räumte er in einem Interview mit der ZEIT ein, dass er an Lungenkrebs erkrankt sei. Er habe erst 2007 das Rauchen eingestellt – bis dahin habe er bis zu 120 Gitanes-Zigaretten pro Tag geraucht.

2014 erhielt Dietl den Deutschen Filmpreis für sein Lebenswerk.

Helmut Dietl starb am 30. März 2015 im Alter von 70 Jahren in München an seinem Krebsleiden. Er wurde auf dem Bogenhausener Friedhof beigesetzt.

Zu sehen ist er an der Münchner Freiheit in Schwabing, als Bronzefigur zusammen mit Helmut Fischer, dem Darsteller seines "Monaco Franze".

(hhb)

 

Quellen

Karl Forster: „Ich mach‘ Regie, und du machst, was ich sage“ / Süddeutsche Zeitung am 11.5.2010

Helmut Dietl ist schwer krank / DIE ZEIT am 27.11.2013

Bernd Graff: Abschied vom Virtuosen des Hintersinns / Südd. Ztg. am 30.3.2015

Helmut Dietl ist gestorben / DIE ZEIT am 30.3.2015

Andreas Platthaus: Münchens volkstümlicher Wiederholungstäter – Helmut Dietl ist tot / FAZ am 30.3.2015

Stefan Kuzmany: Helmut Dietl – ein Münchner im Himmel / SPIEGEL 22.10.2016

Carsten Heidböhmer: Helmut Dietl: Sein Leben, seine Filme / STERN am 22.6.2019

Claudius Seidl: Helmut Dietl – der Mann im weißen Anzug / Kiepenheuer & Witsch

 

Bücher + Schriften

Helmut Dietl: A bisserl was geht immer – Unvollendete Erinnerungen / Kiepenheuer & Witsch