Conrad Ahlers

Rudolf Augstein wurde am 5. November 1923 in Hannover als Sohn des Kamera-Fabrikanten und Foto-Kaufmanns Friedrich Augustein geboren. Seine Mutter Gertrude Maria Augstein hatte sechs weitere ältere Kinder. Mit seinen fünf Schwestern und einem Bruder - Josef, der später als Anwalt arbeitete - wuchs Augstein in einer bürgerlich katholisch geprägten Familie auf.

Nach Kriegsende studierte er ab 1945 in Hamburg Volkswirtschaft, war stellvertretender AStA-Vorsitzender und wurde 1947 Mitgründer der Jungen Union. Im gleichen Jahr begann er als journalistisch zu arbeiten, zunächst für den Deutschen Dienst der BBC in London. 1949 holte ihn Hans Zehrer zum Hamburger Sonntagsblatt von Bischof Lilje. 1951 wechselte Ahlers als Chef vom Dienst zum Presse- und Informationsamt der Bundesregierung und wurde ein Jahr später Pressereferent im Amt Blank, der Vorgänger-Institution des späteren Verteidigungsministeriums.

1954 ging Ahlers als außenpolitischer Redakteur zur Welt. 1957 wurde er Bonner Korrespondent für den Spiegel, dann 1959 innenpolitischer Redakteur bei der Frankfurter Rundschau und 1962 schließlich stellvertretender Chefredakteur beim Spiegel.

 

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Copyright: ullstein bild - Sven Simon

Dort erschien in Heft 41/1962 am 10. Oktober sein Artikel „Bedingt abwehrbereit“, eine Zustandsbeschreibung der Bundeswehr, welche die Spiegel-Krise auslöste. Ahlers beschrieb darin das Herbstmanöver Fallex 62, ein Nato-Manöver unter der Annahme, dass der dritte Weltkrieg mit einem Großangriff auf Europa beginnen würde. Etwa mit einem Atomschlag der Sowjets auf einen deutschen Fliegerhorst. Die Nato müsste atomar zurückschlagen – im Manöverpapier waren kurz darauf große Teile Englands und der Bundesrepublik zerstört. Man rechnete mit zehn bis 15 Millionen Toten. Dies alles und das folgende Chaos beschrieb Ahlers in seinem Artikel: das absolut unzureichende militärische Konzept der Bundeswehr und die so nur bedingt abwehrbereite Streitmacht von Verteidigungsminister F. J. Strauß. Der beim Manöver anwesende Bundesinnenminister Hermann Höcherl urteilte: Unter den gegenwärtigen Umständen hat fast keiner eine Chance." Und die Selbsterkenntnis der Nato: „In der Territorialverteidigung derzeit nur bedingt abwehrbereit.“

Kanzler Adenauer spielte in jenen Tagen Boccia in Cadenabbia, und Verteidigungsminister Franz Josef Strauß leckte seine Wunden aus der „Fibag-Affäre“ in Torremolinos. Und nun stand er, der immer Atomwaffen gefordert und die Mannschaftsstärke seiner Truppen darum reduziert hatte, erneut im Mittelpunkt der Kritik. Besonders wegen der erkennbar schlechten konventionellen Ausrüstung seiner Streitmacht. Adenauer sah in dem Spiegel-Artikel „einen Abgrund von Landesverrat“ und Strauß ließ Ahlers kurzerhand von der spanischen Polizei rechtswidrig im Urlaub verhaften. Selbst für Hermann Höcherl „wohl etwas außerhalb der Legalität“. So begann die sogenannte Spiegel-Affäre – als schwere Krise der Regierung Adenauer! Ahlers wurde nach 55 Tagen aus der U-Haft entlassen, der Spiegel-Gründer Augstein nach 103 Tagen. Das Verfahren gegen Ahlers wegen angeblichen Geheimnisverrats wurde am 13. Mai 1965 vom Bundesgerichtshof als unbegründet eingestellt.

In der Zeit der Großen Koalition unter Kanzler Kiesinger von 1966 bis 1969 war Ahlers stellvertretender Leiter des Bundespresseamts. Und dort manchmal Intrigen ausgesetzt. 1968 trat Ahlers in die SPD ein. Während Willy Brandts Amtszeit von 1969 bis 1972 wurde er Regierungssprecher und Chef des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung. Von Dezember 1972 bis März 1980 war er dann SPD-Bundestagsabgeordneter und Mitglied im Verteidigungsausschuss.

In dieser Zeit schrieb er auch für verschiedene Medien, unter anderem für den Stern. Und von 1978 bis 1979 war er Chefredakteur der Hamburger Morgenpost. Im Dezember 1979 legte er sein Bundestagsmandat nach seiner Wahl zum Intendanten der Deutschen Welle nieder.

Conrad Ahlers starb am 18. Dezember 1980 unerwartet an Kreislaufversagen in Bonn.

(hhb)