Friedrich Luft wurde am 24. August 1911 in Berlin-Friedenau als Sohn eines Studienrats und einer schottischen Mutter geboren. Er besuchte das Gymnasium in Friedenau und studierte nach dem Abitur Germanistik, Anglistik und Geschichte in Berlin und Königsberg. Außerdem hörte er im Theaterwissenschaftlichen Institut Berlins bei Max Herrmann Vorlesungen über Theatergeschichte.
Ab Mitte der 30er Jahre arbeitete er als freier Autor, schrieb Feuilletons fürs Berliner Tageblatt und die Deutsche Allgemeine Zeitung, verfasste Drehbücher für die Heeresfilmstelle und Texte für den Kabarettisten Werner Finck. Als er einmal die Wohnung seines Freundes Finck hütete, klingelte es an der Tür: „Sind Sie Werner Finck?“ wurde er von den Polizisten gefragt. „Ich bin Luft,“ antwortete er und wurde daraufhin abgeführt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg schrieb er für den Tagesspiegel die Kolumne Urbanus mit Alltagsskizzen aus der Nachkriegszeit. Die sind 1999 wieder als Buch erschienen, als damaliger „Blick über den Zaun“.
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1947 wurde er Feuilletonchef für Berlin in der von den Amerikanern gegründeten Neuen Zeitung. Und war bis zu deren Einstellung im Jahr 1955 vor allem deren Theater- und Filmkritiker.
Zudem die „Stimme der Kritik“ beim Rundfunk-Sender RIAS Berlin. Von Februar 1946 bis Ende Oktober 1990 meldete er sich anfangs an jedem Sonnabend, später an jedem Sonntag zur Mittagszeit eine Viertelstunde lang zu Wort - unverwechselbar im Ton, oft irgendwie atemlos und in abgehacktem Stakkato. Doch immer überzeugend seine pointierten Kritiken über Theaterpremieren und neu angelaufene Filme. Was seine Hörer animierte hinzugehen und sich selbst ein Urteil zu bilden. Konstant die Abmoderation nach jeder sonntäglichen Viertelstunde: „Wir sprechen uns wieder, in einer Woche. Wie immer gleiche Stelle, gleiche Welle, herzlich auf Wiederhören, Ihr Friedrich Luft.“ Nach dem Mauerbau im August 1961 wurde seine Sendung auch zur Luft-Brücke für den Ostteil Berlins, denn er berichtete in seinen Sendungen natürlich weiterhin über das Kulturleben der Menschen diesseits und jenseits der Mauer.
Seine Kritiken druckten auch Die Welt, die Süddeutsche Zeitung und die Berliner Morgenpost. Friedrich Luft konzentrierte sich stets auf das Wesentliche und urteilte unverblümt und mit Humor.
Beim Theater setzte er sich für Bertolt Brecht ein und entdeckte Beckett für die deutschen Bühnen. Andererseits lag er manchmal bei der Beurteilung von Jugend-Idolen daneben. So bezeichnete er Elvis Presley einmal als „effeminierten Schnulzenröchler“.
Friedrich Luft blieb jahrzehntelang Deutschlands populärster und einflussreichster Theaterkritiker, zudem eine Hörfunk-Instanz und ein Leuchtturm unter den oft lediglich nur besserwisserischen Kritiker-Kollegen.
Friedrich Luft starb am 24. Dezember 1990 in seiner Heimatstadt.
Seit 1992 verleiht die Berliner Morgenpost jährlich den nach ihm benannten Friedrich-Luft-Preis für die besten Berliner oder Potsdamer Theaterinszenierungen.
(hhb)
Bücher
Friedrich Luft: Blick über den Zaun, Transit Buchverlag 1999