Kurt Halbritter

Kurt Halbritter wurde am 22. September 1924 in Frankfurt am Main geboren. Nach seiner Schulzeit machte er eine Lehre als Chemigraf oder Klischeeätzer, damals ein Fachberuf im grafischen Gewerbe. 1942 wurde er zur Kriegsmarine eingezogen und geriet bei Kriegsende bis Ende 1947 in britische Gefangenschaft. Nach seiner Entlassung besuchte er von 1948 bis 1952 die Werkkunstschule in Offenbach, heute Hochschule für Gestaltung.

Ab 1954 arbeitete er freiberuflich als Illustrator, Werbegrafiker und Autor in Frankfurt-Rödelheim, wo er bis zu seinem Lebensende wohnte. Er zeichnete erste Karikaturen für die Frankfurter Rundschau. Bald folgten auch Zeichnungen für die Frankfurter Allgemeine Zeitung oder den Vorwärts. Beim in Frankfurt erscheinenden Satiremagazin pardon gehörte er zur Gründungsredaktion. Lokalen Ruhm erwarb er mit der Erfindung von zwei Werbefiguren für die Binding-Brauerei, mit dem frankfodderisch babbelnden Paar „Schorsch und Schaa“, die auf Bierdeckeln, Plakaten und Postkarten mit munteren Sprüchen für das Bier warben und zum Schmunzeln anregten.

 

Kurt Halbritter entpuppte sich zudem schnell als scharfsinniger Beobachter und Kritiker der bundesdeutschen Nachkriegsgesellschaft und veröffentlichte darüber mehr als 80 von ihm getextete und illustrierte Bücher: 1954 startete er mit seinem ersten Cartoon-Band „Disziplin ist alles“ - über Wiederaufrüstung der Bundesrepublik und ihre Bundeswehr. Zwölf weitere Schmunzelbücher folgten bis 1962. Zu Bestsellern wurden 1968 „Adolf Hitlers Mein Kampf – Gezeichnete Erinnerungen an eine große Zeit“, voll bitterbös zugespitzter Alltagsszenen im Dritten Reich, über Mitläufer und Denunzianten, Gutgläubige und Böswillige. Oder 1976 „Jeder hat das Recht“, Halbritters spöttelnde Kritik über so manche deutsche Gesetzgebung und die daraus entstandene Verfassungswirklichkeit.

Halbritter sah sich als militanter Pazifist und setzte seine Karikaturen, Cartoons und seine satirisch zugespitzten Texte gezielt als Waffen ein, ganz ähnlich wie damals andernorts seine internationalen Kollegen Jean Bosc, Chaval, Ronald Searle, Jean-Jacques Sempé, Saul Steinberg oder Tomi Ungerer. Alle ihre zeitlosen Karikaturen haben wie die von Halbritter bis heute nichts von ihrem Biss und ihrer Treffsicherheit verloren. Der „Lustzeichner“ Halbritter, als den ihn die FAZ bezeichnete, war immer der Meinung, dass „ein guter Karikaturist mit der Hälfte der Übertreibungen auskommt, deren sich ein schlechter Politiker bedient.“ Wie wahr, wenn man heute an Donald Trump oder so manchen CSU-Politiker denkt. Er jedenfalls hatte keine Scheu, die Mächtigen dieser Welt immer wieder aufs Korn zu nehmen, ihre Heucheleien, Wortbrüche und Tricksereien aufzudecken und auf intelligente Weise anzuprangern.

1978 starb Kurt Halbritter während einer Irlandreise – er wurde nur 54 Jahre alt.

Sein Heimatkiez Rödelheim ehrte ihn, indem man den Bereich am Blauen Steg zur „Kurt-Halbritter-Anlage“, umbenannte. Dort erinnert eine skurrile Tierfigur an ihn - der „Barfüßer“ - ein Kunstobjekt, das der Kasseler Bildhauer Siegfried Böttcher nach einer Halbritter-Zeichnung geschaffen hat.

(hhb)