Herrmann Bachmann

Hermann Bachmann wurde am 21. Dezember 1856 geboren - in Elbogen/Böhmen, im heutigen Loket. Sein Vater, ein Pädagoge, war der spätere Direktor der deutschen Lehrerinnen-Bildungsanstalt in Prag.  Bachmann besuchte das deutsche Gymnasium in Prag-Kleinseite, wo er 1874 seine Matura machte. Danach studierte er an der Prager Universität Philologie. Schon als Student lieferte er Beiträge für den liberalen Tagesboten aus Böhmen, arbeitete nach Beendigung des Studiums aber zunächst als Gymnasiallehrer in Prag und Pilsen.

Ab 1881 wandte er sich endgültig dem Journalismus und der Tagespresse zu, zunächst als Redakteur und bald darauf als Chefredakteur des liberalen Wochenblattes Pilsener Zeitung, das er bis 1888 leitete. Nebenher war er in Pilsen Korrespondent für die deutschsprachige Zeitung Bohemia in Prag, ein Unterhaltungsblatt für die gebildeten Stände.

Im Februar 1888 wechselte er nach Wien und wurde volkswirtschaftlicher sowie außenpolitischer Redakteur und Leitartikler für die Deutsche Zeitung. Während des damaligen böhmischen Sprachenstreits setzte er sich für das Deutschtum der dort lebenden Minderheit ein und würdigte in einer umfassenden Bestandsaufnahme die Leistungen der deutschen Kulturarbeit in Böhmen.

Von 1890 bis 1892 arbeitete er in München bei der Münchner Allgemeinen Zeitung, ging dann 1892 nach Berlin zur Vossischen Zeitung, wo er 1895 stellvertretender und ab 1900 Chefredakteur wurde. Nach alter Tradition waren bei der Vossischen die Tätigkeiten des Chefredakteurs und des Leitartiklers streng getrennt – Bachmann war Ideengeber und Teamchef der Redakteure, außerdem Verbindung zur Verlagsleitung. Die beiden Leitartikel pro Tag für die Morgen- und Abendausgaben kamen aus der Feder von Dr. I. Levy. Darum konnte sich Bachmann darauf konzentrieren, die Redaktion, die Herzkammer der Zeitung auch unter schwierigsten Bedingungen zu stabilisieren, besonders nach dem Verkauf des Blattes von den Verlegerfamilien Lessing und Müller über einige Zwischenstationen letztendlich an den Ullstein-Verlag. Denn als sich der 83-jährige Altverleger Carl Robert Lessing 1911 endgültig zurückzog, war der Technikbereich total veraltet. Bis dahin wurde die Zeitung im Handsatz erstellt, die ersten beiden Setzmaschinen wurden erst 1911 angeschafft.

Mit ruhiger Hand führte er die „alte Tante Voss“ durch die Turbulenzen dieser Jahre, setzte in der Redaktion einige organisatorische Veränderungen durch und heuerte immer wieder neue Talente an. Schon seit 1900 gab es ein ständiges Feuilleton, für das Alfred Klaar verantwortlich zeichnete. Außerdem startete er Sonntags- und Reisebeilagen.

Nach der Übernahme durch Ullstein teilte Bachmann sich die Aufgabe der Chefredaktion bald mit Georg Bernhardt. Während des Ersten Weltkriegs vertraten beide einen außenpolitischen Kurs, der zumindest in Teilen den Kriegszielen der deutschen wie der österreichischen Regierungen zuwiderliefen.

Hermann Bachmann starb am 16. November 1920 im Alter von 63 Jahren in Berlin.

In seinem Nachruf schrieb Alfred Klaar, Feuilleton-Chef der Vossischen:

„Auf seinen 63 Lebensjahren lastete keinerlei Ermüdung. Er hatte nicht nur den äußeren Habitus des jüngeren Mannes, sondern auch die ganze Wärme der Empfindung, die man der Jugend vor allem zuzusprechen pflegt. Leidenschaftlich in allen großen Fragen des Volkstums – die nationale Katastrophe, durch die wir hindurchgehen, hat ihn aufs tiefste erschüttert, aber nicht zur Mutlosigkeit herabgedrückt -, war er zart, gemütvoll in allen persönlichen Beziehungen, treu und hilfreich als Kollege, von echter Begeisterung für alles Schöne und Große. Ein ungekünstelter Idealismus, der nicht rhetorisch prunkte, aber als warme Quelle durch sein ganzes Wesen strömte, vereinigte die beiden Seiten seiner Natur: die historisch-politische und die poetisch-feinfühlige.“

(hhb)

 

Hermann Bachmann gestorben in Vossische Zeitung vom 16. November 1920 – Abendausgabe