Klaus Bednarz

Klaus Bednarz, von 1983 bis 2001 Redaktionsleiter von „Monitor“, präsentierte das WDR-Magazin rund 1.500mal als Moderator – stets engagiert und meinungsstark. Bednarz kämpfte gegen die Tendenz einer Entpolitisierung der TV-Programme; er stritt mit „Monitor“ für Menschenrechte, soziale Chancengleichheit, Umweltschutz und für eine Lösung der durch Recherchen aufgedeckten gesellschaftspolitischen Probleme. Als Journalist der alten Schule vertrat er unbeirrt den investigativen und aufklärerischen TV-Journalismus.

Klaus Bednarz wurde am 6. Juni 1942 in Falkensee bei Berlin geboren, als Sohn einer Familie, die aus Masuren stammte. Im sowjetisch besetzten Falkensee ging er zur Schule, bis seine Familie sich 1955 nach Hamburg absetzte. Nach dem Abitur studierte er Theaterwissenschaft, Slawistik und osteuropäische Geschichte in Hamburg, Wien und Moskau. Sein Berufswunsch zu jener Zeit war die Schauspielerei.

1967 bewarb sich Bednarz allerdings spontan bei der ARD, wurde eingestellt und arbeitete dort bis 1971 als Redakteur. Wegen seiner Sprachkenntnisse ging er dann bis 1977 als Auslandskorrespondent nach Warschau und leitete danach bis 1982 das ARD-Studio in Moskau. Zurück in Deutschland übernahm er die redaktionelle Leitung des Auslandsstudios beim WDR in Köln.

 

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Klaus Bednarz auf der lit.Cologne 2007

Copyright: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons), CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1809518

Im Dezember 1983 wurde er als Nachfolger von ► Gerd Ruge Leiter des WDR-Politmagazins „Monitor“. In den folgenden 18 Jahren sorgte Bednarz bei „Monitor“ mutig für einen kritischen, investigativen TV-Journalismus und half bei der Aufdeckung politischer Skandale und Affären. Was ihm einige Anfeindungen einbrachte, zumeist von Politikern aus dem konservativen Lager. Mit seiner publizistischen Arbeit markierte er einen Höhepunkt des Magazin-Journalismus im deutschen Fernsehen – als journalistisches Gegengewicht zum vielkanaligen Trash-TV.

Heinrich Böll schenkte den „Monitor“-Magazinmachern einst eine Kerze, die er mit diesen Worten überreichte: „Die haben wir als Kinder angezündet, wenn ein Gewitter heraufzog und die Gefahr bestand, dass der Blitz einschlägt. Vielleicht hilft sie euch.“ Offenbar wirkte sie, denn niemals ist ein Blitz von woher auch immer so kräftig eingeschlagen, dass Bednarz und seine Mannen vom Seil gestürzt wären.

Nach der Wiedervereinigung setzte sich Bednarz weit vorausblickend vor allem gegen den Neonazismus und die zunehmende Ausländerfeindlichkeit ein. 2001 beendete er seine Arbeit bei „Monitor“und sagte bei seinem Abschied: „Es waren wunderschöne Jahre. Das Wichtigste war, dass die Redaktion ihre Linie des unabhängigen Journalismus beibehalten hat, ohne sich von irgendjemandem innerhalb oder außerhalb des Hauses unter Druck setzen zu lassen."

Bednarz blieb bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2007 der ARD erhalten, als WDR-Chefreporter und ARD-Sonderkorrespondent. 2006 produzierte er zusammen mit Gerd Ruge und ► Fritz Pleitgen eine vielbeachtete Serie über die Rocky Mountains. Ansonsten aber beschäftigte er sich in seinen Reportagen nun hauptsächlich mit Osteuropa und Zentralasien, darunter seine beiden Filme über die ostpreußische Heimat seiner Familie „Ermland und Masuren“ sowie „Königsberg und Kurische Nehrung“.

Für seine journalistische Arbeit wurde er mehrfach ausgezeichnet: So erhielt er 1982 und 1985 jeweils „Ehrende Anerkennungen“ beim Adolf-Grimme-Preis; 1988 die Carl-von-Ossietzky-Medaille; 1991 die Goldene Kamera; 1992 den Deutschen Kritikerpreis oder 1995 den Telestar.

Klaus Bednarz starb am 14. April 2015 im Alter von 72 Jahren in Schwerin. Er wurde in Hamburg-Eißendorf beigesetzt.

Der WDR-Intendant Tom Buhrow sagte zum Tod von Klaus Bednarz: „Wir verlieren einen der bedeutendsten deutschen Fernsehjournalisten. Klaus Bednarz war ein unbeugsamer Fürsprecher für Mensch und Umwelt. Er war Vorbild für kritischen, unerschrockenen Journalismus. Unter seiner Leitung entwickelte sich ‚Monitor’ zu einem Magazin, das auf dem Gebiet des investigativen Journalismus Herausragendes und Richtungsweisendes geleistet hat und leistet. In Erinnerung bleiben werden aber auch seine packenden Dokumentationen und Reisereportagen.“

 

(hhb) 

 

Quellen:

Klaus Bednarz - Biographie / Who’s Who

Joachim Huber: Ein Fernsehleben, ein Kampf - Klaus Bednarz gestorben / Tagesspiegel vom 15.4.2015

Klaus Bednarz ist tot / SPIEGEL vom 15.4.2015

Klaus Bednarz: Streitlustig und still / SZ vom 15.4.2015

 

Bücher:

Klaus Bednarz: Ferne und Nähe – aus meinem Journalistenleben / rowohlt