Erich Dombrowski

Erich Dombrowski wurde am 23. Dezember 1882 in Danzig geboren. Dort besuchte er das humanistische Gymnasium und studierte danach Nationalökonomie in Frankfurt am Main. 1907 wandte er sich dem Journalismus zu und war bis 1915 in Danzig, Kiel, Breslau und zuletzt als Chefredakteur des Geraer Tageblatts in Thüringen tätig. Von dort holte ihn ► Theodor Wolff 1916 zum Berliner Tageblatt, als Leiter des innenpolitischen Ressorts, als Leitartikler und zuletzt als stellvertretenden Chefredakteur.

Am Ende des Ersten Weltkriegs, als sich die Deutschen nach Frieden, Freiheit und dem Ende des sich abzeichnenden politischen Chaos sehnten, machte er ihnen deutlich, welche Anstrengungen dem Land noch bevorstehen würden. Und wählte dazu als Resümee seines Leitartikels „Am Jahresende“ in der Abendausgabe des Berliner Tageblatts am 31. Dezember das Bild des Sisyphus: „Zaudernd überschreiten wir den Rain des neuen Jahres und voller Sehnsucht erwarten wir: Frieden, Freiheit und Ordnung, um arbeitend wieder von vorne anzufangen. Sisyphus gleichen wir, der schweißtriefend, im ewigen Wechsel der Zeiten, immer wieder und wieder den Stein bergauf rollen muß, nachdem er ihm kurz vor dem Gipfel entglitten und ins Tal entfallen war. Und Sisyphus arbeitete, ohne zu verzweifeln.“

 

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Copyright: F.A.Z.-Foto / Wolfgang Haut

Parallel zu seiner Tätigkeit beim Berliner Tageblatt verfasste er von 1918 bis 1926 unter seinem Pseudonym „Johannes Fischart“ – dem elsässischen Satiriker Johann Fischart nachempfunden, der von 1546 bis 1590 lebte – 128 Porträts zeitgenössischer Persönlichkeiten aus Kultur, Politik, Publizistik oder Wissenschaft für Die Weltbühne. Diese Porträts, unter anderem von Medienmenschen wie Emil Dovifat, ► Kurt Eisner, ► Rudolf Mosse oder Theodor Wolff, wurden später auch in Buchform veröffentlicht. Gelegentlich war er zudem unter einem weiteren Pseudonym – „Sebastian Brant“, der im 16. Jahrhundert das Narrenschiff schrieb – mit politischen Glossen für die Neue Rundschau tätig, die im Fischer-Verlag erschien.

Von 1926 bis 1936 war er dann Chefredakteur des Frankfurter General-Anzeiger. Bis er 1936 „als politisch unzuverlässig“ aus der Berufsliste gestrichen wurde und sich als freier Autor so gut es ging durchschlug.

1945 wurde er Vorsitzender des Presseverbandes in der französischen Besatzungszone und gründete zusammen mit dem Verleger Adolf Fraund den Neuen Mainzer Anzeiger, der erstmals am 26. Oktober 1945 erschien. Und im Jahr darauf startete er mit französischer Lizenz in Mainz die Allgemeine Zeitung, die er bis 1957 als Chefredakteur leitete - wie auch deren Kopfblätter Wiesbadener Tageblatt und Darmstädter Tageblatt.

1949 gehörte er zusammen mit Hans Baumgarten, ► Karl Korn, ► Paul Sethe und ► Erich Welter zu den Gründern der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Seine ehemaligen Kollegen beim Berliner Tageblatt hatte Dombrowski nach dem Zusammenbruch zur Mainzer Allgemeinen Zeitung geholt, die sich damals als Nachfolgerin der Frankfurter Zeitung verstand. Der Frankfurt-Kenner Erich Dombrowski war dann bis Ende 1962 Mitherausgeber der FAZ und im Herausgebergremium der Zeitung so etwas wie der „primus inter pares“. Dieses Gremium sollte die FAZ redaktionell leiten und ihre politische und geistige Haltung bestimmen. Erich Dombrowski selbst vertrat darin eine außerordentlich konservative Linie.

Erich Dombrowski starb am 29. Oktober 1972 in Wiesbaden.

(hhb)

 

Presse: Zeitung für Deutschland – in SPIEGEL 47/1949 vom 17.11.1949

Kommentar von Erich Dombrowski im Berliner Tageblatt vom 31. Dezember 1918

 

Bücher:

 

Erich Dombrowski: Zehn Jahre deutscher Kulturentwicklung vor dem Kriege 1914/15; Leipzig 1915

Johannes Fischart: Das alte und das neue System; Oesterheld & Co., Berlin 1919

Johannes Fischart: Köpfe der Gegenwart; Oesterheld & Co., Berlin 1920

Johannes Fischart: Neue Köpfe; Oesterheld & Co., Berlin 1925