Theodor Hosemann

Der Illustrator, Karikaturist und Kunstmaler Theodor Hosemann war ein herausragender Chronist des vormärzlichen Berlins und zugleich Lehrer und Mentor von Heinrich Zille.

Friedrich Wilhelm Heinrich Theodor Hosemann wurde am 24. September 1807 in Brandenburg an der Havel geboren. Er stammte aus einer preußischen Offiziersfamilie, wuchs aber in sehr bescheidenen Verhältnissen in wechselnden Wohnorten auf, weil sein Vater als preußischer Offizier ständig versetzt wurde.

Nach seiner Schulzeit begann er 1819 bereits als Zwölfjähriger eine Lehre in der Düsseldorfer Lithographischen Anstalt Arnz & Winckelmann. Dort wurde er nach Ende seiner Lehrzeit im Alter von 15 Jahren sofort als Zeichner fest angestellt. Nebenher besuchte er von 1822 bis 1828 die Kunstakademie in Düsseldorf, als Schüler von Lambert und Peter Cornelius sowie bei Wilhelm von Schadow.

Als Johann Christian Winckelmann sich 1828 von Arnz trennte und in Berlin eine Verlagsbuchhandlung mit lithographischer Anstalt gründete, schloss sich Hosemann ihm an und wurde dort zum wichtigsten Zeichner seines bisherigen Düsseldorfer Arbeitgebers. Denn Johann Christian Winckelmann wollte Hosemann unbedingt mit nach Berlin nehmen und verdoppelte darum sein Jahresgehalt von 200 auf nun 400 Taler.

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Theodor Hosemann mit 48 Jahren (Selbstbildnis von 1855)

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Damals illustrierte der junge Hosemann vor allem Kinderbücher sowie Jugendschriften und schuf zahlreiche Bilderbögen. Aber er fertigte auch humoristische Zeichnungen und Illustrationen für verschiedene Verlage, etwa für Buntes Berlin von George Gropius. Eine besonders enge Partnerschaft verband ihn mit dem Berliner Humoristen ► Adolf Glaßbrenner, dessen Schriften und sein Typus „Eckensteher Nante“ wurden größtenteils von Hosemann illustriert. Auch die von Glaßbrenner herausgegebene Zeitschrift Berlin wie es ist und – trinkt. Das alles verschaffte Hosemann schnell einen großen Bekanntheitsgrad in der Verlagsbranche.

So lieferte er Zeitbilder für die Berliner Abendpost, Illustrationen und Karikaturen für die Berliner Illustrirte, die Berliner Morgenpost, das Dampfboot, die Gartenlaube, für die Illustrierten Wochenbeilagen des Neuköllner Tageblatts und des Steglitzer Anzeigers sowie für zahlreiche Literatur- und Kunst-Magazine. Vor allem humorvolle Genre-Szenen aus dem alten Berlin der 20er Jahre, die damals gern und häufig von den Zeitungen und Zeitschriften abgedruckt wurden.

 

Barrikade an der Ecke Jäger-/Friedrichstraße in Berlin 1848

Zeitungsleser 1847

Die Bürgergardisten 1839

Franz Liszt im Konzert 1842

In den 1840er Jahren illustrierte er u.a. E.T.A. Hoffmanns „Gesammelte Schriften“, Gotthelfs „Uli der Knecht“ oder auch E. Sues „Geheimnisse von Paris“.

Er wurde Mitglied der Berliner Literatenvereins „Tunnel über der Spree“, wo er den Vereinsnamen „Hogarth“ annahm, nach seinem Vorbild William Hogarth, einem sozialkritischen englischen Maler und Graphiker aus dem 18. Jahrhundert.

1857 berief ihn die Berliner Akademie der Künste als Professor und machte ihn drei Jahre später zum Mitglied. Zu seinen zahlreichen Schülern gehörte ab 1874 ► Heinrich Zille – ihm soll er empfohlen haben: „Gehen Sie lieber auf die Straße hinaus, ins Freie, beobachten Sie selber, das ist besser, als wenn Sie mich kopieren. Ohne Künstler werden zu wollen, können Sie Zeichnen im Leben immer gebrauchen; ohne Zeichnen zu können, sollte kein denkender Mensch sein.“ Was Zille dann auf seine Weise tat.

Theodor Hosemann starb am 15. Oktober 1875 im Alter von 68 Jahren in Berlin und wurde auf dem Friedhof der Sophiengemeinde an der Bergstraße beigesetzt. 1910 wurde eine Straße im Bezirk Prenzlauer Berg nach ihm benannt.

Seine noch immer anhaltende Popularität verdankt er den „Volksbildern“, seinen ironisch-gemütvollen aber gelegentlich auch durchaus deftigen Zeichnungen über das Berlin der Biedermeierzeit. Realistische Darstellungen vom kleinbürgerlichen Leben und der Kultur im 19. Jahrhunderts, in der Zeit des Vormärz. Alles in allem stammen wohl fünf- bis sechstausend graphische Arbeiten und etwa 500 Ölgemälde von Theodor Hosemann.

(hhb)

 

Quellen

Wolfgang Freiherr von Löhneysen: Hosemann, Theodor / Deutsche Biographie

Theodor Hosemann Kurzbiographie / Laokoon Berlin

Dr. Gabriela Ivan: Amüsant, skurril und bitter ernst – Theodor Hosemann, Chronist des Berliner Lebens im 19. Jahrhundert / Stadt Brandenburg am 7.11.2017

150. Todestag: Theodor Hosemann konnte von seiner Kunst sehr gut leben / Meetingpoint Brandenburg am 15.10.2025

Karin Rase: Theodor Hosemann – Chronist seiner Zeit / BeBra Verlag 2025

 

Bücher + Schriften

Theodor Hosemann + Wolfgang von Polentz: A B C – das Alphabet in Bildern von Theodor Hosemann / Amalienpresse 2021